16. Januar 2007 - Sie
lauern ihren Opfern auf, überschütten sie mit Liebesbriefen und
betreiben Telefonterror - Stalker kennen k
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eine Grenzen. Wer in ihr Visier gerät,
traut sich oft kaum mehr aus dem Haus und leidet noch Jahre später unter
Angst und Depressionen. Viele Betroffene bitten verzweifelt ihren Arzt um
Hilfe.
John Lennon, Madonna, Sandra Bullock, Steffi Graf und Jeanette Biedermann haben
eins gemeinsam - sie wurden von Stalkern behelligt. Gestalkt werden freilich
nicht nur Stars - nein, treffen kann es prinzipiell jeden. Gut zehn Prozent
aller Deutschen werden im Laufe ihres Lebens einmal von Stalkern verfolgt. Oft
fängt es ganz harmlos an: ein Anruf, eine SMS. Doch dann ufern die
Annäherungsversuche aus - und alle Zurückweisungen scheitern. Was
für ein aufdringlicher Typ! Er lässt nicht locker, wird immer
zudringlicher, während das Opfer ob der permanenten Bedrohung
allmählich durchzudrehen droht.
"Stalking" heißt übersetzt "auf die Pirsch
gehen". Wie ein guter Jäger sammelt der Stalker alles über sein
Opfer, um es zu jeder Zeit stellen zu können. Stalking ist Bedrohen,
Verfolgen, Psychoterror und beschreibt ein Verhalten, bei dem jemand einen
anderen ausspioniert, belästigt oder gar attackiert. Wer gestalkt wird,
sieht sich seinem Verfolger überall ausgesetzt - am Telefon, im
Café, zu Hause. Mag die Belagerung auf den ersten Blick harmlos aussehen
- das Opfer zermürbt sie auf Dauer. Nicht die einmalige Beschattung ist
das Problem, sondern die Allgegenwart des Täters.
Auf der Pirsch
Im Extremfall geht Stalking bis hin zu
körperlicher Gewalt, Vergewaltigung oder Mord. Ausgehend von den USA wird
das Phänomen seit den Neunzigern zunehmend
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Die TU Darmstadt
hat von 2002 bis 2005 die bisher größte wissenschaftliche Studie zum
Thema Stalking im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Insgesamt wurden
Fragebögen von 551 Stalking-Opfern und 98 Stalkern ausgewertet und
telefonische Interviews mit 50 Stalking-Opfern geführt. Die Untersuchung
wurde vom Weißen Ring gefördert. |
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wissenschaftlich erforscht. Seit Ende November
2006 ist Stalking bei uns strafbar (§ 238 StGB und § 112a StPO).
Vorher galten nur die Gewaltdelikte als kriminell, nicht das Belauern als
Solches. Wenn das Opfer in seiner Lebensführung nachweisbar
beeinträchtigt wird, drohen dem Täter Strafen bis zu drei Jahren, bei
Belästigung mit Todesfolge Freiheitsentzug bis zu zehn Jahren.
Nach Trennung Mord
Besondere Bedeutung erhält das Verhältnis zwischen Opfer und
Täter. Meist kennen die sich nämlich schon vorher. Nur in neun
Prozent der Fälle war der Stalker ein Fremder, in knapp 50 Prozent
hingegen der Ex. Die Übrigen sind Arbeitskollegen, Nachbarn, Kunden,
Patienten oder Bekannte aus Volkshochschule und Verein, wie eine Studie der TU
Darmstadt ergab (siehe Kasten). Im Schnitt stellen Stalker ihrem Opfer 28
Monate nach. Wertet man auch leichtere Übergriffe als Gewalt, wird der
Täter in fast 40 Prozent handgreiflich. Fast jedes fünfte Opfer wird
sexuell genötigt, desgleichen berichtet jeder Fünfte über
Faustschläge oder Angriffe mit Waffen. Die Auswirkungen sind erheblich:
Zwei Drittel der Belästigten leiden an Schlafstörungen und
Albträumen. Über 90 Prozent haben Angst bis hin zu Panikattacken -
selbst dann, wenn der Stalker längst von ihnen abgelassen hat. Nur neun
Prozent gaben an, danach völlig angstfrei zu sein. Viele Opfer igeln sich
zusehends ein. Den letzten befreienden Schritt sehen viele oftmals nur noch
darin, den Wohnort zu wechseln, den Freundeskreis aufzugeben oder zu
kündigen. Die Studie ergab weiter, dass das Stalking auch für die
Täter ein einschneidendes Erlebnis darstellt: Weit über die
Hälfte gab an, ihre Persönlichkeit oder Psyche hätte sich
verändert. Sie klagten über Depressionen, Schlafstörungen,
Angst. Mehr als jeder Dritte war wegen des Stalking bereits in Behandlung.
