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Februar 2006 - Ein 43-jähriger Patient wurde aufgrund einer
Raumforderung im vorderen Mundboden in unsere Poliklinik überwiesen. In
einer Routineuntersuchung war dem behandelnden Zahnarzt eine prall-elastische,
annähernd kreisrunde Läsion in einer Ausdehnung von
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Auch für den "Aktuellen klinischen
Fall" können Sie Fortbildungspunkte sammeln. Mehr am Ende des
Artikels. |
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etwa 2,5 x 2,5 Zentimeter (cm) aufgefallen, die
als Vorwölbung den Mundboden nach oben pelottierte (Abb.1). Die bedeckende
Schleimhaut war vollständig intakt, ohne Zeichen einer dysplastischen
Oberflächenveränderung. Die Carunculae sublinguales wiesen keine
Entzündungszeichen auf, das Speicheldrüsensekret war klar. Subjektiv
hatte der Patient keinerlei Symptome bemerkt, insbesondere ergaben sich
anamnestisch keine Zusammenhänge zur Nahrungsaufnahme im Sinne einer
Okklusionssymptomatik. Klinisch fand sich keine Vergrößerung der
regionären Lymphknoten oder der Speicheldrüsen.
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| Abb. 1:
Klinischer Aspekt des Mundbodens und der Sublingualregion. Die annähernd
kugelförmige Raumforderung hat den Mundboden leicht pelottiert und die
Carunculae sublinguales angehoben. |
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Abb. 2:
Op-Situs nach dem partiellen Umfahren des zystischen Befundes. Die Dermoidzyste
ist gut abgegrenzt, von einer derben Kapsel umgeben und weist ein feine
Gefäßzeichnung auf.. |
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a) |
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b) |
| Abb. 3: OP-Präparat der Dermoidzyste. Als Inhalt entleeren sich
nach dem Anschneiden der Zyste Talg und Zelldetritus (A). Im vorliegenden Fall
fand sich im Lumen der Zyste (B) ein Knäuel von Haaren als Produkt der in
Teilabbildung C erkennbaren Haarwurzeln. |
c) |
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Abb. 4: Histologischer
Aspekt der Zystenwandung. Es stellt sich an der Oberfläche ein
mehrschichtiges, verhornendes Plattenepithel dar. Charakteristisch sind die
Hautanhangsgebilde, hier vor allem als Talgdrüsen zu erkennen
(Färbung: HE, Originalvergrößerung x50). Das histologische
Präparat wurde freundlicherweise von Dr. Maryam Ghalibafian, Institut
für Pathologie der Johannes Gutenberg-Universität (Direktor: Prof.
Dr. Kirkpatrick) zur Verfügung gestellt. |
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| Abb. 5:
Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle findet sich im Gegensatz zu den
tiefen Läsionen des Mundbodens immer eine veränderte
Oberflächentextur, die typischerweise mit Verhornungsstörungen und
Verlust der Oberflächenintegrität einhergeht. |
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Abb. 6:
Typischer Befund einer Ranula des vorderen Mundbodens. Diese
Extravasations-Pseudozyste kleiner Speicheldrüsen liegt unmittelbar
submucös. Im Gegensatz zu den recht wandstarken Dermoidzysten neigen
Ranulae zur spontanen Perforation. |
Der Befund konnte in kurzer Intubationsnarkose
entfernt werden. Hierbei wurde der als hellgelbes, kugeliges, prall zystisches
Gebilde imponierende Befund schrittweise umfahren und in toto ausgelöst
(Abb. 2). Im Anschnitt des Präparates entleerte sich ein für
Dermoidzysten typischer Inhalt aus Talg und Hornschuppen. Da der Zystenbalg im
vorliegenden Fall auch Haarwurzeln aufwies, hatte sich im Zystenlumen auch ein
größeres Haar-Knäuel gebildet (Abb. 3 a bis c). Histologisch
bestätigte sich die Diagnose einer Dermoidzyste mit einem
pathognomonischen Aufbau der Zystenwandung, die neben einem mehrschichtigen
verhornenden Plattenepithel auch typische Hautanhangsgebilde aufwies (Abb. 4).
Diskussion
Die Erkennung pathologischer Veränderungen des vorderen Mundbodens hat
eine ausgesprochen hohe Bedeutung in der oralen Medizin, da sich in
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Die wichtigsten pathologischen Veränderungen
stellen die epithelialen Vorläuferläsionen und manifesten
Plattenepithelkarzinome dar. Diese Läsionen weisen immer eine Störung
der Schleimhauttextur auf.
Bei
geschlossener Schleimhaut sind neben den seltenen Dermoiden vor allem
Extravasationszysten (Ranulae) und Tumoren der kleinen Speicheldrüsen
abzugrenzen.
Darüber
hinaus können selten mesenchymale Tumoren oder auch maligne Lymphome als
Raumforderung des Mundbodens imponieren.
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dieser Region sehr häufig
Vorläuferläsionen oder auch manifeste Plattenepithelkarzinome finden.
Neben diesen wichtigen und häufigen Befunden, die vor allem durch
Verhornungsstörungen (Leukoplakie, Erythroplakie), durch den Verlust der
Oberflächenintegrität (Erosion, Ulceration) und durch eine tastbare
Induration erkennbar werden (Abb. 5), gibt es aber auch zahlreiche
pathologische Veränderungen, deren Ursprung nicht das
Oberflächengewebe ist. Sie zeichnen sich daher typischerweise durch eine
intakte Schleimhautbedeckung aus. Neben der klassischen Ranula, die als
oberflächennahe, häufig bläulich-livide erscheinende,
fluktuierende Schwellung imponiert (Abb. 6), sind Tumoren der Glandula
sublingualis oder auch der kleinen Speicheldrüsen differentialdiagnostisch
abzugrenzen. Obwohl Dermoidzysten oder Epidermoidzysten insgesamt recht selten
sind, liegt ihre typische Lokalisation im Untersuchungsgebiet des Zahnarztes,
nämlich in der Mittellinienzone des Mundbodens und der Submentalregion
[King et al., 1994; Mahmood and Moody, 2003]. Sie stellen entwicklungsbedingte
Malformationen dar, die heute überwiegend als eine benigne und zystische
Abortivform eines Teratoms aufgefasst werden [Neville et al., 2002].
Therapeutisch ist eine schonende Enukleation anzustreben, wobei mitunter eine
Fixierung median am anterioren Unterkiefer ein scharfes Ablösen erfordert.
Die histopathologische Untersuchung ist obligat.
Für die zahnärztliche Praxis soll der Fall an die Bedeutung der
Inspektion und vor allem auch die Palpation der Wandungen der Mundhöhle
erinnern, da neben den Oberflächenläsionen auch relevante Pathologien
unter intakter Schleimhautbedeckung vorliegen können.
Dr. Frank Schmidseder
Priv.-Doz. Dr. Dr. Martin Kunkel
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
der Johannes Gutenberg-Universität
Augustusplatz 2
55131 Mainz
kunkel@mkg.klinik.uni-mainz.de
Literaturverzeichnis
zm 96, Nr. 3, 01.02.2006, Seite 44-45
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