Primäres Plattenepithelkarzinom einer akzessorischen SpeicheldrüseRainer S. R. Buch, Oliver Driemel, Torsten E. Reichert |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
16.
Januar 2006 - Ein 76-jähriger Patient in gutem Allgemein- und gutem
Ernährungszustand wurde uns von seinem Hausarzt mit einer unklaren
Raumforderung der rechten Wange zugewiesen. Bei der Vorstellung ließ sich
ein etwa zwei Zentimeter großer indolenter, derber Knoten am Vorderrand
der rechten Glandula Parotis palpieren, der gegen den Musculus masseter und die
darüber liegende Haut verschieblich war.
Sonographisch ließ sich eine glatt begrenzte, echoarme Raumforderung mit einer Größe von 22 x 14 x 8 Millimeter (mm) und einer homogenen Binnenstruktur sowie distaler Schallverstärkung am Vorderrand der rechten Glandula Parotis darstellen. Das umgebende Drüsengewebe erschien homogen und nicht vergrößert (Abb. 1).
Zur operativen Therapie wurde eine extrakapsuläre Dissektion des Parotistumors durchgeführt. Intraoperativ zeigte sich der Tumor gelappt und glatt begrenzt (Abb. 2). Trotz des primär gutartigen Erscheinungsbildes schien der Tumor mit dem Ausführungsgang der Glandula parotis verbacken. Die intraoperative feingewebliche Schnellschnittuntersuchung des Gewebes ergab die histopathologische Diagnose eines primären Plattenepithelkarzinoms der Glandula parotis (Abb. 3). Dieses wurde auch in der definitiven Histologie bestätigt. Postoperativ wurde eine adjuvante Bestrahlung des Tumorgebietes und der Lymphabflussbahnen mit 60 Gy durchgeführt. Diskussion Solide Raumforderungen in der Ohrspeicheldrüse können differentialdiagnostisch insbesondere durch benigne und maligne Speicheldrüsentumoren sowie durch Lymphknotenerkrankungen bedingt sein [Driemel, 2006]. Speicheldrüsentumoren zeigen eine klassische Altersverteilung. Während benigne Speicheldrüsentumoren bevorzugt in der fünften und sechsten Lebensdekade auftreten [Machtens, 2000], liegt das Erkrankungsalter der Patienten mit Speicheldrüsenmalignomen deutlich höher [Barnes, 2005]. Primäre Plattenepithelkarzinome (Synonym: Epidermoidkarzinom, Tumorhistologieschlüssel: 8070/3) liegen in weniger als einem Prozent der Speicheldrüsentumoren vor [Barnes, 2005]. Sie erfordern den Ausschluss eines anders lokalisierten Primärtumors, insbesondere eines in die Ohrspeicheldrüse infiltrierend
Obwohl eine periphere Parese des Nervus facialis als charakteristisches Symptom bösartiger Tumoren der Glandula parotis gilt, können sich Speicheldrüsenmalignome auch ohne Fazialisparese manifestieren und lassen sich dadurch klinisch meist nicht sicher von benignen Tumoren abgrenzen [Schwenzer, 2002]. Im vorliegenden Fall lag der Tumor in akzessorischem Speicheldrüsengewebe der Glandula Parotis. Da keine direkte Beziehung des Tumors zum Nerven vorlag, wurde auch hier keine Funktionseinschränkung des Nervus facialis beobachtet. Als primäres Bildgebendes Verfahren bei Speicheldrüsenerkrankungen hat sich die Ultraschalluntersuchung etabliert. Kernspintomographie (MRT) und Computertomographie (CT) können zusätzliche Hinweise auf eine Infiltration der umgebenden Gewebe liefern [Iro, 2000]. Die konventionelle Sialographie hat ihren Stellenwert in der Diagnostik von Speicheldrüsentumoren weitestgehend verloren. Ob eine Feinnadelaspirationszytologie bei der präoperativen Differenzierung zwischen malignen und benignen Tumoren hilfreich sein kann und damit bessere Vorausetzungen für die Planung des operativen Eingriffs (Patientenaufklärung, Schnellschnittdiagnostik, Ausdehnung des Eingriffs) geschaffen werden, wird derzeit kontrovers diskutiert [Maier, 2005; Schröder, 2000; Wong, 2000 ]. Abschließend kann erst die histopathologische Untersuchung die Dignität von Speicheldrüsentumoren endgültig identifizieren und die Therapie und Nachsorge definieren. Dr. Dr. Rainer S. R. Buch Dr. Dr. Oliver Driemel Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Franz-Josef-Strauss-Alle 11 93053 Regensburg Literaturverzeichnis
zm 96, Nr. 2, 16.01.2006, Seite 34-35 |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||