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Ektope Struma als Differentialdiagnose einer submandibulären MetastasePeer Kämmerer, Martin Kunkel |
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Dezember 2007 - Eine 61-jährige Patientin wurde zur Weiterbehandlung
eines histologisch gesicherten Plattenepithel-Karzinoms des Zungenrandes links
zugewiesen (Abbildung 1). Bei der Patientin waren seit zwei Jahren Leukoplakien
am Zungenrand links bekannt. Nach deutlichem Progress in den letzen neun Wochen
hatte eine Biopsie zur Diagnosesicherung eines Plattenepithelkarzinoms
geführt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme lag der maximale Tumordurchmesser bei
rund zwei Zentimetern. Im Rahmen der Tumor-Ausbreitungsdiagnostik ergaben sich sonographisch zwar ipsilateral leicht vergrößerte Lymphknoten medio- und craniocervical, diese wiesen allerdings eine reguläre Binnenstruktur auf und waren nach sonomorphologischen Kriterien nicht metastasensuspekt. Als auffälliger Zusatzbefund fand sich jedoch im vorderen Anteil der rechten submandibulären Loge, also kontralateral des Karzinoms, eine ausgedehnte Raumforderung. Die Raumforderung zeigte keine typischen Strukturen eines Lymphknotens, erschien eher langgezogen und gelappt und hatte sonographisch eine hyperdense, homogene Textur, die am ehesten an Drüsengewebe erinnerte (Abbildung 2a). Der Befund war aber von der Gl. submandibularis vollständig abgegrenzt. In der Gefäßdarstellung ließ sich eine deutliche Vaskularisation, nicht aber eine Hilusstruktur erkennen (Abbildung 2b). Die klinisch palpatorisch weiche Läsion zeigt in der CT-Darstellung eine deutliche Kontrastmittelaufnahme (Abbildung 3), allerdings keine typischen Merkmale ausgedehnter Metastasen, beispielsweise zentrale Nekrosen.
Obwohl es sich nach der Bildgebung tendenziell eher um eine benigne Läsion zu handeln schien, wurde vor dem Hintergrund der letztlich unklaren Dignität bei manifestem Zungenkarzinom eine Exploration des rechten Halses im Zusammenhang mit der Tumorresektion vorgenommen. Hier zeigte sich eine gut abgegrenzte Knotenbildung, die am ehesten ektopem Schilddrüsengewebe entsprach (Abbildung 4). In einigen Bereichen waren kleine knotige Indurationen tastbar. In der Schnellschnittdiagnostik ergab sich tatsächlich der Nachweis von typischem Schilddrüsengewebe (Abbildung 5) so dass der Halseingriff als alleinige selektive anterolaterale Neck-Dissektion der ipsilateralen Seite begrenzt werden konnte.
Diskussion Die Schilddrüse entwickelt sich aus einem medianen und zwei lateralen Ursprüngen der embryonalen Schlundtaschen und vollzieht in ihrer Entwicklung einen Descensus, das heißt eine caudale Verlagerung. Anfangs steht sie noch über dem später obliterierten Ductus thyreoglossus mit dem Mundboden in Verbindung, nimmt schließlich ihre endgültige Position kaudal und ventral der Cartilago thyroidea vor der Trachea ein. Kommt es zu Abnormitäten in der Entwicklungsphase, kann dies entweder in einem defekten Organ
Am häufigsten finden sich ektope Strumen im Zungengrund [Batsakis et al., 1996]. Extralinguale Lokalisationen sind vor allem der vordere cervicale Bereich in der Mittellinie entlang des Ductus Thyreoglossus. Alle Lokalisationen außerhalb der Mittellinie und außerhalb des Bereiches der zweiten bis vierten Cartilagines tracheales sind sehr selten [Kumar et al., 2001] und werfen daher oft diagnostische Probleme auf. Die klinische Manifestation ist in der Regel unspezifisch. Meist handelt es sich um Zufallsbefunde. So legen bei unbekannter Inzidenz dieses Krankheitsbildes post-mortale Befunde aus Autopsien nahe, dass asymptomatisches Schilddrüsengewebe entlang des Ductus Thyreoglossus in sieben bis zehn Prozent aller Erwachsenen gefunden werden kann [Sauk, 1970]. Das Gewebe kann sowohl zu einer euthyreoten als auch zu einer hypo- und hyperthyreotischen Stoffwechsellage führen. Eine maligne Transformation von ektopem Schilddrüsengewebe ist extrem selten. Die Behandlung der Wahl ist die chirurgische Entfernung, wobei ein eindeutiger Nachweis von regulärem Schilddrüsengewebe (Feinnadelaspiration und Szintigraphie) in Abhängigkeit von allgemeinen Operationsrisiken auch eine L-Thyroxin-Substitutionstherapie erlaubt [Kousta et al., 2005], sofern nicht übergeordnete diagnostische Notwendigkeiten bestehen. Für die Praxis soll dieser Fall daran erinnern, dass auch bei einem eindeutigen Erstbefund ein völlig unabhängiger, weniger wahrscheinlicher Zweitbefund vorkommen kann. Hierbei können, wie im vorliegenden Fall, günstige Konstellationen, das heißt, ein benigner Zweitbefund bei malignem Erstbefund, aber genauso ungünstige Kombinationen, wie ein maligner Zweitbefund bei einem benignen Erstbefund, vorkommen. Aus dem zeitgleichen oder dem benachbarten Auftreten (oder dem Erkennen) zweier Befunde kann daher nicht immer gefolgert werden, dass diese auch auf eine gemeinsame Pathologie zurückgeführt werden müssen. Dr. Peer Kämmerer Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Augustusplatz 2 55131 Mainz E-Mail: kunkel@mkg.klinik.uni-mainz.de Literaturverzeichnis
zm 97, Nr. 23, 01.12.2007, Seite 52-54 |
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