Zentrales Riesenzellgranulom unter dem Bild einer dentogenen InfektionFelix Koch, Martin Kunkel |
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November 2006 - Ein neunjähriger Patient wurde mit einer seit acht
Wochen bestehenden schmerzhaften Schwellung in der linken Kieferwinkelregion
vorgestellt. Alio loco war zunächst eine Unterkiefer-Osteomyelitis aber
auch eine Parodontitis erwogen worden. Ein Therapieversuch mit einem oralen
Cephalosporin hatte zwar zu einer gewissen Besserung, nicht aber zu einer
vollständigen Rückbildung des Beschwerdebildes geführt. Zum Zeitpunkt der Vorstellung in unserer Klinik bestand eine mäßige, druckdolente Schwellung über dem linken Kieferwinkel (Abbildung 1), die palpatorisch einen recht derben Kernbezirk in der Masseterregion
Die sonographische Untersuchung (Abbildungen 3 a und b) zeigte die tatsächliche Ausdehnung der Raumforderung, die zum einen deutlich über das Knochenniveau herausragend den M. masseter vorwölbte, zum anderen zu einer tiefen Exkavierung des Unterkiefers im Kieferwinkel geführt hatte. Bei einer offensichtlich expansiv wachsenden Läsion unklarer Ursache bestand daher die Indikation zur chirurgischen Exploration und Biopsie. In einer Intubationsnarkose wurde der Befund von enoral dargestellt (Abbildung 4). In der Tiefe des Zugangs zeigte sich ein gelbliches Gewebe, das klar abgegrenzt vom M. masseter aus einer größeren Knochenläsion nach masseterico-manibulär vorwuchs. Der weiche granulomatöse Charakter des Gewebes (Abbildung 5) ließ an ein Riesenzellgranulom oder eine Langerhans-Zell-Histiozytose denken, so dass in gleicher Sitzung eine schonende Kürettage als Primärtherapie angeschlossen wurde.
Die histopathologische Aufarbeitung des entnommenen Gewebes zeigte ein zell- und gefäßreiches fibrovaskuläres Stroma mit zahlreichen eosinophilen Granulozyten und einzelnen multilokulären Riesenzellen vom osteoklastären Typ (Abbildung 6). Abschließend wurde die Diagnose eines zentralen Riesenzellgranuloms gestellt. Diskussion Im Gegensatz zum sehr seltenen echten Riesenzelltumor wird das zentrale Riesenzellgranulom heute überwiegend als eine nicht neoplas
In der frühen Phase der Erkrankung kann die lokalisierte schmerzhafte Schwellung als odontogene Infektion fehlgedeutet werden, insbesondere, wenn im Gegensatz zum vorliegenden Fall potentielle odontogene Infektionsursachen ausgemacht werden können. Therapeutisch stellt die schonende Kürettage die Therapie der ersten Wahl dar, obwohl insgesamt von einer hohen Rezidivrate von 11 Prozent bis 50 Prozent ausgegangen werden muss [Bataineh et al., 2002]. Wegen dieser hohen Rezidivrate ist in den ersten Jahren eine sechsmonatige Röntgenkontrolle zur etwaigen Früherkennung ratsam. Bei mehrmaligem Rezidiv, aggressivem Wachstum, sehr großen Läsionen oder multipel an mehreren Lokalisationen auftretenden Befunden wird seit einigen Jahren die systemische Gabe von Calcitonin vorgeschlagen [Harris, 1993]. Die Ergebnisse einer aktuellen randomisierten Therapiestudie lassen aber bislang keine entscheidenden Unterschiede zur Placebo-Kontrollgruppe erkennen [de Lange et al., 2006] Für die Praxis zeigt der vorliegende Fall, ähnlich wie die in Ausgabe 16 dieses Jahres beschriebene Langerhans-Zell-Histiozytose, dass sich hinter dem klinischen Bild einer scheinbaren (dentogenen) infektiösen Schwellung mitunter seltene Krankheitsbilder verbergen können. Immer dann, wenn keine eindeutigen dentogenen Infektionsursachen erkennbar werden oder aber die Rückbildung der Symptomatik nach Therapie nicht in einem angemessenen Zeitraum erreicht ist, müssen weitergehende diagnostische Überlegungen angestellt werden. Dr. Felix Koch Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Augustusplatz 2 55131 Mainz kunkel@mkg.klinik.uni-mainz.de Literaturhinweis
zm 96, Nr. 21, 01.11.2006, Seite 46-48 |
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