Köln und seine
GeschichtenRechts und Links der MessehallenSusanne Priehn-Küpper |
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16. Februar
2007 - Wer nach Köln zur Internationalen Dental Show (IDS) kommt,
hat vorwiegend ein Ziel: sich über Neuheiten
Wie auch jeder Nichtkölner weiß, ist die heutige Stadt durch den großen "Vater Rhein" in zwei Teile geteilt. Der Kölner an sich lebt auf der Seite, die die germanischen Ubier unter dem römischen Feldherr Agrippa bereits 38 v. Chr. für ihre erste Siedlung ausgeguckt hatten (Oppidum Ubiorum). Die Römer fanden diese Lage äußerst praktisch und legten die heutige Altstadt nach ihrem üblichen römischen Konzept an. Reste hiervon sind die allgemeine Stadtarchitektur in Ringform sowie die sternförmigen Ausfallstraßen, die so heißen, wie die Städte im Umland, zu denen sie führen. Recht gut erhaltene Teile von Stadttoren sowie Mauern und Grundmauern von diversen Gebäuden sowie ein Original-Straßenbelag (am Roncalli-Platz) zeugen von der Herrschaft der Römer über der Stadt am Rhein mit Stapelrecht. 1255 festgelegt, schrieb es allen Schiffen vor, ihre Waren komplett auszuladen, drei Tage lang zu stapeln und zum Verkauf anzubieten. Nur die "unverkäuflichen Reste" gingen dann weiter den Rhein Strom abwärts, zum Beispiel nach Düsseldorf. Dieses mittelalterliche Recht erlosch im 19.Jahrhundert. Die Messehallen stehen heute im Gebiet des alten römischen Castells, das zu Römerzeiten durch eine steinerne Brücke mit der Altstadt verbunden war. Diese sogenannte "Schäl Sick" war schon immer unbeliebt. Von den Römern als Hort der Barbaren und von Oberbürgermeister
Die Sache mit der Heiligen Ursula Wer sich mal das Kölner Wappen genauer anschaut, der entdeckt unter dem roten Feld mit den drei Kronen, die auf die Heiligen Drei Könige hinweisen. Deren Gebeine gelangten 1164 nach Köln und sind im Dom in einem goldenen Schrein zu bestaunen. Im unteren weißen Bereich imponieren genau elf Flammen, auch als Hermelinschwänze, Funken oder Blutstropfen interpretierte Symbole, die auf das Martyrium der Heiligen Ursula und ihrer
Ursula, die lang ersehnte Tochter eines bretonischen Königspaares, war klug und hübsch aber auch sehr freiheitsliebend. Sie war dem Sohn des schrecklichen Königs Conan, Aetherius, versprochen, erbat sich aber bis zur Eheschließung noch einige Jahre Auszeit, die sie mit ihren Freundinnen auf Reisen in südliche Länder wie Frankreich und Italien verbrachte. Sogar der Papst Cyriacus war von Ursula und den jungen Frauen so angetan, dass er spontan den Heiligen Stuhl verließ und sich der Gruppe anschloss. Der Vatikan war natürlich erbost und strich ihn daraufhin von der Papstliste, so lautet die Sage. Weitere Erzbischöfe und Kardinäle schlossen sich der durchlauchten Reisegruppe an, die auf dem Heimweg gen Köln den Rhein hinuntersegelte. Auf der Höhe von Mainz kam ihnen Aetherius entgegen, der die Abwesenheit seiner Braut nicht länger duldete. Gemeinsam segelte man also weiter. Kurz vor Köln wurde die Reisegruppe von den Hunnen, die seit Monaten vergeblich versucht hatten, die Stadt zu erobern, niedergemetzelt. Erstaunlicherweise ließen die Hunnen dann von der Stadt ab, was die Bürger dazu veranlasste, eine Basilika zu bauen und diese nach der Ursula zu benennen. Als man im Jahr 1106 bei einem Neubau der Stadtmauer neben der Basilika auf die Gräber stieß, begann das Reliquienfieber. Da in unmittelbarer Nähe weitere Frauenleichname - es war wohl ein römisches Gräberfeld - entdeckt wurden, machte man aus elf kurzerhand 11 000. Ganze Wagenladungen von Gebeinen und daran befestigen Tituli (Namen und Ursprung) wurden in die Stadt geschafft und dort an Gläubige verkauft. Das kurbelte das Reliquengeschäft an und machte nicht nur die Kirchen reich, so erzählt es die Legende. Ohne Tünnes und Schäl läuft nichts Tünnes und Schäl sind zwei kölsche Originale und rein fikitive Figuren, die Christoph Winters, der Gründer des Kölner Hänneschen-Puppen-Theaters, "geboren" hatte. So entstand 1803 zunächst der pfiffige, mit Bauernschläue beseelte, knollennasige Tünnes als Figur in seinem Ensemble. Tünnes ist an sich sehr friedlich und harmoniebedürftig und nichts kann ihn aus der R
