16. Januar
2010 - Wie im letzten Jahr gibt es auf dem deutschen Ausbildungsmarkt
mehr offene Ausbildungsplatzangebote und weniger unversorgte Bewerber. Trotz
ungünstiger konjunktureller Entwicklung
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Zahnärzte bilden ihr
Praxispersonal weiterhin qualifiziert aus. |
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im Jahr 2009 sei eine gute Vermittlung von
Jugendlichen in Ausbildung gelungen, so die gemeinsame Bewertung der Partner
des Nationalen Ausbildungspakts zur Lage auf dem Lehrstellenmarkt.
Es lässt sich aber aus demografischen Gründen auch eine Abnahme von
Bewerbern beobachten (- 14 Prozent im Vergleich zu 2008). Diese Entwicklung
lässt erkennen, dass ab 2010 ein deutlicher Rückgang bei den
Jahrgangszahlen der Jugendlichen, die für die Ausbildung zur
Verfügung stehen, eintreten wird. Die Partner des Nationalen
Ausbildungspakts stehen jedoch in diesen auch wirtschaftlich schwierigeren
Zeiten zu ihrer Paktzusage, jedem ausbildungswilligen und -fähigen
Jugendlichen ein Ausbildungsangebot zu machen.
Die Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass dies gelingt, denn die
Paktverpflichtungen wurden im Jahr 2009 mit der Einwerbung von insgesamt 60 000
neuen Ausbildungsplätzen und 37 500 neuen Ausbildungsbetrieben
erfüllt. Unter den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen bei den
Freien Berufen befinden sich über 6 000 gänzlich neue und damit
zusätzliche Ausbildungsplätze in Praxen, Kanzleien und Apotheken, die
zuvor nicht ausgebildet haben. Ende September 2009 gab es so, wie im Vorjahr,
mehr unbesetzte Berufsausbildungsstellen als unversorgte Bewerber. Das starke
Engagement der Paktpartner - die Freien Berufe sind dort aktiv beteiligt - hat
sich ausgezahlt.
Kein Einbruch
Das Zwischenergebnis bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zum
30. September 2009 stellt sich in den zwei großen Wirtschaftsbereichen
wie folgt dar: In Industrie und Handel wurden 311 825 Ausbildungsverträge,
das sind 9,2 Prozent weniger als im Vorjahr, und im Handwerk 143 121
Ausbildungsverträge abgeschlossen, was einem Rückgang um 6,1Prozent
gegenüber dem Vorjahr entspricht.
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| Quelle: (Landes- und
Bezirks-)Zahnärztekammern |
Bei den Freien Berufen - dem drittgrößten Ausbildungsbereich der
deutschen Gesamtwirtschaft - wurden 42 675 Verträge abgeschlossen, ein
Minus von 2,9 Prozent im Vergleich zu 2008. Dabei fällt der Rückgang
in den neuen Bundesländern etwas geringer aus als in den alten
Bundesländern. Somit haben die Freien Berufe ihr Vorjahresergebnis mit
Stabilität gehalten. Es bestätigt sich aber auch der Trend, dass
neben der allgemeinen Wirtschaftskrise bei den Freien Berufen die demografische
Entwicklung der Schulabgängerzahlen ursächlich für die seit
Jahren rückläufige Entwicklung der Ausbildungsverträge ist.
"Viele der angebotenen Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt, da es an
Bewerbern im Allgemeinen und an qualifizierten Bewerbern im Besonderen
fehlt", so Dr. Michael Sereny, Präsident der ZÄK Niedersachsen
und für zahnärztliche Mitarbeiterinnen zuständiges
Vorstandsmitglied der BZÄK sowie Mitglied des Beirats zur Begleitung des
Bundesverbands der Freien Berufe am Nationalen Ausbildungspakt.
Die Zahl von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für
Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) ist 2009 im Vergleich zum Vorjahr leicht
zurückgegangen (siehe Abbildung). So wurden bundesweit zum 30. September
2009 insgesamt 11 631 Ausbildungsverträge für ZFA neu abgeschlossen
(ABL: 10 324; NBL: 1 307). Gegenüber dem Vorjahr haben die
Ausbildungszahlen damit im Durchschnitt um 1,37 Prozentpunkte abgenommen (ABL:
-1,69 Prozent; NBL: +1,37 Prozent). Ausgehend von einer geringen
Grundgesamtheit ist in den neuen Bundesländern damit eine moderate Zunahme
der Ausbildungsleistung zu erkennen.
Die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge variieren in den
einzelnen Kammerbereichen um den Durchschnittswert. Stabile Werte finden sich
unter anderem in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen und dem Saarland.
Zugewinne gab es in Thüringen, Berlin, Hamburg, Bayern und
Schleswig-Holstein. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Bremen und
Rheinland-Pfalz und weitere Regionen hatten hingegen Verluste zu verzeichnen
(siehe Tabelle).
