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Februar 2006 - Ein zweijähriger Junge wurde in unserer Kinderambulanz
vorgestellt, nachdem eine bereits im Rahmen der pädiatrischen
Vorsorgeuntersuchungen im ersten Lebensjahr aufgefallene, brettharte Schwellung
präaurikulär links über mehr als ein Jahr persistierte
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Auch für den "Aktuellen klinischen
Fall" können Sie Fortbildungspunkte sammeln. Mehr am Ende des
Artikels. |
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und nun, nach Einschätzung der Mutter, eine
gewisse Größenzunahme zeigte (Abbildung 1). Klinisch handelte es
sich um eine extrem feste, etwa 2 x 1 Zentimeter durchmessende, gegenüber
der Haut und der Parotis verschiebliche Läsion mit einer leicht
höckerig erscheinenden Oberfläche. Schmerzen oder
Funktionseinschränkungen waren nicht aufgetreten.
In der sonographischen Untersuchung fielen vor allem ein deutliches
Oberflächenecho und die ausgeprägte dorsale Schallauslöschung
auf (Abbildung 2), beides Kriterien, die auf einen hohen Hartgewebsanteil der
Läsion hindeuten.
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Abbildung 1: Präauriculär links findet sich eine
symptomlose, gegenüber Haut und Parotis verschiebliche, auf Palpation
derbe Raumforderung. Fremdanamnestisch wurde über eine langsame
Größenprogredienz ohne Zeichen der Entzündung oder
Funktionsausfälle berichtet. |
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Abbildung 2: Die Sonografie zeigt eine unmittelbar subkutan gelegene
Läsion mit einem deutlichen Grenzecho und ausgeprägter dorsaler
Schallauslöschung. |
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Abbildung 3: Intraoperativ zeigt sich ein zur
Umgebung durch eine derbe Kapsel abgegrenzter Tumor, der vollständig im
subkutanen Fettgewebe eingebettet war. |
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| Abbildung 4: Aspekt des exstirpierten Präparates mit einer
gelblichen, leicht höckerigen Oberfläche. Im Anschnitt sind die
typischen kalzifizierten Stromaanteile zu erkennen. |
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| Abbildung 5: Histologischer Aspekt des Pilomatrixoms. In der
Übersichtsaufnahme sind die typischen Aggregate von Epithelgewebe mit
Verkalkungszonen zu erkennen, die in ein fibröses Stroma eingebettet sind.
(Färbung: HE, 50x) |
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Abbildung 6: In der Detailaufnahme sind neben dystrophen
Verkalkungsarealen die dunkel gefärbten, basaloiden Epithelzellen zu
erkennen. Im Anschluss finden sich die typischen eosinophilen Zellen ohne
deutliche Chromatinstruktur der Kerne, die so genannten
Geisterzellen. |
Der Befund wurde über eine kleine
präaurikuläre Inzision aufgesucht und stellte sich intraoperativ als
gut abgegrenzter Tumor in der Subkutis dar (Abbildung 3). Nach der Enukleation
handelte es sich makroskopisch um ein solides Gebilde, auf dessen
Schnittfläche grießartige, weiß-gelbe Kalzifikationen
auffielen (Abbildung 4). Die pathohistologische Aufarbeitung des Resektates
zeigte in der HE-Färbung die für ein Pilomatrixom typischen Aggregate
von Epithelgewebe mit Verkalkungszonen, eingebettet in ein fibröses
Stroma. Besonders auffällig waren Konglomerate eosinophiler Zellen, deren
blasse Kerne beziehungsweise Kern-Residuen kein typisches Chromatin mehr
aufwiesen und die daher als "Schatten"- oder
"Geisterzellen" (so genannte ghost-cells) bezeichnet werden.
Ebenfalls charakteristisch für diese Tumorentität sind die Bereiche
mit regressiv veränderten und teilweise dystrophisch-kalzifizierten,
basaloiden Epithelzellen (Abbildung 5) sowie Ansammlungen mehrkerniger
Fremdkörper-Riesenzellen.
