Wiss. Mitteilung
der Dt. Ges. für zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde
(DGZPW) Temporäre Befestigung von festsitzendem Zahnersatz |
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1.
November 2009 - Die temporäre Befestigung von festsitzendem
Zahnersatz ermöglicht gegebenenfalls funktionelle und ästhetische
Korrekturen nach dem Probetragen beziehungsweise vor der definitiven
Befestigung [1]. Grundsätzliche Vorgaben für das temporäre
Einsetzen von Zahnersatz sind
Im Fall einer temporären Befestigung von festsitzendem Zahnersatz ist der Patient aufzuklären. Vor dem temporären Befestigen einer definitiven Restauration müssen folgende Fragen geklärt werden: a) Handelt es sich um eine zahn- oder um eine implantatgestützte Versorgung? b) Eignet sich der Werkstoff, aus dem die definitive Restauration hergestellt wurde, zum temporären Befestigen? c) Welcher definitive Befestigungswerkstoff soll später zum Einsatz kommen? Zahngestützte Restaurationen Rekonstruktionen auf der Basis von metallischen Werkstoffen Definitive Versorgungen auf der Basis von metallischen Werkstoffen können in der Regel temporär befestigt werden. Die Eigenfestigkeit der Restauration reicht aus, um auch in Kombination mit Befestigungsmaterialien geringer Druckfestigkeit und Retention, den Kaukräften zu widerstehen [3-5]. Der Halt auf dem Zahnstumpf wird durch die Geometrie der Präparation gesichert [6]. Demgegenüber benötigen minimal-invasive Brückenkonstruktionen aus metallischen Werkstoffen (Adhäsiv-Brücke) zur Befestigung zwingend einen adhäsiven Verbund. Sie eignen sich daher nicht zum Probetragen [7-9]. Vollkeramische Restaurationen Für Restaurationen aus Glaskeramik wird eine temporäre Zementierung nicht empfohlen. Um eine Fraktur unter Kaulast zu vermeiden, müssen diese Versorgungen durch einen adhäsiven Verbund zum Zahn gestützt werden. Inwieweit Restaurationen aus Oxidkeramiken (Al2O3, ZrO2) Probe getragen werden können, ist derzeit nicht vollständig geklärt. Erste Erfahrungen mit Zirkoniumdioxid zeigten bisher kein erhöhtes Frakturrisiko [12]. Das Hauptproblem bei vollkeramischen Restaurationen besteht beim Probetragen darin, die Versorgung ohne Beschädigung zum definitiven Einsetzen vom Zahnstumpf zu lösen. Auswahl des temporären Befestigungswerkstoffs Viele Publikationen belegen einen negativen Einfluss der Rückstände von temporären Befestigungsmaterialien auf die Haftung und Abbindereaktion der nachfolgend verwendeten definitiven Befestigungswerkstoffe [13-23]. Daher wurden zahlreiche Vorschläge zur optimalen Reinigung der Dentin- und Schmelzoberflächen von Rückständen des temporären Befestigungsmaterials beschrieben [23-26]. Von allen Maßnahmen scheint die Reinigung der Zahnoberfläche mit einer geeigneten Reinigungspaste (wie Bimsstein, Schlemmkreide) den größten Erfolg zu erzielen [23,24]. Die ausschließliche Reinigung der Zahnoberfläche beziehungsweise Entfernung der Reste des temporären Befestigungswerkstoffs mit Scalern oder Detergentien wird als unzureichende Maßnahme eingestuft [14,17,23,24]. Die Abbindereaktion klassischer Befestigungszemente, wie zum Beispiel Zinkphosphat- oder Glasionomerzemente, wird durch temporäre Befestigungsmaterialien nicht beeinträchtigt. Dies ist nicht ohne Weiteres auf Befestigungswerkstoffe übertragbar, die ein Schmelz-/Dentin-Adhäsivsystem voraussetzen. Insbesondere können eugenol-haltige Präparate die Polymerisation von methacrylat-basierten Dentinadhäsiven und Befestigungswerkstoffen auf Kompositbasis beeinträchtigen [15,16]. Daher wird in diesen Fällen empfohlen, auf eugenol-haltige temporäre Zemente zu verzichten und eugenol-freie Präparate auszuwählen. Obwohl nicht alle Publikationen zeigen, dass die Rückstände eugenol-haltiger Zemente den adhäsiven Verbund negativ beeinträchtigen [22], sollte man auf ihre Verwendung im Zweifelsfall verzichten. Implantatgestützte Restaurationen Metall-verstärkte Restaurationen werden seit Jahren in der Implantologie routinemäßig temporär befestigt [22-30]. Es finden sich aber nur sehr wenige klinische Studien, die diese Vorgehensweise stützen [29]. Ebenfalls ungeklärt ist auch die Frage, ob Kronen und Brücken aus Zirkoniumdioxid in Analogie zu Versorgungen aus metallischen Werkstoffen temporär auf Implantatabutments befestigt werden können. Bisher wurde die Möglichkeit einer potentiell erhöhten Frakturgefahr temporär befestigter vollkeramischer Kronen oder Brücken nicht ausreichend untersucht. Die Frage, welcher temporäre Befestigungswerkstoff zum Eingliedern von festsitzenden Restaurationen auf Implantatabutments geeignet ist, ist in der Literatur umstritten. Zemente auf der Basis von Eugenol scheinen eine höhere Retentionskraft aufzuweisen als eugenol-freie Präparate [31,32]. Die potentielle Eignung eines temporären Befestigungsmaterials hängt davon ab, wie viel Retentionskraft benötigt wird, um die Restauration unter Kaulast in Funktion zu halten, und wie wenig Retention die Restauration haben darf, um sie bei Bedarf zerstörungsfrei vom Abutment abzunehmen. Faktoren wie Stumpfgeometrie (Winkel, Fläche, Stumpflänge), Stumpfgenauigkeit, Stumpfmaterial beziehungsweise Restaurationswerkstoff (Edelmetall, Nichtedelmetall, Keramik) bestimmen die Materialauswahl [28-33]. Kontrovers wird auch die Frage diskutiert, ob temporäre Befestigungsmaterialien die Fuge zwischen Abutment und Restauration gegen das Eindringen von Mikroorganismen abdichten. Es ist aus In-vitro-Studien bekannt, dass temporäre Befestigungswerkstoffe nicht randdicht sind [34,35]. Inwieweit die mangelnde Abdichtung und nachfolgend eindringende Mikroorganismen zu einer Periimplantitis führen können und damit langfristig den Implantaterfolg in Frage stellen, ist derzeit nicht abschätzbar [35-37]. Eine engmaschige Kontrolle temporär befestigter Implantatversorgungen wird daher empfohlen. Prof. Dr. Michael Behr Prof. Dr. Gerhard Handel Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik Franz Josef-Strauss-Allee 11 93053 Regensburg Priv.-Doz. Dr. Markus Balkenhol Zentrum für ZMK-Heilkunde Dental Clinic Bereich Werkstoffkunde Schlangenzahl 14, 35392 Giessen e-mail: markus.balkenhol@dentist.med.uni-giessen.de zm 99, Nr. 21, 01.11.2009, Seite 46-47 |
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