Akademie für Zahnärzte

Die hohe Schule der Selbstverwaltung

16. Februar 2000 - In einem politisierten Gesundheitswesen wird die Berufspolitik immer wichtiger. Drei Zahnärztekammern haben die Konsequenz daraus gezogen und eine "Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement" gegründet, die jetzt ihre Arbeit aufnimmt. Wir geben einen ersten Überblick über das umfassende Angebot.

Die Gründer und Träger der neuen "Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement" Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, ...


Jetzt gibt es ein besonderes Bildungsangebot für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die Interesse für die Übernahme von Verantwortung in Gremien der zahnärztlichen Berufspolitik und Selbstverwaltung haben und sich das notwendige Know how dafür zulegen wollen. Mit einem Festakt am 29. Januar 2000 in der Akademie für Fortbildung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe stellten die drei Zahnärztekammern Westfalen-Lippe, Bayern und Niedersachsen unter den Präsidenten Dr. Dr. Weitkamp, Dr. Dr. Kastenbauer und dem Vizepräsidenten Dr. Wömpner eine von ihnen gegründete und getragene "Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement" der Öffentlichkeit vor. Anschließend wurde der Lehrbetrieb des ersten Semesters sofort begonnen.

... Dr. Dr. Josef Kastenbauer ...



Ausbildung in Politik und Gesundheitsökonomie
Die Akademie versteht sich als postuniversitäres Forum für Zahnärzte und für hauptamtliche Mitarbeiter zahnärztlicher Berufsvertretungen zum Erwerb zusätzlicher Kompetenz für Aufgaben der freiberuflichen Selbstverwaltung und zugleich zur Fortentwicklung freiberuflichen Praxismanagements. Der neue Studiengang hat sich ganz konkret die berufspolitische Nachwuchsschulung und Qualifizierung der Selbstverwaltung sowie vertiefte Informationen für Akteure im Umfeld zahnärztlicher Berufspolitik als Gegenwehr gegen die wachsende Übermacht der Politik vorgenommen. Sie will Wissen, Informationen und Fähigkeiten in diesen Bereichen übermitteln, zugleich eine Plattform für fachübergreifenden Meinungsaustausch sein und Impulse für aktuelle, sozial- und gesundheitspolitische Entwicklungen geben. Sie garantiert den Teilnehmern eine solide Grundausbildung gesundheitsökonomischer Zusammenhänge.

... und Dr. Dr. Henning Borchers.



Eine praxisnahe Schule für Berufspolitiker
Diese Neugründung füllt eine Lücke. Bisher werden in Public-Health-Ausbildungsangeboten zwar ähnliche Ambitionen verfolgt, jedoch wesentliche Elemente freiberuflicher Selbstverwaltung dabei kaum berücksichtigt. Gegenüber dem mehr und mehr geschulten Personal in Krankenkassen, Medizinischem Dienst, Ministerien und Einrichtungen des Öffentlichen Gesundheitsdiens-tes, die oft einseitig versorgungsmedizinisch orientiert sind, soll eine ausbildungsmäßige "Waffengleichheit" hergestellt werden. Das Ziel ist also eine Fundierung und Stärkung der Selbstverwaltung, nachdem immer deutlicher wird, dass autodidaktisch gewonnenes Erfahrungswissen und ideelles Engagement allein für die Bewältigung der Zukunftsherausforderungen an die zahnärztliche Selbstverwaltungen und Berufspolitik nicht ausreichen werden.

Angesichts eines "gnadenlosen Verteilungs- und Meinungswettkampfes", so der Initiator Kammerpräsident Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, sollen insbesondere dem Nachwuchs mit mehr Wissen auch mehr Chancen gegeben werden. Andererseits, so der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Burkhard Tiemann, sollen auf diesem Wege keinesfalls "Gesundheitsbürokraten" oder "Medizinapparatschicks" herangebildet werden. Er erhoffte sich auch eine Quelle von neuen Ideen für Freiberuflichkeit im Gesundheitswesen, erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe Dr. Ulrich Oesingmann. Und Bayerns Kammerpräsident Dr. Dr. Kastenbauer mahnte, mit der neuen Akademie besonders auch die Freiberuflichkeit in Europa zu fördern.


