Neue
IDZ-StudieLeitlinien sind praxistauglich |
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16. Oktober 2008 -
Zahnärzte zeigen eine große Aufgeschlossenheit im praktischen Umgang
mit Leitlinien - das ergab eine neue Studie des Instituts der Deutschen
Zahnärzte (IDZ). In einem Modellversuch bei Qualitätszirkeln im Raum
Hamburg wurden drei zahnärztliche Pilotleitlinien auf ihre
Anwendungstauglichkeit im Versorgungsalltag hin bewertet. Das Besondere: Es
wurde nicht nur quantitativ gemessen, sondern es wurden erstmals qualitative
Aussagen über die Einstellung der Zahnärzte zu dem Thema untersucht.
Die Aussage: Viele Vorbehalte sind abgebaut.
Die Ergebnisse der Studie geben einen forschungspolitisch neuen Einblick in die Nutzung von evidenzbasierten Leitlinien in der ärztlichen und zahnärztlichen Versorgungspraxis. Dank qualitativer Forschungsprinzipien (siehe Kasten) konnten erstmals Feinheiten und Nuancen in den Urteilsbildungen der Zahnärzte über Leitlinien erfasst werden. Das immer wieder kolportierte "Bauchgefühl" im Umgang mit dem im Berufsstand oftmals in Sinn, Zweck und
Zum Hintergrund: Die Zahnärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (ZZQ) im Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) hat mit Unterstützung der zahnmedizinischen Wissenschaft drei "Pilotleitlinien" zu den Themen Fissurenversiegelung, Fluoridierungsmaßnahmen und Weisheitszahnentfernung entwickelt. Sie gelten als Anwendungsangebot für den alltäglichen beruflichen Handlungsrahmen. In einem ZZQ-Modellversuch wurden die Leitlinien seit November 2006 unter praktisch tätigen Zahnärzten evaluiert mit dem Ziel, den konkreten Anwendungsnutzen systematisch zu beleuchten. Dazu wurden sie mithilfe von 13 Qualitätszirkeln im Raum Hamburg an über 100 niedergelassene Zahnärzte verteilt und über einen Zeitraum von rund vier Monaten deren Nutzenbewertung für den Versorgungsalltag ermittelt. Das Projekt versteht sich als empirisch-systematischer Beitrag zur Implementierungsfoschung medizinischer Leitlinien. Diese Methode wird in der Forschungslandschaft zunehmend bedeutsam. Gefragt wurde nach dem Einstellungs- und Bewertungsbild von Zahnärzten. Neben quantitativ-statistischen Erhebungsmethoden kamen vor allem qualitativ-explorative Methoden in Form von Gruppendiskussionen mit Moderatoren zum Einsatz. Vorbehalte abgebaut Die Ergebnisse zeigen, dass durch die praktische Arbeit mit den Leitlinien im Versorgungsalltag mancherlei Vorbehalte bei den Teilnehmern deutlich abgebaut wurden, die beispielsweise mit Kritikpunkten wie Praxisferne, Kostensenkungswerkzeug oder Handlungseingrenzungen für den Zahnarzt zusammenhängen. Einige Barrieren, beispielsweise differente Patientenerwartungen oder mangelnde Anreize zur Leitlinienanwendung, bleiben allerdings bestehen oder nehmen sogar leicht zu. Insgesamt zeigen jedoch die Qualitätszirkel Offenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber diesem für den Berufsstand neuen Thema. Generell lässt sich bei den Aussagen der Befragungsgruppe Folgendes feststellen: Wissensfundierung Die Patientenversion der Leitlinien wurde kritisch beurteilt, wobei sich die Kritik auf redaktionelle Aspekte bezog. Die Zahnarztversion wurde als Instrument der Wissensfundierung bewertet, so zum Beispiel als hervorragende Fortbildung oder objektive Handlungsempfehlung. Positiv wurde auch der Aspekt der Argumentationshilfe hervorgehoben, um die eigene fachliche Position gegenüber dem Patienten zu untermauern. Auch diene sie der Stärkung der Behandlungssicherheit, um das eigene Handeln zu untermauern oder zu reflektieren. Politisch ambivalent Die professionspolitische Bewertung ist jedoch ambivalent. Die Äußerungen spiegeln die gesamte Skala der berufspolitischen Bewertung wider: Das sind auf der einen Seite Ängste und Befürchtungen vor Verlust an Freiheit und Individualität und Zunahme von Kontrollen durch Dritte, auf der anderen Seite wird die Leitlinie als Schutzfunktion und fachlich abgesicherte Handlungsempfehlung gesehen. Insgesamt zeigt die Studie, dass Qualitätszirkel eine gute Möglichkeit sind, Leitlinien zu evaluieren und zu implementieren. Alle zu erarbeitenden neuen Leitlinien sollten einem Praxistest unterzogen werden, bei einer Konsertierung sollte der Nutzeraspekt noch mehr im Vordergrund stehen.pr zm 98, Nr. 20, 16.10.2008, Seite 68-70 |
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