![]() 16. Januar 2010 |
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Internationale Forschung griffig aufbereitetNeues aus der Welt der WissenschaftWeltweit wird auf dem Gebiet der Zahnmedizin geforscht und weltweit werden diese Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften publiziert. Aber welcher Zahnarzt schafft es zeitlich, alle Veröffentlichungen zu lesen, selbst wenn sie noch so interessant sind. Deshalb haben Fachleute hier die wichtigsten aktuellen Arbeiten, die auch für den täglichen Praxisablauf relevant sind, kurz zusammengefasst.Konservierende Zahnheilkunde Antimikrobielle, selbstätzende AdhäsiveSelbstätzende Adhäsive weisen eine kurzfristige antimikrobielle Wirkung auf. Die Anwesenheit einiger antibakterieller Wirkstoffe verlängert dies Wirkung, die allerdings langfristig verloren geht.Eine der möglichen Ursachen für die Entstehung einer Sekundärkaries oder eines Kariesrezidivs ist der Verbleib von Bakterien in der Hybridschicht der adhäsiven Restaurationen. In einigen In-vitro-Studien konnte gezeigt werden, dass selbstätzende Adhäsive nicht in der Lage waren, eine bakterielle Besiedelung der Kavität zu vermindern. Um die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Kariesentstehung zu minimieren, wären antimikrobielle Eigenschaften bei diesen Materialien wünschenswert. Adhäsive können dank ihres niedrigen pH-Wertes oder auch durch spezielle antimikrobielle Zusätze, zum Beispiel Glutaraldehyde oder 12-methacryloyloxydodecylpyrimidin bromid (MDPB), antimikrobielle Effekte ausüben. Die Autoren der vorliegenden Studie untersuchten die unmittelbare und die langfristige Wirkung von MDPB-haltigen und nicht MDPB-haltigen selbstätzenden Adhäsiven auf Streptococcus mutans mithilfe eines Agardiffusionstests (ADT). Getestet wurden vier kommerziell erhältliche selbstätzende Adhäsive: AdheSe (Ivoclar Vivadent, Schaan, Lichtenstein), Clearfil Protect Bond (Kuraray, Kurashiki, Okayama, Japan), Adper Prompt L-Pop (3M ESPE, Seefeld, Germany) und Xeno III (Dentsply, Konstanz, Deutschland). Das Material Clearfil Protect Bond enthielt MDPB. In die mit Streptococcus mutans bewachsenen Agarplatten wurden die Adhäsive nach Herstellerangaben appliziert und ausgehärtet. Anschließend wurden die Platten für 72 Stunden bei 37 °C inkubiert. Nach Ablauf der Zeit wurden die Inhibitionszonen mittels eines Messzirkels vermessen. Zusätzlich wurde ein Direktkontakttest (DCT) durchgeführt; dabei wurde die bakterielle Suspension in den mit vier Adhäsiven beschichteten 96 MicroWell-Platten für eine Stunde bei 37 °C inkubiert, danach gemixt und anschließend 14 Tage lang bei konstanter Temperatur photometriert. Im ADT ließ sich nur um die Clearfil Protect Bond-Probe eine Inhibitionszone (2,0 ± 0,3 mm) des bakteriellen Wachstums feststellen. Die Auswertung des DCT zeigte signifikante Unterschiede in der bakteriellen Wachstumsrate in Anwesenheit verschiedener Adhäsive. Ein bakterielles Wachstum ließ sich bei keiner der frisch eingesetzten Proben nachweisen. Nach einem Tag wurde ein bakterielles Wachstum nur bei der Probe mit Adper Prompt L-Pop beobachtet. Nach zwei bis sieben Tagen zeigten die selbstätzenden Adhäsive Xeno III, Adper Prompt L-Pop und AdheSe bakterielles Wachstum, das bei der Probe mit Clearfil Protect Bond erst nach 14 Tagen zu beobachten war. Alle selbstkonditionierenden Adhäsive zeigen innerhalb der ersten 24 Stunden antimikrobielle