Die Freien Berufe, hier vor allem die Zahnärzte, haben unter
Integrationsgesichtspunkten im Vergleich aller Ausbildungsbereiche den
höchsten Anteil
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Neu abgeschlossene
Ausbildungsverträge für ZFA in den Jahren 2008 und 2009 (Stichtag:
30. September), prozentuale Veränderungen zum Vorjahr. Quelle: (Landes-
und Bezirks-)Zahnärztekammern, Berechnungen: BZÄK |
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von Lehrlingen mit Migrationshintergrund. In den
Berufen Zahnmedizinische Fachangestellte und Medizinische Fachangestellte
liegen die Ausländeranteile deutlich höher (über neun Prozent)
als im Durchschnitt aller Ausbildungsberufe (fünf Prozent). Zudem werden
Lehrstellen in den Freien Berufen zu weit über 90 Prozent mit Frauen
besetzt. Auch sind Lehrlinge, die in Freien Berufen gelernt haben,
anschließend weniger stark von Arbeitslosigkeit betroffen als in anderen
Branchen.
Umdenken erforderlich
"Ich beobachte seit Längerem, wie sich unser Gesundheitswesen in ein
mehr und mehr staatlich reguliertes System verwandelt, in dem die
freiberufliche Berufsausübung zunehmend eingeschränkt, wenn nicht gar
abgeschafft werden soll", erklärt der für den Bereich Ausbildung
zuständige Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dietmar
Oesterreich. So sei auch infolge der Gesundheitspolitik der letzten Jahre die
Ausbildungsleistung der Praxen zurückgegangen. Die politische und
unternehmerische Verantwortung der zahnärztlichen Kolleginnen und
Kollegen, sich für die Ausbildung einzusetzen, wurde durch Interventionen
des Staates in die Wirtschaftsabläufe der Zahnarztpraxen politisch und
wirtschaftlich behindert. Die so geschaffenen Unsicherheiten aufgrund
möglicher negativer Auswirkungen politischer Entscheidungen auf den
Betrieb, Beispiele sind der Gesundheitsfonds sowie die Behandlungspflicht zu
festen, reduzierten privaten Gebührensätzen im Basistarif der PKV,
lassen Praxen im Bereich Ausbildung verhalten reagieren. Oesterreich führt
aus, dass "die Wahlentscheidung am 27. September für eine CDU/CSU-
und FDP-Regierung deshalb eine wichtige Weichenstellung in der
Gesundheitspolitik bedeutet. Der Trend zur Verstaatlichung der ambulanten
Patientenversorgung scheint durch diesen Richtungswechsel gebrochen. Wir
erwarten nun für die Zahnarztpraxen eine Entlastung von
bürokratischen Eingriffen, die längst überfällige Anhebung
der Honorare von Ost- auf Westniveau, die Abschaffung der Budgets sowie eine
leistungsgerechte zukunftsorientierte Honorierung."
Perspektivisch rückläufige Ausbildungszahlen haben ihren Grund aber
auch in der mangelnden Ausbildungsreife der Jugendlichen. Die Praxen
können Defizite beim Lesen, Rechnen, Schreiben und in der Sozialkompetenz
nicht allein auffangen. Hinzu kommen wahrscheinliche "Fehllenkungen"
der Jugendlichen durch staatliche Programme.
"Ein Fachkräftemangel in unseren Praxen ist also vorprogrammiert,
wenn wir nicht schnell handeln", erklärt Sereny. Um diesem
künftigen Fachkräftemangel vorausschauend entgegenzuwirken, folgten
deshalb die Delegierten auf der Bundesversammlung der
Bundeszahnärztekammer im November 2009 einem Antrag, der den
BZÄK-Vorstand auffordert "eine Neuordnung der beruflichen Ausbildung
zur Zahnmedizinischen Fachangestellten zu initiieren".
"Damit werden geeignete Maßnahmen eingeleitet, um einen
qualifizierten und am Bedarf der zahnärztlichen Praxen in Deutschland
orientierten Mitarbeiterinnen-Nachwuchs zu gewährleisten", führt
Sereny weiter aus. So werden auch in Zukunft die mehr als 55 000
niedergelassenen Zahnärzte ein fester Bestandteil des wirtschaftlichen
Mittelstands in Deutschland und der viertgrößte Arbeitgeber im
Gesundheitswesen bleiben. Schon heute sind sie Arbeitgeber für rund 326
000 Menschen und mit einem Anteil von über 80 Prozent einer der
wichtigsten für Frauen in Deutschland. Zahnarztpraxen sollen auch
zukünftig nach wie vor ein bedeutender Arbeitsplatzgarant und ein Motor
der beruflichen Ausbildung in Deutschland bleiben.
Dr. Sebastian Ziller
Leiter der Abt. Prävention und Gesundheitsförderung der BZÄK
Chausseestrasse 13
10115 Berlin
zm 100, Nr. 2, 16.01.2010, Seite
18-20
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