1.
November 2008
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Abbildung 1: Klinischer Aspekt des
Patienten,; perimandibuläre, nicht druckschmerzhafte Schwellung links ohne
Adhärenz zum unterliegenden Knochen |
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Kasuistik
Ein 49-jähriger, männlicher Patient ohne weitere
Allgemeinerkrankungen wurde uns zur weiteren Abklärung einer Raumforderung
im Trigonum submandibulare der linken Seite vorgestellt. Der Patient erinnerte
sich, bereits vor Jahren einmal in dieser Re-gion operiert worden zu sein, ohne
jedoch genaue Angaben über das Ausmaß des Eingriffs oder die
definitive Diagnose machen zu können (Abbildung 1). Die Vorstellung
erfolgte, nachdem der Patient subjektiv über Monate eine
Größenprogredienz festgestellt hatte, wobei die klinische
Untersuchung der Motorik und Sensorik im Kopf-Hals-Bereich keine
Auffälligkeiten erbrachte. Anamnestische Hinweise für das Vorliegen
einer B-Symptomatik, wie Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust, lagen
nicht vor. Perimandibulär links war eine "Walnussgroße",
zum umgebenden Gewebe gut verschiebliche und nicht druckdolente Raumforderung
palpierbar. Der Patient präsentierte sich zudem mit einem konservierend
und prothetisch versorgten Restgebiss ohne Hinweise für einen dentogenen
Fokus einer möglichen Infektion (Abbildung 2). In der zervikalen
B-Mode-Sonografie (Abbildung 3) grenzte sich eine knapp drei Zentimeter
große, nahezu homogen echoarme und komprimierbare Raumforderung vom
umgebenden Weichgewebe ab, die dorsal eine Echoverstärkung aufwies und im
Dopplermode keine gesteigerte Durchblutung erkennen ließ. Eine alio loco
vom Hausarzt bereits initiierte Computertomografie erbrachte keinen Nachweis
von Osteolysen oder pathologischen Lymphknotenvergrößerungen als
Hinweise für Malignität der vorliegenden Raumforderung. Der Befund
wurde über eine submandibuläre Inzision bei intraoperativem
Monitoring des Ramus marginalis aus dem subcutanen Fettgewebe
freipräpariert und in toto nach Ablösung von der Faszie des M.
masseter exstirpiert. Bei Anschnitt des makroskopisch braun erscheinenden
Tumors eröffnete sich ein Zystenlumen, aus dem sich reichlich
dunkelbraunes Sekret entleerte (Abbildung 4). Zusätzlich wurde in gleicher
Sitzung eine etwa 0,5 cm durchmessende derbe Papel im Bereich der
Oberlippenschleimhaut spindelförmig in toto exzidiert, die nebenbefundlich
zuvor im Rahmen der klinischen Untersuchung aufgefallen war. In der Histologie
zeigte sich für die perimandibuläre zystische Raumforderung das
typische Bild eines apokrinen Hidrozystoms mit einer von einem hoch
prismatischen Epithel ausgekleideten Zyste und fokalen epithelialen
papillären Epithelausstülpungen (Abbildung 5). Das Oberlippenexzidat
erbrachte den Nachweis eines subepithelialen, spindelzelligen mesenchymalen
Tumors mit intrazytoplasmatischer Reaktion gegen S100, welches dem
histologischen Bild eines peripheren Neurinoms (Schwannom) entspricht
(Abbildung 6). In beiden Fällen stellte die vollständige Exzision die
Therapie der Wahl dar, und der Patient ist seither rezidivfrei.
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| Abbildung 2: Präoperatives
Orthopantomogramm; prothetisch und konservierend unvollständig versorgter
Zahnstatus ohne den Nachweis von apikalen/periradikulären Aufhellungen im
dritten Quadranten. Weiterhin kein Anhalt für eine knöcherne
Mitreaktion im Sinne einer chronischen Osteomyelitis oder Infiltration durch
einen tumorösen Prozess. |
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Abbildung 3: Präoperative
B-Mode-Sonographi;. insbesondere in der B-Mode-Sonografie zeigt sich eine 3 x
1,5 cm große, vom umgebenden Weichgewebe gut abgrenzbare, zystisch
anmutende Raumforderung mit nahezu fehlenden Binnenechos und dorsaler
Schallverstärkung. |
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Abbildung 4: Intraoperativer
Situs; nach submandibulärer Inzision präsentiert sich die
makroskopisch fibrös durchzogene Raumforderung in der tieferen Subkutis.
Aus dem dunkelbraunen Tumor entleerte sich im Anschnitt reichlich trübes
Sekret. |
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| Abbildung 5: Die
histologische Übersichtsaufnahme ( 40 x) und Detailaufnahme (100x) des
Hidrozystoms zeigen kubische bis zylindrische Zellen mit reichlich
eosinophilen, granulären Zystoplasma und einem runden, basal gelegenen
Kern mit der typischen apokrinen Sekretbildung (Pfeile). |
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| Abbildung 6: Die
histologische Übersichtsaufnahme (10 x) und Detailaufnahme (200x) des
Schwannoms zeigen das typische Bild von spindelförmigen neoplastischen
Schwannzellen mit länglichen plumpen, teilweise zigarrenförmigen
Zellkernen. Die histologischen Präparate wurden durch Dr. T. Hansen
(Institut für Pathologie, Direktor: Prof. Dr. J.C. Kirkpatrick) zur
Verfügung gestellt. |
Diskussion
Hidrozystome sind selten auftretende, benigne Schweißdrüsen-Tumoren
und werden zumeist periorbital und im Bereich der Wangenregion lokalisiert.