Eigenschaften, die allerdings auf Dauer bei dem MDPB-haltigen Clearfil Protect Bond ausgeprägter zu sein scheinen. Schlussfolgernd lässt sich jedoch sagen, dass keines der getesteten Materialien über langfristige antimikrobielle Eigenschaften verfügt. Der positive Effekt dieser Eigenschaften auf die Entstehung einer Sekundärkaries oder eines Kariesrezidivs bei der klinischen Anwendung ist eher als gering einzuschätzen. Quelle: Feuerstein 0, Matalon S, Slutzky H, Weiss EI: Antibacterial properties of self etching dental adhesive systems. Journal of American Dental Association 138(3): 349-54, 2007. Parodontologie Biokompatibilität von KronenDie Ergebnisse dieser Studie zeigen eine bessere biologische Verträglichkeit galvano-metallischer Kronen gegenüber metallkeramischen Kronen in Hinsicht auf parodontale Gewebe.Die Versorgung eines Zahnes durch eine Krone ist oft die einzige Möglichkeit, verloren gegangene Strukturen des Zahnes zu rekonstruieren. Im Gegensatz zu einem natürlichen Zahn kann ein Kronenrand das biologische Gleichgewicht in der Region des marginalen Parodonts beeinflussen. Die Biokompatibilität der Galvano-Restaurationen scheint dabei vorteilhafter gegenüber den konventionell hergestellten metallkeramischen Kronen zu sein. Dennoch gibt es in der Literatur nur wenige Angaben über den klinischen Effekt von galvano-keramischen und metallkeramischen Kronen auf das parodontale Gewebe. Der Gegenstand dieser kontrollierten klinischen Studie war, den Einfluss dieser Restaurationen auf das Parodont sowie die inflammatorische Reaktion des Parodonts auf die Überkronung der Zähne zu untersuchen. Hierbei handelte es sich um eine prospektive, verblindete, randomisierte Studie. Die insgesamt 52 parodontal gesunden Patienten wurden in einem Splitmouth-Design mit galvano-keramischen und metallkeramischen Kronen versorgt. Mithilfe einer Sechs-Punkt-Messung wurden folgende klinische Parameter erhoben: Gingivaindex, Plaqueindex, Taschentiefe und Rezessionen. Der primäre Zustand des Gewebes wurde anhand der Konzentration des IgG in der Sulkusflüssigkeit und deren Fließrate festgehalten. Nach 24 Monaten wurden 34 Patienten reevaluiert. Dabei wurden neben der adäquaten Funktion der Kronen geringfügige entzündliche Veränderungen der Gingiva beobachtet. In den nachfolgenden 24 Monaten zeigte das Gewebe um galvano-keramische Kronen signifikant geringere Zeichen einer Entzündung (Plaqueindex (P=0,004); Gingivaindex (P<0,001); Sulkusflüssigkeit-Fließrate (P=0,012); IgG (P=0,002)) als um metallkeramische Restaurationen (Plaqueindex (P=0,005); Gingivaindex (P=0,008); Sulkusflüssigkeit-Fließrate (P=0,006); IgG (P=0,007)). Die Studie zeigte einen stabilisierenden Effekt von galvano-keramischen Kronen auf das parodontale Gewebe. Daher könnte diese Restaurationsart eine geeignete Alternative zu den konventionell hergestellten metallkeramischen Kronen darstellen. Allerdings lässt sich noch nicht schlussfolgern, welcher Mechanismus zur besseren Biokompatibilität von galvanischen Restaurationen beiträgt. Quelle: Weishaupt P, Bernimoulin JP, Lange KP, Rothe S, Naumann M, Hägewald S. Clinical and inflammatory effects of galvano-ceramic and metal-ceramic crowns on periodontal tissues. Journal of Oral Rehabilitation 34(12): 941-7, 2007 Endodontie Antibakterieller Effekt auf E. faecalis durch LaserIn Wurzelkanälen befinden sich oft resistente Bakterien, deren Anzahl sich mithilfe eines