1. Dezember
2006 - Seit 1984 analysiert das Institut der Deutschen Zahnärzte
(IDZ) in Kooperation mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank
jährlich das zahnärztliche Investitionsverhalten bei der
Niederlassung. Der folgende Beitrag dokumentiert die wichtigsten Ergebnisse
für das Jahr 2005.
Die Zahl der Zahnärzte, die ihre Praxis aufgaben, verharrte ebenso wie die
Zahl der Existenzgründungen im Jahr 2005 auf dem Vorjahresniveau. Knapp 1
630 Zahnärzte schieden aus dem Berufsleben aus. Gleichzeitig entschieden
sich etwa 1 800 Zahnärzte für den Schritt in die
Selbständigkeit.
Die Verteilung zahnärztlicher Existenzgründungen auf die
Einzelpraxisneugründung, die Einzelpraxisübernahme und die
Gemeinschaftspraxis hat sich in den alten Bundesländern im Vergleich zum
Vorjahr merklich verschoben.
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Abbildung 1 |
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Der Anteil der Einzelpraxisneugründungen
nahm um 10 Prozentpunkte ab, während der Anteil der
Einzelpraxisübernahmen um 6 Prozentpunkte und der Anteil der
Gemeinschaftspraxen um 4 Prozentpunkte stieg. In den neuen Bundesländern
erhöhte sich der Anteil der Gemeinschaftspraxen gegenüber dem Vorjahr
deutlich um 13 Prozentpunkte; der Anteil der Einzelpraxisübernahmen sank
hingegen um 15 Prozentpunkte (vgl. Abb. 1).
Unterschiede im Verteilungsmuster
In Westdeutschland war die Übernahme einer Einzelpraxis im Jahr 2005 mit
einem Anteil von 51 Prozent nach wie vor die dominierende Niederlassungsform.
In Ostdeutschland wählten im Jahr 2005 sogar 67 Prozent der Zahnärzte
diese Existenzgründungsform als Start in die Freiberuflichkeit.
Gemeinschaftspraxen haben in Ostdeutschland mit einer Quote von 21 Prozent
trotz ihrer dynamischen Anteilsentwicklung immer noch eine geringere Bedeutung
als in Westdeutschland. Damit waren auch 2005 immer noch deutliche Unterschiede
im Verteilungsmuster zwischen Ost- und Westdeutschland erkennbar.
Mitte 30 die eigene Existenz
IDas Durchschnittsalter der zahnärztlichen
Existenzgründer in Westdeutschland betrug zum Zeitpunkt der Niederlassung
36 Jahre, in Ostdeutschland 35 Jahre. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede
in der Altersstruktur sind mittlerweile nahezu nivelliert. Die männlichen
Existenzgründer waren im Durchschnitt 36,2 Jahre alt und damit lediglich
ein halbes Jahr älter als ihre Kolleginnen. Die gewählte Form der
zahnärztlichen Niederlassung variiert je nach Alter des
Existenzgründers. In den alten Bundesländern zeigte die Gruppe der
jungen Zahnärzte (bis 30 Jahre) mit einem Anteilswert von 34 Prozent
vergleichsweise die stärkste Präferenz für die
Niederlassungsform der Gemeinschaftspraxis; in der Gruppe der über
40-jährigen Zahnärzte lag der Anteil hingegen bei 29 Prozent.
Offensichtlich sehen gerade die jüngeren Zahnärzte in der Kooperation
eine gute Möglichkeit, um sich vor dem Hintergrund angespannter
gesundheitspolitischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen etablieren zu
können. Bei den über 40-jährigen zahnärztlichen
Existenzgründern wurden demgegenüber die Einzelpraxisübernahme
und die Einzelpraxisneugründung vergleichsweise häufiger
präferiert.
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland sind
geringer geworden, bestanden aber auch im Jahr 2005 weiter (vgl. Abb. 3). Im
Gegensatz zu den alten Bundesländern, in denen 59 Prozent der
Existenzgründungen durch Männer und 41 Prozent durch Frauen
realisiert wurden, war die Geschlechtsverteilung in den neuen
Bundesländern nahezu ausgeglichen. Hier erfolgten 51 Prozent der
Existenzgründungen durch Männer und 49 Prozent durch Frauen.
