Berliner Zahnärztetag 2010

Der Generalist ist gefragt

 
1. Febuar 2010 - Der 24. Berliner Zahnärztetag konzentrierte sich auf das Thema "Zahnärztliche Grundversorgung im
Ausgezeichnet: Dr. Wolfgang Schmiedel überreichte Dr. Klaus Felgentreff die Ewald-Harndt-Medaille.
Praxisalltag". Bei aller Spezialisierung sei jeder Zahnarzt auch immer ein Generalist, betonte Dr. Wolfgang Schmiedel, Präsident der Zahnärztekammer Berlin. Hier liege der gemeinsame Nenner aller Zahnärzte. Dr. Friedrich-Karl Noack wurde mit der "Silbernen Ehrennadel" der Bundeszahnärztekammer ausgezeichnet - die Ewald-Harndt-Medaille 2010 ging in diesem Jahr an Dr. Klaus Felgentreff. Am Rande der Veranstaltung beging der Bundesverband der zahnärztlichen Alumni in Deutschland (BdZA) seine erste Nacht der Zahnmedizin.


Das Interesse am Thema war groß. Dr. Wolfgang Schmiedel begründete den diesjährigen Schwerpunkt mit dem Wunsch des Berufsstandes, dem zahnärztlichen Kerngeschäft - nämlich der Grundversorgung - mehr Bedeutung beizumessen. Schmiedel: "Nach vielen Jahren spezifischer, bisweilen hochspezifischer Fortbildung erfüllen wir den Wunsch vieler Kolleginnen und Kollegen nach dem, was unsere tägliche Arbeit, unser täglich Brot zum überwiegenden Teil ausmacht, eben jener Grundversorgung im Praxisalltag."


Freiwillige Weiterbildung
Schmiedel zeigte sich erfreut über den ungebrochenen Willen zur freiwilligen Weiterbildung innerhalb der Zahnärzteschaft. "Unser Berufsstand braucht keine Gängelung durch den Staat", sagte er.

Der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Berlin Dr. Jörg-Peter Husemann prognostizierte den Zahnärzten ein Jahr der Erneuerungen und Unsicherheiten. "Die Krise verschärft die Auslese", sagte er mit Blick auf den zunehmenden Preiskampf im Zahnersatz-Markt. Immer mehr Konkurrenten aus dem Ausland würden mit Dienstleistungen auf den deutschen Markt drängen, die zuvor exklusiv in Deutschland angesiedelt waren. In Zeiten, wo die Kunden knausern und "Geiz geil finden", zeige sich eines mit gnadenloser Härte: Gewinner sei, wer die attraktivsten Preise mache. Den Kassen warf er vor, dass ihnen die Mitgliederzahlen und die damit verbundenen Beiträge wichtiger seien, als die Gesundheit ihrer Versicherten. Husemann sagte in Bezug auf das Veranstaltungsthema: Weil Spezialisierungen in der Zahnärzteschaft "eine inflatorische Entwicklung annehmen", sei eine Rückbesinnung auf den Zahnarzt als Generalisten notwendig.



Neuer Programmbaustein
Neu im Programm: die Parallelveranstaltung "Kammer aktuell". Das Prozedere: In kleinerem
 

Ewald-Harndt-Medaille

Die Zahnärztekammer Berlin ehrte Dr. Klaus Felgentreff für seine herausragenden Verdienste beim Zusammenwachsen des Berufsstandes. Felgentreff war Zahnarzt in der DDR und engagierte sich nach dem Mauerfall auf beiden Seiten, um die Systeme, aber auch die Behandlungsqualität zusammenzubringen. Langjährig an der Humboldt-Universität und der Hufeland-Poliklinik tätig und seit 1991 niedergelassen, förderte er auf vielen Ebenen das Zusammenwachsen der Kollegenschaft. Felgentreff habe Mut gemacht zur Niederlassung und es nicht bei Worten belassen, sondern sich nachhaltig, uneigensinnig, aber auch unnachgiebig für die selbstständige, freie Berufsausübung eingesetzt, betonte Laudator Dr. Wolfgang Schmiedel, Präsident der ZÄK Berlin. pm
Kreis werden Impulsreferate von Vorstandsmitgliedern der Zahnärztekammer Berlin zu aktuellen beruflichen und berufspolitischen Entwicklungen gehalten. In diesem Jahr gingen die Referenten auf diese Themen ein: Q-BuS-Dienst, GOZ und ZFA. Im Anschluss an jeden Vortrag wurden einzelne Aspekte intensiv ausdiskutiert. Der neue "Baustein" des Berliner Zahnärztetages bietet mehr Raum für Dialoge und ist eine Chance für die Zahnärzte, in direkten Kontakt mit Kammermitgliedern zu treten.

Das Gros der Referenten bezog sich auf das Thema Qualitätsmanagement (QM), gesetzlich festgelegt im § 91, Abs. 6 SGB V. Der Handlungsdruck zum Aufbau eines QM-Systems in der eigenen Praxis steigt an. Ab dem 01.01.2011 beginnt die Überprüfung der Praxen. Dabei können zwei Prozent zufällig von der KZV ausgewählter Zahnärzte auf die Erfüllung und Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen kontrolliert werden. Der KZBV-Vorsitzende Dr. Jürgen Fedderwitz bestärkte die Zahnärzte darin, unverzüglich mit dem Aufbau eines QM-Systems zu beginnen. Auch unabhängig von den gesetzlichen Bestimmungen komme man für eine sichere Praxisführung ohne QM nicht aus. Zudem warnte er vor dem Abschluss von Selektivverträgen - speziell mit Indento. Hier zahle der einzelne Zahnarzt im Zweifelsfall 15 bis 20 Prozent drauf. Fedderwitz erläuterte die standespolitischen Aufgaben für 2010: Neben der Angleichung der Ost-West-Gehälter stehe die Abschaffung der Budgetierung auf der Agenda. Wenn letzteres nicht realisierbar sei, plane man, Festzuschusssysteme auf regionaler Punktebene einzuführen. sf


zm 100, Nr. 3, 01.02.2010, Seite 24