Eruptives Angiom der ZungeMaximilian Moergel, Martin Kunkel |
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Aufgrund der fehlenden Rückbildung wurde das Kind dann nach einigen Wochen an die Klinik zur Exzision und histologischen Diagnosesicherung überwiesen. In der klinischen Untersuchung fand sich eine etwa sieben Millimeter durchmessende, leicht erhabene und palpatorisch recht derbe Raumforderung des Zungenrandes rechts ohne nennenswerte Druckschmerzhaftigkeit. Eine zentrale, prominente Granulationszone war umgeben von einer fibrinbelegten Erosion, die zur Zungenschleimhaut durch einen leichten Randwall abgegrenzt wurde. In der Umgebung war eine leichte Gefäßinjektion zu erkennen (Abbildungen 1 und 2). Zur definitiven Diagnosesicherung wurde die Läsion vollständig exzidiert. Im Anschnitt des Resektates zeigt sich das pathologische Gewebe, das der Muskulatur pilzförmig aufsitzt und die Schleimhaut vollständig durchsetzt (Abbildung 3). Histologisch zeigten sich in der HE-Färbung Konglomerate geweiteter Kapillarräume, umgeben von einem gemischtzelligen Entzündungsinfiltrat, das sich vornehmlich aus neutrophilen Granulozyten zusammensetzt (Abbildungen 4 a und b). Die histologischen Präparate wurden freundlicherweise von Dr. Wiltrud Coerdt, Institut für Kinderpathologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zur Verfügung gestellt. Die Übersichtsvergrößerung (4 a) zeigt die Randzone, in der die Epithelbedeckung der umgebenden Schleimhaut abbricht. In der Detailaufnahme (4 b) wird die dichte Anordnung sinusoidaler Bluträume mit endothelialer Auskleidung sowie die Füllung mit Erythrozyten deutlich. Es finden sich keine zellulären Atypien. Diese Morphologie ist typisch für ein eruptives Angiom. Diskussion Das eruptive Angiom (auch Pyogenes Granulom, Granuloma teleangiectaticum, Granuloma pediculatum) ist eine häufige, nicht neoplastische klinische Entität, die grundsätzlich am gesamten Körper auftreten kann. Besondere Prädilektionsstellen sind neben der Mundhöhle und der Gesichtsregion die Finger. Während ursprünglich eine "pyogene" Infektion als Ursache vermutet wurde, sieht man heute eher eine überschießende Gewebsreaktion nach lokaler Irritation als Auslöser an. Dieser Hintergrund spiegelt sich in den vielfältigen Namensgebungen wider, unter denen diese Entität zu finden ist. Mit Einzelfallberichten über das vermehrte Auftreten bei Schwangeren und immunsupprimierten Patienten existieren zusätzlich Hinweise, dass sowohl die hormonelle Situation als auch die systemische Abwehrbereitschaft einen Einfluss auf die Entwicklung besitzen können [Daley et al., 1991; Bachmeyer et al., 1996]. Der charakteristische makroskopische Aspekt ist eine gegenüber dem Haut- beziehungsweise Schleimhautniveau prominente, oberflächlich granuliert erscheinende, häufig leicht blutende Raumforderung, die sowohl breitbasig als auch gestielt der Unterlage aufsitzen kann. Je nach Kapillarisierungs- und Verhornungsgrad
Die klinisch diagnostische Problematik liegt einerseits in der schweren Erfassbarkeit einer ursächlichen Verletzung und vor allem in der über längere Zeit fehlenden Rückbildungstendenz auch nach der Ausschaltung potentieller Reizfaktoren. Damit werden gerade bei der oft anfangs sehr raschen Größenzunahme die Exzision und histopathologische Untersuchung zum Ausschluss einer Neoplasie erforderlich.
Dr. med. Maximilian Moergel Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Augustusplatz 2, 55131 Mainz kunkel@mkg.klinik.uni-mainz.de Literaturverzeichnis
zm 96, Nr. 23, 01.12.2006, Seite 46-48 |
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