Über die Pathogenese wird zwischen zwei Subtypen differenziert. Dem
ekkrinen Hidrozystom liegt eine Dilatation des Drüsenlumens nach Blockade
des Drüsenausführungsganges mit konsekutiver Schweißretention
zugrunde, während beim apokrinen Subtyp eine Proliferation des
Drüsenepithels für die Größenzunahme verantwortlich ist.
Daher ist besonders beim ekkrinen Subtyp bei Zunahme der Schweißsekretion
eine Größenzunahme beobachtbar [Khashayar Sarabi et al., 2006].
Oftmals gestaltet sich eine histologische Unterscheidung zwischen den beiden
Subtypen schwierig [de Viragh PA et al., 1997] und ist für die Therapie
letztlich nicht von Bede
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Das Hidrozystom gehört zu der Gruppe der seltenen
benignen Schweißdrüsentumoren und ist typischerweise ein Tumor der
mittleren Altersgruppe.
Prädilektionsstelle des Hidrozystoms ist die Kopf-Hals-Region und hierbei
insbesondere die Regio periorbitalis.
Die Diagnose
wird durch eine histologische Untersuchung gewährleistet. Hierbei sind
insbesondere differentialdiagnostisch das Basallzellkarzinom und das maligne
Melanom von Bedeutung.
Neben der
Exzision singulärer Befunde besteht die Möglichkeit der
Laserbehandlung im Falle großflächiger Befunde.
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utung. Jedoch sollte vor definitiver Therapie
durch eine Probebiopsie immer die sichere Abgrenzung zu Basaliomen,
Keratoakanthomen und Hämagiomen beziehungsweise im Falle der pigmentierten
Hidrozystome (Hidrozystoma noir) zum malignen Melanom erfolgen [Khashayar
Sarabi et al., 2006]. Klinisch imponieren Hidrozystome als hautfarbene bis
bläulich-schwarze Raumforderungen (Tyndall-Effekt), die überwiegend
solitär im Kopf- und Halsbereich vorkommen. Das
Geschlechterverhältnis ist bei den singulären Entitäten
(Robinson-Typ) ausgeglichen, während für multipel auftretende
Hidrozystome (Smith-Typ) eine Dominanz beim weiblichen Geschlecht gesehen wird
[Khashayar Sarabi et al., 2006]. Weiterhin ist über das Auftreten von
Hydrozystomen im Zusammenhang mit genetisch bedingten Syndromen wie
Gorlin-Goltz-Syndrom und Schopf-Schulz-Passarge-Syndrom berichtet worden.
Ebenso wird anscheinend durch die Hyperhidrose bei Patienten mit Hyperthyreose
(Grave´s disease, M. Basedow) das Auftreten von Hidrozystomen
gefördert [Khashayar Sarabi et al., 2006]. Während vereinzelt
auftretende Hidrozystome meist problemlos chirurgisch exzidiert werden
können, gestaltet sich die Therapie von multiplen Hidrozystomen im
ästhetischen Bereich aufgrund der Narbenbildung schwierig. Die topische
Anwendung von Scopolamin und Atropin wird im Ergebnis unterschiedlich
diskutiert und oftmals stehen die systemischen Nebenwirkungen im Vordergrund.
Aktuelle Einzelfallberichte dokumentieren hingegen positive Ergebnisse durch
den Einsatz von Diodenlaser, der ggf. auch in mehreren Sitzungen
durchführbar ist [Echague AV et al., 2008]. In der vorliegenden Kasuistik
ließ zunächst die anatomische Lage prima vista an einen
infektiösen Logenabszess denken, für den es aufgrund der langen
Anamnese sowie der klinischen und radiologischen Untersuchung jedoch letztlich
keinen Anhalt gab. Differentialdiagnostisch kamen Speicheldrüsentumoren
der Glandula submandibularis beziehungsweise submandibulär gelegene
Lymphome in Frage, die jedoch durch die Bildgebung ausgeschlossen wurden.
Interessant erscheint letztlich die histologische Zuordnung des tief subkutan
gelegenen Tumors zu den apokrinen Hidrozystomen, da sowohl Lage als auch
Größe im Vergleich mit den in der Literatur beschriebenen als
untypisch anzusehen ist. Abschließend wurde bei dem Patienten ein
weiterer Tumor entdeckt. Das zeigt, dass selbst offensichtliche Befunde nicht
von einer konsequent durchgeführten systematischen Untersuchung ablenken
sollten.
Keyran Sagheb
Dr. Dr. Maximilian Moergel
Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität
Augustusplatz 2
55131 Mainz
Literaturverzeichnis
de Viragh PA, Szeimies RM, Eckert F. Apocrine cystadenoma, apocrine
hidrocystoma, and eccrine hidrocystoma: three distinct tumors defined by
expression of keratins and human milk fat globulin 1. J Cutan Pathol. 1998
Mar;25(3):182-4.
Sarabi K, Khachemoune A. Hidrocystomas--a brief review. MedGenMed. 2006 Sep
6;8(3):57
Echague AV, Astner S, Ahchean AC, Anderson RR. Multiple Apocrine Hidrozystoma
of the Face Treated With a 1450-nm Diode Laser. Arch Dermatol. 2005 Nov; 141
zm 98, Nr. 21, 01.11.2008, Seite 46-48
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