Warum Köln so Kölsch ist Kölsch ist alles - vor allem die Sprache der Kölner. Sie steckt voll von Gemööt (Gemüt) und nicht zuletzt heißt es "Hey Kölle, Du bis e Jeföhl". Aber Kölsch ist auch etwas, was der Kölner unbedingt zum Leben braucht. Das süffige obergärige Getränk nämlich, mit hohem Hopfengehalt und wenig gebundener Kohlensäure. Es wurde schon 1414 ausgeschenkt und fließt noch heute nicht nur aus den Fässern der Brauhäuser, sondern auch aus den Pittermännchen. Das sind Zehn- bis 50-Liter-Fässchen, die am Heiligen Pitter (Peter), dem Vatertag, zum Zechen im Grünen auf den Kinder- oder den Bollerwagen geladen wurden. Das Kölsch wird nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut und darf nur in Brauereien Kölns und einigen benachbarten, die sich das Recht erstritten haben, ausgeschenkt werden. Man serviert es in den typischen
Warum der Kellner hier Köbes heißt Wer in Köln Durst hat, geht geschickterweise in eines der vielen Brauhäuser. Kaum betritt der Gast den Raum, bekommt er von einem gehetzen, blaubeschürzten Mann ein triefendes Stangenglas mit Kölsch in die Hand gedrückt. Ist es leer, gibt's ohne Worte ein neues. Wer nicht aufpasst, ist schnell fahruntüchtig, denn Kölsch ist zwar leicht, aber die Menge macht's. Der Kellner, Köbes genannt, gibt erst dann seine Nachlieferungen auf, wenn ein Bierdeckel deutlich auf dem Glas liegt - und nur dann! Seit etwa 200 Jahren werden hier Kellner so bezeichnet, die in Brauhäusern das Bier servieren. Sie erhalten die vollen Gläser vom Zappes, dem Zapfkellner am Fass, und tragen sie in einem großen Aluminiumrondell. Traditionell trägt der Köbes stets eine blaue Schürze aus Leinen mit einer umgeschnallten Geldtasche aus dickem Leder. Die Ursprünge des Namens "Köbes" liegen im Mittelalter, als die Brauknechte, die Braufässer rollten, anschlugen und zapften. Meistens waren sie junge Gelegenheitsarbeiter, gerade auf Pilgerfahrt zum Grab des heiligen Jacobus im spanischen Santiago
Warum das Wasser hier so kölnisch ist Als im Mittelalter die Brühen der Gerber und Färber sowie alle anderen Abwässer und Fäkalien durch Köln liefen, war man dankbar, wenn ein Hochwasser den Unrat aus der Altstadt trieb. Trotzdem war der Gestank fast unerträglich. Zeit für schlaue Köpfe, denen untersagt war, normale Gewerke auszuüben, weil das Zunftwesen nur Katholiken und Kölner zuließ. Sie durften sich also nur mit zunftfreien Artikeln niederlassen, das waren "Französisch Kram" oder Dienstleistungen, wie dem in Italien entwickelten Zahlungs-, sowie Speditions-, Inkasso- und
In dieser Stadt, in der eine große italienische Gemeinde lebte, gründete nun Johann Baptist Farina 1709 in der Großen Budengasse an der Ecke Unter Goldschmied ein Geschäft in "Französisch Kram", nicht zu verwechseln mit "Krämer" oder "Kramer". "Französisch Kram" hieß Luxus. Zunftfreie Artikel umfassten Seiden, edle Spitzen, elegante Peitschen, parfümierte Handschuhe, vor allem aber kostbare Spezereien und Duftwässer, die da hießen Aqua mirabilis, Eau de la reine de Hongrie (ungarisch Wasser), Engelswasser, Eau imperiale und mehr. Der Italiener Farina nannte nun sein neues Duftwasser, was von den vornehmen Damen wegen des zu übertünchenden Gestanks der Stadt heiß beliebt war, im Angedenken an seine neue Heimat Eau de Cologne. Aber auch andere Parfümeure mischten und mixten wohlriechende Düfte, die reißenden Absatz fanden. Als die Franzosen zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Altstadt Hausnummern einführten, er- hielten insgesamt 7 404 Häuser eine fortlaufende Nummerierung. Im Hause 4711 war Wilhelm Mühlens ansässig und produzierte sein begehrtes Duftwasser. Die Zahl wurde zum Markenzeichen. Seither trägt das beliebte Mitbringsel aus Köln diesen Namen. Das historische Gebäude der Glockengasse 4711 mit dem aktuellen Parfumsortiment findet sich heute unweit des Opernhauses, das durch sein imposantes, allstündliches Glockenspiel weit zu hören und damit auch schnell zu finden ist. Kölsche Kneipe mit historischem Flair Wer eine Kölsche Kneipe sucht, braucht seine müden Messebeine nicht mehr sehr zu beanspruchen. In der Siegesstraße 18, genau gegenüber der neuen Jugendherberge in Köln Deutz, gibt es ein Lokal, das es eigentlich gar nicht mehr gibt. De Lommerzheim (jedem Ur-Kölner unter Lommi bekannt) ist eine Gaststädte, die jahrzehntelange Kölner Gemütlichkeit und Kneipenflair pur ausstrahlt. Der alte Wirt Lommerzheim zapfte hier selbst, bis er sich erst vor wenigen Jahren mit weit in den 70ern entschloss, in Ruhestand zu gehen. Davon hatte er allerdings nicht viel, denn bereits wenige Monate nach dem Verkauf