Gegenüber dem Vorjahr fiel der Anteil der weiblichen Existenzgründer
in den neuen Bundesländern um 3 Prozentpunkte. In den alten
Bundesländern stieg der Anteil der weiblichen Existenzgründer seit
dem Jahr 2000 hingegen um insgesamt 10 Prozentpunkte. Mittelfristig ist mit
einer Angleichung der Geschlechtsverteilung in den alten und den neuen
Bundesländern zu rechnen - bei einem gleichzeitigen Trend hin zu einer
"Feminisierung" des zahnärztlichen Berufsstandes.
Städte bevorzugt
Im Hinblick auf die gewählte Praxislage war in den alten
Bundesländern eine Abnahme von Existenzgründungen im ländlichen
Umfeld zu erkennen; gegenüber dem Vorjahr sank der Anteilswert von 27
Prozent um 5 Prozentpunkte auf 22 Prozent im Jahr 2005. Demgegenüber
konnten die Existenzgründungen in klein- und mittelstädtischen Lagen
anteilsmäßig zulegen.
Auch in den neuen Bundesländern nahm der Anteil der
Existenzgründungen im ländlichen Raum vergleichsweise am
stärksten ab; der Anteil verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um 9
Prozentpunkte auf 36 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der
Existenzgründungen im kleinstädtischen Umfeld um 6 Prozentpunkte auf
30 Prozent.
Hohe Startkosten
Wie sich diese bemerkenswerten Veränderungen
auf die Finanzierungsstrukturen ausgewirkt haben, wird im Folgenden für
die alten Bundesländer dargestellt (vgl. Tab. 1 und Tab. 2).
In Westdeutschland ist das Gesamtfinanzierungsvolumen einer
Einzelpraxisneugründung im Jahr 2005 erneut gestiegen und lag mit 355 000
Euro etwa 6 Prozent über dem Vorjahreswert (vgl. Abb. 4).
Das Gesamtfinanzierungsvolumen einer Einzelpraxisübernahme stieg zugleich
um knapp 4 Prozent auf 264 000 Euro (vgl. Abb. 5). Damit erhöhte sich die
Differenz zwischen den beiden Niederlassungsformen hinsichtlich des
Gesamtfinanzierungsvolumens um 11 000 Euro auf aktuell 91 000 Euro.
Im Jahr 2005 entfielen 66 Prozent des Finanzierungsvolumens einer
Einzelpraxisneugründung auf die medizinisch-technischen Geräte und
Einrichtung, 11 Prozent auf die Bau- und Umbaukosten und 23 Prozent auf den
Betriebsmittelkredit.
Bei einer Einzelpraxisübernahme wurden im Jahr 2005 durchschnittlich 44
Prozent des Finanzierungsvolumens für den Substanzwert zuzüglich
Neuanschaffungen, 29 Prozent für den Goodwill, 4 Prozent für die Bau-
und Umbaukosten und 23 Prozent für den Betriebsmittelkredit aufgewendet.
Im langfristigen Trend hat sich die Kostenverteilung damit als relativ stabil
e
rwiesen.
Eine nach Alter differenzierte Betrachtung zeigt, dass die jüngeren
zahnärztlichen Existenzgründer (bis 30 Jahre) mit einem
durchschnittlichen Gesamtfinanzierungsvolumen von 371 000 Euro (2004: 312 000
Euro) für eine Einzelpraxisneugründung am meisten investierten. Mit
einem durchschnittlichen Finanzierungsvolumen von 278 000 Euro nahm das
finanzielle Engagement der Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen bei einer
Einzelpraxisübernahme gegenüber dem Vorjahr um 14 000 Euro
beziehungsweise 5 Prozent zu, während die jüngeren Zahnärzte
hier im Durchschnitt 259 000 Euro - und somit 15 000 Euro beziehungsweise 5
Prozent weniger als im Vorjahr - aufwendeten.
