16. Februar 2008 - Ein altbekanntes
Problem und aktueller denn je: Parodontale Erkrankungen sind seit vielen Jahren
neben der Karies der wichtigste Grund für Zahnverluste und totale
Zahnlosigkeit in der Bevölkerung.
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| Fortgeschrittene parodontale
Läsionen im Wechselgebiss eines elfjährigen Patienten mit
hereditärer Neutropenie |
Während die mittlerweile allgemein bekannte und etablierte
Fluoridprävention für den Bereich der Karies eine klinisch sehr
bedeutsame und flächendeckend wirkende Reduktion der Befallszahlen
zumindest in jüngeren Altersklassen bewirkte, sind ähnliche
Erfolgsmeldungen für den Bereich der Parodontalerkrankungen in Deutschland
bislang nicht zu verzeichnen gewesen. Ganz im Gegenteil, die Zahlen der
aktuellen vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie DMS IV belegen ein weiteres
Ansteigen der Parodontitisprävalenz in vielen Altersgruppen. Dies hat
vielfältige medizinische, ökonomische und gesundheitspolitische
Gründe. Im Bewusstsein etlicher Entscheidungsträger im
Gesundheitswesen werden parodontale Erkrankungen immer noch als
Gesundheitsstörungen angesehen, die letztlich nur durch selbstverschuldete
und damit prinzipiell völlig vermeidbare Defizite in der persönlichen
Körperhygiene entstehen. Eine intensivere Beschäftigung mit der
aktuell verfügbaren Literatur wird jedoch jedem Interessierten sehr
schnell bewusst machen, dass ein solch simplifizierendes Konzept zur
Ätiologie parodontaler Erkrankungen seit geraumer Zeit nicht mehr haltbar
ist. Parodontale Erkrankungen sind vielmehr auf eine vielfältige und
teilweise
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| Prof. Dr. Ulrich
Schlagenhauf |
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äußert komplexe Weise mit anderen
chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Körpers verbunden. Dies
bedeutet, dass eine ursachengerichtete Prävention ihrer Entstehung
mitnichten allein durch den mangelnden Willen der Betroffenen zur Verbesserung
ihrer Zahnpflege verhindert wird, sondern nur durch eine konzertierte Aktion
von Patienten, Zahnmedizin und verschiedenen Fachdisziplinen der
Allgemeinmedizin zu erreichen ist. Die Voraussetzungen hierfür sind jedoch
denkbar schlecht. Dies beginnt bereits damit, dass im aktuellen
zahnärztlichen Grundstudium parodontologische Lehrinhalte einen nur
geringen Anteil am Gesamtcurriculum einnehmen, der der großen
epidemiologischen und wirtschaftlichen Bedeutung parodontaler
Gesundheitsprobleme nicht gerecht wird. Darüber hinaus ist in den letzten
Jahren entgegen allen durch Forschungsergebnisse klar erkennbaren
Notwendigkeiten die Kommunikation zwischen Medizin und Zahnmedizin sichtbar
schlechter geworden. So stellen beispielsweise seit der Neuordnung des
ärztlichen Studiums im Jahre 2002 die Erkrankungen der Mundhöhle kein
Pflichtgebiet des ärztlichen Grundstudiums mehr dar. Im Bereich der
Gesundheitsökonomie ergibt sich zudem das Problem, dass parodontale
Erkrankungen zu den häufigsten Gesundheitsstörungen in der
Bevölkerung überhaupt gehören und ihre flächendeckende
Kontrolle nach verfügbarem Stand der Wissenschaft eine arbeitsintensive
lebenslange professionelle Betreuung erfordert, die im Rahmen der aktuell
vorhandenen Ressourcen der Kostenträger nicht solidarisch finanziert
werden könnte. Gemessen am Bedarf ist daher das momentan im Bereich der
GKV zur Verfügung stehenden Budget zur Behandlung parodontaler
Erkrankungen viel zu knapp bemessen. Eine signifikante Verbesserung der
parodontalen Gesundheit der Bevölkerung erfordert deshalb eine
zukünftige Intensivierung der parodontologischen Lehre im
zahnärztlichen Grundstudium. Diese muss jedoch zwingend durch innovative
Angebote im Bereich der parodontologischen Aus- und Weiterbildung bereits
approbierter Zahnärzte ergänzt werden, die (siehe auch unter
www.zm-online.de) zur Steigerung der Lerneffektivität auf die speziellen
Bedürfnisse der Praxis Rücksicht nehmen sollten. Ebenso muss durch
Kooperationsprojekte im Bereich der Universitäten wie auch auf der Ebene
Hauszahnarzt-Hausarzt die Sprachlosigkeit zwischen Medizin und Zahnmedizin
bezüglich parodontaler Erkrankungen rasch überwunden werden.
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| 51-jähriger
starker Raucher (eine Schachtel pro Tag) mit unbehandelter fortgeschrittener
chronischer Parodontitis |
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24-jährige
Patientin mit aggressiv progredienter Parodontitis trotz exzellenter
Mundhygiene |
Nicht zuletzt erfordert aber eine erfolgreiche Parodontalprävention ein
ökonomisches Umdenken. Bei den Patienten den in vielen anderen Gebieten
bereits eingeläuteten Abschied vom "all-inclusive" Gedanken
einer solidarisch finanzierten Kassenversorgung hin zur privat bezahlten
Prophylaxe und bei den Zahnärzten eine effiziente Umgestaltung der bisher
eher restaurativ ausgerichteten Praxisstrukturen hin zur Präventionspraxis
mit breiter Delegation prophylaktisch wirksamer Therapie an
Assistenzkräfte.
Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf
Pleicherwall 2
97070 Würzburg
Für den
diesjährigen zm-Herbstfortbildungsteil können Sie Fortbildungspunkte
sammeln.
Die Fragen finden Sie unter
@-Fortbildung
Verantwortlich für den Fortbildungsteil:
Prof. Dr. Elmar Hellwig
Prof. Dr. Detlef Heidemann
Susanne Priehn-Küpper
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zm 98, Nr. 4, 16.02.2008, Seite 42- 43
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