Die Öffnungszeiten: Täglich 10.30 bis zirka 14.00 Uhr und 16.30 bis zirka 1.00 Uhr Dienstag ist Ruhetag Messehallen mit NS-Vergangenheit Wer in der Mittagspause von den Messehallen aus Richtung Rhein schlendert, der kommt zwangsläufig an einem Mahnmal in einer Grünanlage am Messeturm vorbei. Es erinnert an die
Frischluft mit Weitblick Wer es in den Hallen so gar nicht mehr aushält, der fragt sich Richtung Hyatt-Hotel durch (Fußweg knapp zehn Minuten) und besteigt im Gebäude nebendran den Triangel. Das ist das höchste Hochhaus im rechtsrheinischen Köln. Das KölnTriangel ist der Sitz der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und misst genau 103,20 Meter mit 29 Etagen. Gebaut wurde
Hoch am Seil über den Rhein Wer noch mehr Vogelperspektive liebt, gönnt sich in der Mittagspause eine kleine Tour mit der Seilbahn über den Rhein. Der Messebesucher steigt am besten gleich im Rheinpark ein (Fußweg zirka 15 Minuten) oder springt in ein Taxi. Die Fahrt geht auf die andere Flussseite zum Kölner Zoo. Telefon: 0221-5474184 bei Köln Tourismus Ein paar Happen Kunst und Kultur Wer die Messetage nicht "ohne" auskommen kann, dem wird Köln mit seinem Ruf als Kultur- und Entertainment-Metropole absolut gerecht: Zeitgleich zur IDS bietet die Domstadt gleich mehrere Europapremieren an. So können Musikliebhaber die besten Musiker Russlands erleben. Außerdem hat Köln eine hohe Anzahl renommierter Museen mit Weltrang. Viele Theater und andere Kulturbetriebe haben eine Reihe Angebote, die am Abend den "messevollen" Kopf durchlüften und auf andere Gedanken bringen.
Museen Ob Malerei, Photographie oder Archäologie: Kölns vielfältige Museenlandschaft bietet eine hohe Qualität der Ausstellungen. Während das Museum Ludwig wegen seiner Picasso- und Pop-Art-Sammlungen geschätzt wird, zeigt das Wallraff-Richartz-Museum eine bemerkenswerte Kollektion mit Werken von Dürer, Rubens, Gaugin und anderen Meistern der Malerei. Das Museum für Ostasiatische Kunst stellt europaweit als erstes die "Schätze der Liao" aus. Die Kunstobjekte der chinesischen Nomadendynastie sind erst in den vergangenen 20 Jahren bei Ausgrabungen entdeckt worden und zeugen vom Reichtum und dem hohen kulturellen Niveau dieses Volkes. Eine weitere Europapremiere ist die Henry Wessel-Ausstellung der Fotografischen Sammlung/SK Stiftung Kultur. Die beeindruckenden Photographien des New Topographics-Künstlers Wessel zeigen Landschaften und Stadtszenen Kaliforniens. Klassik von Weltrang Zu ihrem 20-jährigen Jubiläum in diesem Jahr bietet die Kölner Philharmonie Klassikfans ein außergewöhnliches Programm. Am 21. März gastiert im Rahmen der Reihe "Metropolen der Klassik" zum Beispiel das Staatliche Sinfonieorchester Moskau in der Domstadt und präsentiert Werke von Mussorgsky, Rachmaninow und Tschaikowsky. Nur drei Tage später, am 24. März, tritt das Russische Nationalorchester in der Philharmonie auf. Die Grammygewinner von 2004 spielen verschiedene Stücke von Franz Liszt. Außerdem läuft am 22. März Puccinis "La Bohème" in der Kölner Oper. Bollywood und Trommler aus Japan Ganz andere musikalische Highlights sind in der Koelnarena und im Musical Dome zu hören. Hier erklingen während der IDS 2007 Töne aus dem fernen Asien. Am 21. März ist "Bollywood - The Show", eine farbenprächtige Zusammenfassung indischer Filmgeschichte, in der Arena zu Gast. Der Musical Dome erzittert am 19. März: "Tao - Die Kunst des Trommelns" kommt nach Köln. Die japanischen Musiker haben mit ihren bis zu 1,70 m großen Trommeln bereits in Hamburg und Berlin für ausverkaufte Konzerte gesorgt. Impro-Dinner-Party-Theater in Bonn Auch vor den Toren Kölns werden Kulturfreunde fündig. Im Bonner Hotel Bristol findet am 23. und 24. März zum Beispiel ein so genanntes "Impro-Dinner-Party-Theater" statt. Im Stück "Hochzeit auf Rheinisch" wird das Publikum selbst aktiv und nimmt am Hochzeitsmahl der Hauptdarsteller teil.
zm 97, Nr. 4, 16.02.2007, Seite 132-138 |
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