Diskussion
Die Erstbeschreibung des Epithelioma calcificans wird Malherbe und Chenantais
Ende des 19. Jahrhunderts zugeschrieben, die den Ursprung dieses gutartigen
Tumors aufgrund histologischer Kriterien wie dem Auftreten von Klarzellen in
den Glandulae sebaccaeae sahen [Malherbe and Chenantais, 1880]. Durch neuere
immunhistochemische Untersuchungen konnte jedoch die Abstammung aus dem Epithel
der Haarwurzelscheide gezeigt werden, so dass diese Tumorentität heute als
Pilomatrixom bezeichnet wird [Kizawa, 2005].
Anamnestisch wird häufig über eine
langsam wachsende und symptomarme Raumforderung der Wangen- oder
Periorbitalregion berichtet. Es findet sich meist ein solitärer,
schmerzfreier, subkutan gelegener Knoten, der in der Palpation knochenhart
imponiert. Schmerzen und Funktionsausfälle benachbarter anatomischer
Strukturen sind selten und dann meist Folge einer Drucknekrose oder
sekundären Infektion [Duflo S, 1998]. Das Alter der Patienten wird bei
leichter Dominanz
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Das Pilomatrixom (aber auch andere Tumoren der
Hautanhangsgebilde) stelt sich typischerweise als symptomarme, solitäre,
steinharte Raumforderung der Subkutis im Kopf-Hals-Bereich dar.
Das
Pilomatrixom ist eine typische Läsion des Kindesalters und zählt in
dieser Altersgruppe zu den häufigsten Raumforderungen der Wangen-
beziehungsweise Parotisregion.
Die Therapie
der Wahl ist die vollständige Exzision des Befundes mit obligater
histologischer Aufarbeitung.
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des weiblichen Geschlechts zweigipflig bei zwei
bis fünf Jahren sowie um das 65. Lebensjahr angegeben [Julian, 1998]. In
der Literatur finden sich mehrere Fallberichte bei denen multiple Pilomatrixome
im Zusammenhang mit einer Trisomie 21, dem Gardner Syndrom und der myotonen
Dystonie auftraten und hierbei eine familiäre Häufung nachweisbar
war. Insgesamt sind bislang knapp 80 Fälle einer malignen Transformation
beschrieben, bei denen es letztlich auch zu einer peripheren Metastasierung
kam. Die malignen Fälle betrafen aber vorwiegend ältere Patienten im
fünften Lebensjahrzent.
Obwohl das Pilomatrixom mit 20 Prozent zu den häufigsten soliden Tumoren
der Speicheldrüsenregion im Kindesalter zählt und der steinharte
Befund auf Palpation eigentlich pathognomonisch ist, werden lediglich 50
Prozent dieser Läsionen klinisch korrekt diagnostiziert. Tatsächlich
war die Entität in einer Befragung den meisten ärztliche Kollegen
unbekannt [Bentz, 2000].
Die Verdachtsdiagnose kann in der Regel allein durch Patientenalter,
Verlaufsdaten und dem klinischen Befund gestellt werden. In der
B-Mode-Sonografie imponiert eine relativ glatt begrenzte subkutan gelegene,
echodichte Raumforderung. Durch die charakteristische Schallauslöschung
kann allerdings eine Beurteilung in der Tiefe erschwert sein, sodass eine
Abgrenzung zum Drüsengewebe eventuell nicht unmittelbar gelingt. Eine
zusätzliche Bildgebung (MRT/CT) ist aber dennoch in der Regel nicht
erforderlich.
Für die zahnärztliche Praxis soll dieser Fall an die zahlreichen
Auffälligkeiten der perioralen Gewebe erinnern, die sämtlich im
diagnostischen Blickfeld des Zahnarztes liegen. Die besondere diagnostische
Bedeutung liegt in der Abgrenzung zu Speicheldrüsentumoren aber auch zu
Fehlbildungen des branchiogenen Apparates.
Dr. Maximilian Moergel
PD Dr. Dr. Martin Kunkel
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Augustusplatz 2, 55131 Mainz
Das histologische Präparat wurde freundlicherweise von Dr. Wiltrud
Coerdt, Institut für Kinderpathologie der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz, zur Verfügung gestellt.
Literaturverzeichnis
zm 96, Nr. 4, 16.02.2006, Seite 50-52
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