Die vergleichsweise geringsten Investitionen tätigte die Gruppe der
41-jährigen und älteren Existenzgründer. Das durchschnittliche
Finanzierungsvolumen in dieser Gruppe lag im Jahr 2005 bei durchschnittlich 348
000 Euro (2004: 329 000 Euro) für eine Einzelpraxisneugründung
beziehungsweise 224 000 Euro (2004: 213 000 Euro) für eine
Einzelpraxisübernahme. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen
Altersgruppen bezüglich des jeweiligen Finanzierungsvolumens haben sich im
Jahr 2005 leicht rückläufig entwickelt.
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Hinblick auf das
Investitionsvolumen sind im Jahr 2005 gegenüber dem Vorjahr nahezu
unverändert geblieben. In die Neugründung beziehungsweise
Übernahme einer zahnärztlichen Einzelpraxis investierten Männer
durchschnittlich 392 000 Euro (plus 5 Prozent) beziehungsweise 287 000 Euro
(plus 5 Prozent). Die Investitionsvolumina weiblicher Zahnärzte bei der
Einzelpraxisneugründung stiegen im gleichen Zeitraum um 6 Prozent auf 301
000 Euro. Auch bei der Einzelpraxisübernahme investierten weibliche
Existenzgründer mit 238 000 Euro etwa 5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Teure Neugründung
Im Hinblick auf die Praxislage erforderte die Einzelpraxisneugründung in
einer Mittelstadt im Jahr 2005 die höchsten finanziellen Anstrengungen
für die Zahnärzte. Mit 398 000 Euro lag das Finanzierungsvolumen mit
einem Plus von 68 000 Euro beziehungsweise 21 Prozent deutlich über dem
Vorjahreswert. Auch im großstädtischen Bereich war gegenüber
dem Vorjahr ein merklich höheres Finanzierungsvolumen zu veranschlagen.
Hier stieg das Finanzierungsvolumen um 59 000 Euro beziehungsweise 19 Prozent.
Einzelpraxisneugründungen im kleinstädtischen Umfeld erforderten wie
im Vorjahr unverändert ein Finanzierungsvolumen von durchschnittlich 352
000 Euro, während die Einzelpraxisneugründung im ländlichen
Bereich etwa 2 Prozent günstiger als im Vorjahr war.
Bei einer Einzelpraxisübernahme war das höchste Finanzierungsvolumen
im großstädtischen Bereich aufzubringen. Hier schlug eine
Einzelpraxisübernahme mit 274 000 Euro zu Buche (2004: 246 000 Euro). Im
ländlichen Umfeld waren Einzelpraxisübernahmen mit durchschnittlich
244 000 Euro knapp 6 Prozent günstiger als im Vorjahr. Wie bereits im Jahr
2003 zeigte sich auch für das Jahr 2005, dass Existenzgründungen vor
allem im ländlichen Bereich vergleichsweise günstig waren,
während für Existenzgründungen im groß- und
mittelstädtischen Bereich ein um etwa 10 bis 20 Prozent höheres
Finanzierungsvolumen veranschlagt werden musste.
Kredit für die Betriebsmittel
Während der Existenzgründungsphase dient der Betriebsmittel-
beziehungsweise Kontokorrentkredit dem niedergelassenen Zahnarzt zur
Vorfinanzierung der Anlaufkosten. Der im Rahmen einer
Einzelpraxisneugründung nachgefragte Betriebsmittelkredit betrug im Jahr
2005 etwa 82 000 Euro und lag damit um 15 Prozent über dem
Vorjahresniveau. Der im Rahmen einer Praxisübernahme gewährte
Betriebsmittelkredit lag im Jahr 2005 mit 62 000 Euro ebenfalls 15 Prozent
über dem Vorjahreswert. Die Gruppe der bis 30-jährigen Zahnärzte
fragte im Jahr 2005 deutlich höhere Beträge zur Vorfinanzierung der
Anlaufkosten nach als im Vorjahr. Der im Rahmen einer
Einzelpraxisneugründung nachgefragte Betriebsmittelkredit stieg in dieser
Altersgruppe um 40 Prozent auf 88 000 Euro. Auffallend waren hier die
geschlechtsspezifischen Unterschiede. Männer fragten bei einer
Einzelpraxisneugründung mit 92 000 Euro einen um 26 000 Euro höheren
Betriebsmittelkredit nach als ihre Kolleginnen. Auch bei einer
Einzelpraxisübernahme lag der Betriebsmittelkredit der männlichen
Existenzgründer mit 66 000 Euro etwa 14 000 Euro über dem
entsprechenden Betrag der Frauen.