Spezielle Therapien für Stalker gibt es hier zu Lande jedoch nicht - die
Ärzte müssen überdies sehr vorsichtig sein, werden sie doch
häufig selbst zum Objekt der verzerrten Liebe auserkoren.
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Das ist
Stalking
häufige Anrufe/SMS zu jeder Tages- und Nachtzeit
unzählige
Briefe oder Mails schreiben
penetrantes
Herumtreiben in der Nähe
Verfolgen,
Hinterherlaufen oder -fahren
unerwünschte Kontaktaufnahme über Dritte, auch im Büro
unerwünschte Geschenke zusenden
Unwahrheiten
verbreiten
Nachrichten an
der Haustür, am Auto
Tagesabläufe erkunden
gleiche
Freizeitaktivitäten betreiben
Waren oder
Dienstleistungen auf Namen des Opfers bestellen
in die Wohnung
eindringen
Eigentum
zerstören
die/den Ex im
Internet aufspüren und diffamieren
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Verzerrte Wahrnehmung
Obgleich die Kontaktversuche auch in ihrer eigenen Wahrnehmung so gut wie nie
zum Erfolg führen, setzen 96 Prozent der Stalker ihre Annäherungen
fort. Als Gründe für ihre Beharrlichkeit nannten sie, dass sie davon ausgingen, das Opfer sei schicksalhaft
für sie bestimmt, dass sie glaubten für das Opfer sorgen zu
müssen, dass sie an ihre eigenen Bedürfnisse denken müssten,
dass ihnen von der Person Unrecht angetan wurde oder - in selteneren
Fällen - dass sie vom Gefühl der Macht berauscht seien.
Psychologen raten den Betroffenen, dem Täter einmalig sehr klar und
sachlich sagen, dass sie keinen weiteren Kontakt wünschen und dies ab dann
auch strikt ablehnen. Das bedeutet im Alltag: keine Telefonanrufe des Stalkers
mehr anzunehmen, keine Briefe mehr zu beantworten. Die Polizei kann Tipps
geben, inwieweit Geheim- und verdeckte Telefonnummern, Filter, AB sowie
Fangschaltungen Sinn machen. Wer gestalkt wird, sollte seine persönlichen
Daten aus
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Quelle: Mullen, P. E.,
Pathé, M. & Purcell: "Stalkers and their victims",
Cambridge University Press, Cambridge |
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öffentlichen Verzeichnissen und
Online-Profilen löschen. Umgekehrt ist es allerdings wichtig, alle Taten
des Stalkers nach Möglichkeit genau zu dokumentieren. Also Post
aufbewahren und SMS abspeichern! Opfer sollten zudem schnell ihr
persönliches Risiko abchecken, am besten mithilfe von Experten. So ist
bekannt, dass Stalking nach einer zerbrochenen Partnerschaft oft in Gewalttaten
eskaliert. Ist der Täter vorher schon aggressiv geworden, erhöht dies
die Gefahr. Als weitere Risikofaktoren nennen Psychologen eine verminderte
psychosoziale Anpassung, fehlende Integrationsbereitschaft, Alkoholmissbrauch
oder psychische Störungen, die sich in extrem kompulsivem oder obsessivem
Verhalten äußern können.
Aus psychologischer Sicht sollte sich das Opfer nicht isolieren lassen und
stattdessen aktiv handeln. Dadurch lassen sich auch drohende Depressionen
positiv beeinflussen. Gut, wenn man sich bei Freunden und Profis
Unterstützung sucht. Wer seine Kollegen, Nachbarn und Freunde einweiht,
schafft sich überdies ein Frühwarnsystem.
ck
zm 97, Nr. 2, 16.01.2007, Seite
26-27
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