Infektionen - Thrombosen - Schilddrüsenstörungen

Risiko Schwangerschaft

1. November 2008 - In der Betreuung werdender Mütter werden bei vielen Komplikationen, Begleitkrankheiten und Problemen auch
Diese Sitzposition ist bei Schwangeren einer Rückenlage auf jeden Fall vorzuziehen.
der Hausarzt und der behandelnde Zahnarzt zurate gezogen. Am Beispiel von Infektionen, Thrombosen und Schilddrüsenstörungen werden im Folgenden Antworten auf viele medizinische, nicht gynäkologische Fragen gegeben, die sich in der Schwangerschaft stellen können.


Obwohl Schwangere grundsätzlich nicht mehr für Infektionen gefährdet sind als andere Frauen auch, wird die therapeutische Situation in aller Regel doch durch die Schwangerschaft kompliziert. Dies gilt vor allem für die mögliche Anwendung von Antibiotika und Virustatika. Die Indikation zur antibiotischen Therapie wird in der Schwangerschaft sicher etwas strenger zu stellen sein, wobei häufig eine derartige Therapie begonnen wird, ohne dass man sich ganz sicher ist, dass keine Schwangerschaft vorliegt.

Hand auf Herz: Wer fragt wirklich eine junge Frau nach einer möglicherweise vorliegenden Schwangerschaft, wenn er eine antimikrobielle Substanz verordnet? Hier sollte man etwas mehr Problembewusstsein an den Tag legen, da sich potenziell jede Frau im gebärfähigen Alter in der Frühschwangerschaft befinden kann, ohne dass sie vielleicht selbst davon weiß.


Diese Antibiotika sind möglich
In der Tabelle sind die antimikrobiellen Substanzen aufgeführt, die ohne Einschränkung in der ganzen Schwangerschaft anwendbar sind, und die, die unbedingt während der ganzen Schwangerschaft vermieden werden sollten. Bei einer Reihe von Substanzen ist die Sicherheit nicht erwiesen. Die Studienlage auf diesem Gebiet ist besonders problematisch. Unbedingt zu vermeiden sind potenziell embryotoxische beziehungsweise teratogene Medikamente, wie sie zum Beispiel bei Harnwegsinfekten oder Pilzerkrankungen durchaus auch in der Praxis oft gegeben werden.


Harnwegsinfekte strenger definiert
Zu den Harnwegsinfekten gibt es eine aktuelle Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Uro-Gynäkologie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die besagt, dass jede Bakteriurie in der Schwangerschaft behandelt werden sollte. Die Prävalenz der asymptomatischen Bakteriurie wird mit Werten zwischen vier und zehn Prozent angegeben, wobei es sich meist um E. coli und Streptokokken handelt. Ohne Behandlung bekommen bis zu 30 Prozent der Frauen mit asymptomatischer Bakteriurie in der Schwangerschaft eine Pyelonephritis. Dieser Prozentsatz liegt somit wesentlich höher als bei Nichtschwangeren. Die Therapie der asymptomatischen Bakteriurie verhindert nicht nur Pyelonephritiden bei der Schwangeren, sondern senkt auch das Risiko für Frühgeburtlichkeit. Das Screening erfolgt mit einem Streifentest. Im positiven Fall wird eine Kultur angelegt und eine Resistenzbestimmung durchgeführt. Eine antibiotische Behandlung ist dann auch bei niedriger Keimzahl indiziert.

Wenn man in der Praxis eine rasche Behandlung ohne kulturelle Anzüchtung der Erreger durchführt, sind für Schwangere immer noch die alten Penicilline (Ampicillin, Amoxicillin) und Cephalosporine der ersten Generation empfehlenswert. Bei Penicillinallergie könnte man auf Erythromycin ausweichen. Die Behandlungsdauer ist nicht in Studien geprüft, die Empfehlungen gehen dahin, diese Behandlung nur über wenige Tage durchzuführen. Das gilt auch für die Zystitis. Liegen klinische Hinweise auf eine Pyelonephritis vor, sollte die Schwangere stationär eingewiesen werden.


Cave Cotrim in der Frühschwangerschaft
Die oft geübte Praxis, bei Harnwegsinfekten von jungen, sexuell aktiven Frauen Chinolone zu verordnen, sollte unter dem Aspekt einer möglichen Frühschwangerschaft, von der oft die Frau selbst noch nichts weiß, sehr kritisch betrachtet werden. Gyrasehemmer sollten während der gesamten Schwangerschaft unbedingt vermieden werden. Gleiches gilt auch für das potenziell embryotoxisch beziehungsweise teratogen wirkende und immer noch weitverbreitete Cotrimoxazol.


Problem Chlamydien
Ein Screening auf Chlamydieninfektionen wird in der Schwangerschaft empfohlen, da diese Infektion mit vorzeitigen Wehen, einem verzögerten Blasensprung, einer Endometritis und einer Chorionamnionitis assoziiert ist. Beim Kind kann es zu Konjunktivitiden und zur Pneumonie kommen. Die Infektion bei der Schwangeren verläuft meist asymptomatisch, fünf bis sieben Prozent der Population im reproduk tionsfähigen Alter sind betroffen. Therapeutisch empfiehlt sich ein Makrolid, am ehesten Erythromycin, da für diese Substanz keine Schäden für das Kind bekannt geworden sind.


Toxoplasmose
Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, dass in Deutschland jährlich zwischen 6 000 und 7 000 Erstinfektionen mit Toxoplasmose bei Schwangeren berichtet werden. Die Infektion erfolgt in der Regel über rohes oder nicht ausreichend erhitztes Fleisch oder über Katzenkot. Ein inniger Kontakt mit Katzen sollte in der Schwangerschaft daher vermieden werden.

Die Infektion wirkt sich besonders auf den Feten aus in Form einer Chorioretinitis, Enzephalitis, Hepatitis oder Pneumonie. Zehn Prozent der infizierten Kinder erleiden schwerste Schädigungen. Die Diagnostik erfolgt über eine spezifische Serologie, eine Infektion sollte bis zur 15. Schwangerschaftswoche mit Spiramycin, später mit Sulfonamid, Pyrimethamin und Folsäure behandelt werden.

 

Antibiotika bei Schwangeren: Was ist harmlos, was ist riskant?

In der ganzen Schwangerschaft anwendbar
Penicillin, Ampicillin, Amoxicillin,
Mezlocillin
Cephalosporine
Erythromycin
Ethambutol
INH
Fusidinsäure
(Chloroquin)

In der ganzen Schwangerschaft zu vermeiden
Aminoglykoside
Tetrazykline (absolut bis 15. Woche)
Chinolone ("Gyrasehemmer")
Ribavirin
Chinin
Potentiell empryotoxisch beziehungsweise teratogen
Aciclovir
5-Flucytosin
Ganciclovir
Griseofulvin
Foscarnet
Itraconazol
Co-Trimoxazol
Ketoconazol
Sulfonamide
Rifampicin
Trimethoprim
Metronidazol
Nitrofurantoin
Nitroimidazole
Clarithromycin
Chloramphenicol


zm 98, Nr. 21, 01.11.2008, Seite 50