Goodwill für die Zukunft
Die im Rahmen einer Praxisneugründung anfallenden Bau- und Umbaukosten
sanken im Jahr 2005 um 8 000 Euro auf 40 000 Euro. Bei den
Praxisübernahmen betrugen die Ausgaben für bauliche Maßnahmen
wie schon im Vorjahr 10 000 Euro. Die Differenz zwischen den beiden
Praxisformen hinsichtlich der Bau- und Umbaukosten hat sich von 15 000 Euro im
Jahr 1999 auf aktuell 30 000 Euro verdoppelt.
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Abbildung 6 |
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Bei der Praxisübernahme liegt der Kaufpreis
im Regelfall deutlich über dem materiellen Wert der bereits in der Praxis
vorhandenen Geräte und Ausstattungen (Substanzwert). Die Differenz wird
als ideeller Wert oder auch "Goodwill" bezeichnet. Im Goodwill
spiegeln sich die subjektiven Erwartungen des Käufers an die
zukünftige Ertragskraft der Zahnarztpraxis wider. In den alten
Bundesländern sank das Niveau des Goodwill im Jahr 2005 um 6 000 Euro auf
76 000 Euro und lag damit unter dem Niveau des Jahres 1997.
Der arztgruppenbezogene Vergleich der für eine
Einzelpraxisneugründung aufzubringenden Finanzmittel in den Jahren 2004/
2005 (vgl. Abb. 6) zeigt, dass das zahnärztliche Investitionsvolumen wie
schon im Vorjahr von keiner anderen Arztgruppe übertroffen wird. Mit 3
Prozent blieb der Zuwachs jedoch vergleichsweise moderat. Allerdings
repräsentieren die Einzelpraxisneugründungen inzwischen nur noch ein
Sechstel der zahnärztlichen Existenzgründungen in den alten
Bundesländern, während die "günstigeren" Praxisformen
(Einzelpraxisübernahme, Eintritt in eine Gemeinschaftspraxis) im
Zeitablauf an Bedeutung gewonnen haben. Die Investitionsvolumina in den anderen
Arztgruppen entwickelten sich unterschiedlich. Die höchsten
Steigerungsraten verzeichneten wie schon im Vorjahr die Kinderärzte mit
einem Plus von 31 Prozent, während das Finanzierungsvolumen bei den
Chirurgen um 28 Prozent zurückging. Subsummiert man die Facharztgruppen
unter "Ärzte", so errechnet sich für diese Gesamtgruppe in
2004/2005 ein Gesamtfinanzierungsvolumen von zirka 124 000 Euro, was einem
Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem Zeitraum 2003/2004 entspricht.
Unverkennbar ist, dass die zahnärztliche Berufsausübung eine sehr
umfangreiche medizinisch-technische Ausstattung zur modernen
Patientenversorgung erforderlich macht, die entsprechend hohe
Investitionsvolumina begründet. Dies gilt in gleicher Weise für die
zunehmende Prophylaxeorientierung der Zahnärzteschaft, die auf der einen
Seite zusätzlichen finanziellen Aufwand mit sich bringt, sich auf der
anderen Seite aber auch positiv auf die Berufszufriedenheit auswirkt und durch
mutige Investitionsentscheidungen widergespiegelt wird.
Dr. David Klingenberger
Institut der Deutschen Zahnärzte - IDZ
Universitätsstraße 73
50931 Köln
Andrea Schwarte
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Richard-Oskar-Mattern-Straße 6
40547 Düsseldorf
zm 96, Nr. 23, 01.12.2006, Seite
78-82
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