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Tonsillensteine als ZufallsbefundChristian Arndt, Martin Kunkel |
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| 1. November 2010 Ein 60-jähriger Patient wurde zur weiteren Diagnostik überwiesen, nachdem in einem Orthopantomogramm (OPG) mehrere kalkdichte Verschattungen in Projektion auf den rechten aufsteigenden Unterkieferast aufgefallen waren (Abbildung 1).
Es handelte sich um eine Anordnung von mehreren unregelmäßig begrenzten Strukturen, die sich im OPG recht genau auf den Eintrittsbereich des N. alveolaris inferior projizierten. Eine umgebende Osteolyse oder eine Abgrenzung gegenüber dem Knochen im Sinne eines Parodontalspaltes war nicht erkennbar. Bei genauer Betrachtung des OPG zeigte sich auch auf der linken Seite, etwas weiter caudal, eine hier leicht wolkig erscheinende Verdichtungsstruktur. Anamnestisch berichtete der Patient über rezidivierende Tonsillitiden im jungen Erwachsenenalter. Seither konnte er hin und wieder kleine splitterartige Konkremente aus den stark zerklüfteten Tonsillen exprimieren.
Nachdem aufgrund der Anamnese eine Konkrementbildung in der Tonsille wahrscheinlich erschien, wurde zur definitiven Lagebestimmung eine Digitale Volumentomografie (DVT) durchgeführt. Es bestätigte sich die Ausprägung mehrerer sogenannter Tonsillensteine in beiden Tonsillae palatinae (Abbildungen 2 a, b). Hierbei handelt es sich grundsätzlich um eine harmlose Anomalie, so dass eine spezifische Therapie nicht erforderlich war.
Diskussion Verschattungs-Strukturen in der Umgebung des Kieferwinkels sind häufige Zufallsbefunde des OPG und führen nicht selten zu einer erheblichen diagnostischen Unsicherheit. Projektionsgeometrisch werden neben Verkalkungen im Bereich der Tonsillen häufig auch Konkremente der Hauptspeicheldrüsen (Abbildung 3), mineralisierte Thromben in venösen Gefäßen oder Malformationen (Abbildung 4) und typischerweise auch Plaquebildungen des extrakraniellen Carotisstromgebietes (Abbildung 5) als Verdichtungsstruktur im OPG erkennbar. Auch Lymphknoten, eventuell nach einer Tuberkulose (Abbildung 6) und degenerative Gewebsveränderungen können durch Mineralsalzeinlagerung als Verkalkungsstruktur imponieren. Eine Zuordnung kann zum einen aufgrund einer klinischen Manifestation der Grunderkrankung, beispielsweise einer vaskulären Neben der lokalen Bedeutung von Verkalkungsstrukturen im Zusammenhang mit chronisch inflammatorischen oder degenerativen Erkrankungen hat die Frage der Detektion mineralisierter Plaques des Carotisstromgebietes auch eine allgemein-medizinische Bedeutung. So lassen sich bei rund 3,6 Prozent der Bevölkerung im Alter über 40 Jahren Anzeichen von kalzifizierender Plaque im OPG erkennen [Cohen et al. 2002]. Durch die weite Verbreitung des OPG als Basisdiagnostik auch bei Patienten, die ansonsten keine regelhaften allgemeinmedizinischen Arztkontakte haben, können auf diesem Wege manchmal Hinweise auf kardiovaskuläre Risiken gewonnen werden. Allerdings ist sowohl die Sensitivität als auch die Spezifität des OPG für arteriosklerotische Gefäßveränderungen insgesamt recht gering, so dass ein eigenständiger diagnostischer Nutzen nicht nachgewiesen werden konnte [Khosropanah et al 2009]. Für die zahnärztliche Praxis soll der Beitrag zum einen die projektionsgeometrischen Verhältnisse des OPG in Erinnerung rufen und zum anderen die Aufmerksamkeit des Zahnarztes auf die Umgebung der knöchernen Strukturen lenken. Vor allem beim OPG findet sich eine Vielzahl zusätzlicher Befunde, die hinsichtlich einer eventuellen pathologischen Bedeutung beachtet werden müssen. Die vorgestellten Fälle machen aber auch deutlich, welche zusätzliche Information anhand der heute verfügbaren dreidimensionalen Bildgebungsverfahren sehr zuverlässig gewonnen werden kann. Mit den Möglichkeiten dieser Techniken wächst dann aber auch die Verantwortlichkeit zum kompetenten Umgang mit den gewonnenen Informationen auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Dr. Christian Arndt Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie Ruhr-Universität Bochum Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer In der Schornau 23-25 44892 Bochum christian.arndt@ruhr-uni-bochum.de martin.kunkel@ruhr-uni-bochum.de
zm 100, Nr. 21, 01.11.2010, Seite 44-46 |
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