In vier Semestern ein umfassender Stoff
Der erste Studiengang der Akademie beginnt bereits jetzt im ersten Halbjahr 2000 und erstreckt sich über zwei Jahre bis Ende 2001. Die Veranstaltungen finden an wechselnden Orten im Bereich der drei tragenden Zahnärztekammern in Form von Seminarblöcken statt. Nach der Gründungsveranstaltung im Januar 2000 in Münster ist ein nächster Block im März 2000 in Bayern und dann im Frühsommer in Niedersachsen geplant. Die Lehrveranstaltungen finden in jedem Semester in jeweils drei Blöcken und jeweils an einem Wochenende von Donnerstag bis Samstag statt.

Die Lehrveranstaltungen werden als Vorlesungen, Übungen und Seminare abgehalten. Die Kurse werden jeweils mit höchstens 21 Teilnehmern besetzt sein. Die ersten beiden Semester bilden einen Grundkurs, in dem im ersten Semester das Recht der Heilberufe, Grundlagen der Freiberuflichkeit, politische Entscheidungsverfahren sowie Grundzüge der Volkswirtschaftslehre angeboten werden. Im zweiten Semester stehen dann das Recht der GKV, Grundzüge der Gesundheits- und Sozialpolitik, zahnärztliche Selbstverwaltung, Meinungsbildung und Entscheidungsverfahren in der Berufspolitik sowie Grundzüge der Betriebswirtschaft auf dem Lehrplan. Das dritte und vierte Semester sind als Aufbaukurs konzipiert. Hier geht es dann um Gesundheitsökomomie, Gesundheitssystemforschung, Sozialmedizin, Epidemiologie, europäische Entwicklungen, Verbandsstrategien, Kommunikation sowie Öffentlichkeits- und Pressearbeit.


Ausbildung auch im Praxismanagement
Besonders wichtig ist es in den Augen der Akademiegründer, dass zugleich mit der politischen Fortbildung der Teilnehmer auch für das Praxismanagement gerüstet wird, also auch die betriebswirtschaftlichen Grundlagen für ein berufspolitisches Engagement des Zahnarztes geschaffen werden. Dafür sorgt ein Stab von Referenten, die aus der Praxis kommend und in der Praxis stehend für die Akademie als Dozenten gewonnen wurden und zwar von Hochschulen, Gerichten und Instituten unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Burkhard Tiemann.

Die Studiengebühr beträgt pro Semester 800 DM, für den gesamten Studiengang also 3 200 DM. Über die Absolvierung des Studienganges wird eine Bestätigung erteilt, die im Zusammenwirken mit der Hochschule Lüneburg, Forschungsinstitut Freie Berufe, ausgestellt wird.

Im Anschluss an die Münsteraner Festveranstaltung erfolgte der Start des Lehrbetiebes des ersten Semesters, das ausgebucht ist. Anfragen und Interessenten sind zahlreich, auch aus den Reihen der Ärzteschaft. Die Sprecher der Gründerkammern haben besonders betont, dass der Trägerkreis offen für weitere Teilnehmer ist.


CDU - Redner für mehr Eigenverantwortung
Als Festredner der Eröffnungsveranstaltung in Münster skizzierte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Kues die gesundheitspolitischen Perspektiven der Union. Er plädierte besonders intensiv für mehr Offenheit der Parteien gegenüber den Zukunftslasten, die anders als bisher zu verteilen seien. Größere Teile des Einkommens müssten künftig für Alter und Krankheit bereitsgestellt werde, nur Großrisiken könnten künftig solidarisiert versichert werden, die kleinen müssten mehr und mehr privat und eigenverantwortlich getragen werden.

Sehr eindringlich haben die drei Gründerpräsidenten in ihren Statements vor der Presse und auf dem Festakt die Erwartung für die Zukunft formuliert: Zahnärztliche Eigenverantwortung für den Erhalt der Freiheit im Heilberuf, für unternehmerische Handlungsfreiheit, für Innovation auf dem Wachstumsmarkt Gesundheit, für Bewusstsein eines sparsamen Umgangs mit knappen Ressourcen und für Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit mit ethischen Berufswerten und für den Gedanken der europäischen Entwicklung auch im Gesundheitswesen. (Siehe dazu auch unseren Beitrag "Das aktuelle Thema" von Prof. B. Tiemann).

Anfragen und Anmeldungen über die Geschäftsstellen der Trägerkammern:
Bayern, Tel.: 089/724 800, Fax: 089/724 802 108;
Niedersachsen, Tel.: 0511/833 910, Fax: 0511/83391 116;
Westfalen-Lippe, Tel.: 0251/507 500, Fax: 0251/507 570.

hf
zm 4/2000, Seiten 30/32