(Zemento-)Ossifizierendes Fibrom im UnterkieferFelix Koch, Martin Kunkel |
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16.
Dezember 2006 - Bei einem 55-jährigen Patienten ergab sich als
Zufallsbefund bei einem aufgrund von Schmerzen der Brustwirbelsäule
indizierten Knochenszintigramm eine Anreicherung im Bereich des linken
Unterkiefers. Klinisch zeigte sich hier eine knochenharte, schmerzlose
Auftreibung des Unterkiefers, die bereits zu einer sichtbaren
Konturveränderung der Unterwange geführt hatte. Auf konkretes
Befragen gab der Patient an, diese Schwellung bereits seit über einem Jahr
bemerkt zu haben. Hinweise auf eine dentogene Ursache der Schwellung ergaben
sich bei einem bis auf die Zähne 33 und 43 reduzierten Restgebiss nicht.
Radiologisch war im Orthopantomogramm (Abbildung 1) eine unscharf begrenzte
Zone erhöhter Dichte in der Region erkennbar,
Zur diagnostischen Einordnung erfolgte zunächst eine Knochenbiopsie, die zu einer ersten Einschätzung der Läsion als benigner osteoblastärer Tumor führte. Abbildung 3 zeigt die Auftreibung des Unterkiefers nach der Darstellung der knöchernen Kontur. Unter dieser Diagnose erfolgte dann die lokale Resektion des Befundes in den Grenzen der Läsion, wobei aufgrund der minimalen Restspangenhöhe (Abbildung 4) eine Kontinuitätsresektion unter Erhaltung des N. alveolaris inferior mit primärer Rekonstruktion durch eine Beckenkammtransplantat vorgenommen wurde.
Histologisch zeigte sich ein hinsichtlich des Hartgewebsanteils sehr variables Gewebebild mit irregulären Mineralisierungszonen, teilweise in Form kleiner Knochenbälkchen mit umgebenden Osteoidzonen (Abbildung 5a). Als richtungsweisendes morphologisches Phänomen zeigte sich bei vielen Knochenkernen ein regelmäßiger Saum von Osteoblasten. Dieses als "rimming" der Osteoblasten bezeichnete Phänomen ist charakteristisch für die Diagnose eines (Zemento-)Ossifizierenden Fibroms. Die histologischen Präparate wurden freundlicherweise durch Dr. Hansen, Institut für Pathologie der Johannes Gutenberg-Universität (Direktor: Univ. Professor Dr. Kirkpatrick) zur Verfügung gestellt. Diskussion Gemäß der aktuellen WHO-Klassifikation werden unter der Gruppe der Fibro-Ossären Läsionen das (Zemento-)Ossifizierende Fibrom, die Fibröse Dysplasie und die
Während die fibröse Dysplasie als anlagebedingte Entwicklungsstörung auf der Basis eines zwischenzeitlich charakterisierten Gendefektes (GSa-Mutation, kartiert auf Chromosom 20q 13.2-13.3.) aufgefasst wird [Di Caprio and Enneking, 2005], handelt es sich beim (Zemento-)Ossifizierenden Fibrom um eine echte Neoplasie [Sciubba et al., 2001] bei der zumindest in einigen Fällen Mutationen des Tumor Supressor-Gens HRPT-2 nachgewiesen wurden [Pimenta et al., 2006]. Obwohl der Hartgewebsanteil des (Zemento-)Ossifizierenden Fibroms eine teilweise verblüffende morphologische Analogie zum Zahnzement zeigt und eine regelrechte Einfassung von Fasern analog der Sharpey-Fasern des Zahnhalteapparates aufweisen kann, wird das (Zemento-)Ossifizierende Fibrom heute mehrheitlich nicht als odontogener Tumor betrachtet [MacDonald-Jankowski, 2004; Pimenta et al., 2006]. Die zementähnlichen Hartgewebsanteile stellen demnach kein Differenzierungsprodukt der Zahnleiste, sondern lediglich rarefizierte Knochenbildungen dar. Als morphologisches Charakteristikum des (Zemento-)Ossifizierenden Fbroms insbesondere zur Abgrenzung gegenüber der Fibrösen Dysplasie gelten die aneinander gereihten Osteoblasten, die die Knochenbälkchen regelrecht einfassen (Abbildungen 5 b und c). Dieses Phänomen fehlt typischerweise bei der Fibrösen Dysplasie [Sciubba et al., 2001]. Für die zahnärztliche Praxis soll dieser Fall daran erinnern, dass sich hinter dem rein deskriptiven Begriff der Fibro-Ossären Läsionen gemäß der WHO-Definition ganz unterschiedliche Krankheitsentitäten verbergen, die auch unterschiedlicher Therapiekonzepte bedürfen. Abschließend weist dieser Fall noch einmal darauf hin, dass auch sehr ausgedehnte ossäre Befunde manchmal nur ein schwaches Korrelat im Orthopantomogramm aufweisen. Dr. Felix Koch Prof. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Augustuplatz 2, 55131 Mainz Literaturhinweis
zm 96, Nr. 24, 16.12.2006, Seite 56-58 |
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