Er,Cr:YSGG-Lasers reduzieren lässt. Dennoch werden infizierte Wurzelkanäle auch nach einer Behandlung nicht völlig keimfrei.Bakterien sind primäre Auslöser endodontischer und periapikaler Erkrankungen. Die mechanische Aufbereitung und chemische Spülungen sind zurzeit die Mittel der Wahl bei endodontischen Behandlungen. Einige bakterielle Spezies, wie Enterococcus faecalis, zeigen jedoch Resistenz gegenüber herkömmlichen Spüllösungen wie Natriumhypochlorit. Auch Chlorhexidin ist lediglich bei einem direkten Kontakt mit diesen Bakterien wirksam. In der letzten Zeit wurden Versuche unternommen, die Bakterienfreiheit im Wurzelkanal mithilfe von Lasern zu erreichen. Dabei wiesen einige Lasersysteme,
zum Beispiel der Er,Cr:YSGG-Laser, eine höhere Effizienz als
konventionelle Spüllösungen auf. In der vorliegenden Studie wurde der
bakterizide Effekt eines Er,Cr:YSGG- Lasers auf Enterococcus faecalis
untersucht. Die Arbeitsspitze des in der Studie geprüften Lasers erlaubte
im Gegensatz zur konventionellen, linear gerichteten Bestrahlung eine radiale
Bestrahlung der Wurzelkanalinnenflächen. Die Autoren der Studie
formulierten die Hypothese, dass dieses Lasersystem im Hinblick auf die
Eliminierung von Enterococcus faecalis wirksamer als die herkömmlichen
Spüllösungen sei. Für die Studie wurden 180 einwurzelige
Zähne verwendet. Die Wurzeln wurden auf eine Länge und einen
Durchmesser von jeweils 5 mm beschliffen, sterilisiert und in Kunststoffkapseln
eingebettet. Die bakterielle Kultur des Enterococcus faecalis wurde
anschließend in den unteren Teilen der Kapseln platziert und eine Woche
lang bebrütet. Nach der Inkubation wurden die Kanäle mit
unterschiedlichen Methoden behandelt; dabei wurde die Kontrollgruppe nicht
desinfiziert. Zwei weitere Gruppen wurden mit NaOCl unterschiedlicher
Konzentration behandelt. Alle anderen Gruppen wurden einer Laserbehandlung
unterzogen. Die Laserbehandlung dauerte je nach Gruppe 15 bis 240 s (bei
unterschiedlichen Leistungsstärken von 175 mW bis 350 mW entweder mit
Wasserspray oder trocken). Anschließend wurden die Wurzelkanäle mit
Gates-Glidden-Bohrern aufbereitet und die Feilspäne gesammelt. Die
gesammelten Späne wurden auf Agarplatten ausgesät und inkubiert. Das
bakterielle Wachstum wurde durch Zählung von koloniebildenden Einheiten
(CFU) quantifiziert. Die Ergebnisse zeigten bei keiner Methode eine
hundertprozentige Elimination der Bakterien. Nach 120 s Laserbestrahlungen lag
die Keimreduktion bei 99,7Prozent und war damit signifikant höher als nach
der Behandlung mit NaOCl. Die radiale Bestrahlung des Wurzelkanals mit
Er,Cr:YSGG-Laser scheint nach Aussagen der Autoren einen signifikanten
antibakteriellen Effekt auf Enterococcus faecalis auszuüben. Somit
könnte der Er,Cr:YSGG-Laser einen nützlichen Beitrag bei der
Desinfektion der Wurzelkanäle während endodontischer Behandlungen
leisten.Quelle: Gordon W, Atabakhsh VA, Meza F, Doms A, Nissan R, Rizoiu I, Stevens RH: The antimicrobial efficacy of the erbium, chromium:yttrium-scandium-gallium-garnet laser with radial emitting tips on root canal dentin walls infected with Enterococcus faecalis. Journal of American Dental Association 138(7): 992-1002, 2007. ZA Michael Wolgin Charité, Universitätsmedizin Berlin CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Aßmannshauser Str. 4-6 14197 Berlin michael.wolgin@charite.de www.charite.de/zahnerhaltung zm 100, Nr. 2, 16.01.2010, Seite 50-52 |