Berlin: wertvolle pathologisch-anatomische Sammlung |
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1. Dezember
2006 - Das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité, zu
Ehren von Rudolf von Virchow (1821 - 1902) durch die preußische
Regierung erbaut, zeigt die
größte Sammlung ihrer Art in Deutschland. Schwerpunkte bilden neben
der pathologisch-anatomischen Sammlung die Medizintechnik sowie eine
Darstellung der gesamten Entwicklung der Berliner Medizin mit ihren
Persönlichkeiten.
Dieses Museum, das noch als letzter Gebäudeteil des heutigen Instituts für Pathologie vorhanden ist, wurde schon zu Virchows Lebzeiten auf sein Bestreben hin errichtet. Es wurde am 27. Juni 1899 eröffnet. Das Museum erhielt schon zur damaligen Zeit eine wertvolle und sehr umfangreiche pathologisch-anatomische Sammlung. Es wurde anlässlich des 80. Geburtstages des Begründers der mikroskopisch-pathologischen Anatomie eingeweiht. Virchow wollte mit dieser Sammlung die Medizin der Bevölkerung zugänglich machen und ihr verdeutlichen, dass Fehlbildungen weder mit Schicksal, Magie oder mit Dämonischem zu tun haben. Die nach historischen Gesichtspunkten restaurierte erste Etage wurde 1998 eröffnet und präsentiert das Ergebnis einer über zwei Jahrhunderte fortgesetzten Sammlung, die Zeugnisse der Medizingeschichte vereint und hier eine angemessene Darstellung findet. Neben naturgetreuen Wachsplastiken und -moulagen von Patientengesichtern sowie armdicken Krampfadern können sechs Harnblasensteine aus dem Jahre 1729 und eine Niere mit 30 Steinen betrachtet werden. Die Harnblasensteine sind die ältesten Präparate des Museums. Den Großteil der Dauerausstellung bildet die große anatomisch-pathologische Sammlung des Museums mit ihren rund 1 000 Präparaten, wovon etwa die Hälfte schon aus Zeiten Rudolf von Virchows stammen. Auch Schädeldeformationen, wie der Hydrozephalus eines jungen Mädchens, der allein zehn Kilogramm wog, oder ein mit einer Kugel aus dem schleswig-holsteinischen Krieg versehener Schädel eines jungen Mannes sind in die Sammlung aufgenommen. Daneben gibt es Skelette mit skoliotischen Wirbelsäulen sowie Zyklopen und Sirenen, wie sie schon der griechische Dichter Homer in seinem Werk "Odyssee" beschrieb. Zahnärztliche Behandlungseinheit Auch die zahnmedizinischen Aspekte werden in der oberen Etage berücksichtigt. So kann der Besucher neben einem zahntechnischen Arbeitsplatz von 1920 auch eine zahnärztliche Behandlungseinheit aus dem Jahre 1930 besichtigen und die Brücken- und Prothesenherstellung (aus Kautschuk) mit der aus der heutigen Zeit vergleichen. An Exemplaren von gutartigen und bösartigen Tumoren werden Gewebeveränderungen verdeutlicht, so die teergeschwärzte Lunge des Schneidergesellen Wilhelm Baslin. An Feucht- und Trockenpräparaten werden seltene embryonale Fehlbildungen, wie Embryonen mit Fischschwänzen oder zwei Köpfen, und diverse Entzündungsformen dargestellt. Neben medizinisch historischen Instrumenten, wie historischen Mikroskopen, sind eine Menge historischer Medizinbücher ausgestellt. Besonderes Augenmerk verdient das Anatomiebuch von Andreas Vesalius (1514 - 1564) aus dem Jahre 1614 sowie ein hundert Jahre alter Band mit Sektionsprotokollen. Dr. Wibke Knöner Tiergartenstraße 29 30559 Hannover Die Autorin ist Vorsitzende des Arbeitskreises Geschichte der Zahnheilkunde der DGZMK, einem freiwilligen Zusammenschluss von Zahnärzten und Wissenschaftlern, die sich mit der Geschichte der Zahnheilkunde befassen. Weitere Interessenten sind willkommen. Kontakt: E-Mail: wknoener@web.de, Tel: 0511/514637, Fax: 0511/5109623
zm 96, Nr. 23, 01.12.2006, Seite 112-113 |