Gemischtes Angiom (Hämangiolymphangiom)Christian Walter, Martin Kunkel |
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16.
November 2006 - Ein zweieinhalbjähriges Kind wurde mit einer seit
über einem Monat bestehenden Raumforderung mit anamnestisch wechselnder
Größe im Bereich der Halsweichgewebe rechts vorgestellt. Ein halbes
Jahr zuvor war bei dem kleinen Patienten eine Mononucleosis infectiosa
(Pfeiffer-Drüsenfieber) diagnostiziert worden. Zum Zeitpunkt der
Vorstellung wurde das Kind bei einem positivem Streptokokkennachweis an der
Rachenhinterwand antimikrobiell behandelt.
Bei unklarer Dignität und fehlenden klinischen Ursachen einer chronischen Entzündung erfolgte die diagnostische Entfernung des Befundes. Es handelte sich um einen abgegrenzten Tumor mit schwacher Kapselbildung, der unmittelbar unter dem Platysma am anterioren Rand des Musculus sternocleidomastoideus lag. Das zuführende Gefäß wurde koaguliert und die Läsion aus der Umgebung stumpf ausgelöst. Das Präparat zeigte neben einem zentralen kugeligen, bläulich-lividen Anteil auch einen hellen Bereich, der von der Wandstärke an einen Lymphgang erinnerte (Abbildung 4). Der Anschnitt (Abbildung 5) des Tumors zeigte eine inhomogene Oberfläche mit kleinen blutgefüllten Sinus und einzelnen kleinen thrombotischen Arealen.
Auch histopathologisch (Abbildungen 6 a bis d) zeigte sich ein inhomogener Aufbau. In Anteilen der Läsion sind ausgedehnte blutgefüllte Räume erkennbar, andere Anteile (6 b) zeigen weiträumige ektatische Lymphgefäße. Abbildung 6 c zeigt einen Ausschnitt, in dem hämangiomtypische und lymphangiomtypische Bereiche neben einer Zone lymphatischen Gewebes vorliegen. Mit diesen Charakteristika ergab sich abschließend die Diagnose eines gemischten Angioms. Das histologische Präparat wurde freundlicherweise von Dr. Wiltrud Coerdt, Institut für Kinderpathologie, Mainz, zur Verfügung gestellt. Diskussion Auch wenn gemischte Angiome (sogenannte Hämangiolymphangiome) vereinzelt als benigne Neoplasien angesprochen werden [Zacharia et al., 2003], handelt es sich nach heute überwiegender Auffassung um sogenannte Gefäßmalformationen, das heißt nicht neoplastische, anlagebedingte und damit bei Geburt bereits vorhandene Läsionen [Jian, 2005; Tseng et al., 2002; Wang et al., 2005]. Gerade bei kleinen und oberflächenfernen Befunden werden diese aber durchaus nicht immer bereits um die Geburt oder zu einem frühen Zeitpunkt klinisch erkannt. Auch im vorliegenden Fall war vor dem
Die für eine Gefäßmalformation ungewöhnliche Festigkeit des Befundes, die ja schließlich zur klinischen Wahrnehmung führte, ist möglicherweise auf eine partielle Thrombosierung und einen nachfolgenden sekundären fibrotischen Umbau zurückzuführen. Zumindest waren die Gefäßformationen in Teilen des Tumors von einer breiten fibrösen Gewebezone umgeben (Abbildung 6 d). Im Gegensatz zu den echten Hämangiomen, für die eine spontane Involution geradezu charakteristisch ist, wird die Rückbildung vaskulärer Malformationen generell nicht beobachtet [Werner et al., 2001]. Gemischte Angiome können hier eine Besonderheit darstellen, denn für diese Läsionen wird vereinzelt eine Involution der hämangiomatösen Komponente beschrieben [Zacharia et al., 2003]. Es handelt sich demnach um ein Beispiel biphasischer Läsionen, bei denen beide Komponenten ganz unterschiedliche biologische und klinische Verhaltensweisen zeigen. Da ein großer Teil, bis zu 60 Prozent, der Gefäßtumoren und Gefäßfehlbildungen die Kopf- und Halsregion und teilweise auch die Mundhöhle betrifft, hat diese Erkrankungsgruppe immer wieder diagnostische, differentialdiagnostische aber auch therapeutische Bedeutung in der oralen Medizin. Dr. Christian Walter Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Augustusplatz 2, 55131 Mainz kunkel@mkg.klinik.uni-mainz.de Literaturhinweis
zm 96, Nr. 22, 16.11.2006, Seite 54-56 |
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