1. März 2006 -
Anfang Februar lenkte Transparency International (TI) mit einer Pressekonferenz
über das neue Jahrbuch in London die Aufmerksamkeit auf ein
öffentlichkeitswirksames Thema: Korruption im Gesundheitswesen.
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Philippe Noiret und Thierry
Lhermitte gingen als "Die Bestechlichen" im gleichnamigen Film auf
jeden Handel, auf jede Wette ein, setzten auf "Korrumpel", und doch
wirken sie sympathisch. Doch Korruption ist längst kein Kavaliersdelikt
mehr. |
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"Im Gesundheitswesen entscheidet Korruption über Leben und Tod."
TI legte mit dieser dramatischen Formulierung zu Beginn des Jahres
publikumswirksam wiederholt den Finger auf eine Wunde, die bereits 2000 im
letzten Jahrbuch offengelegt wurde: die Anfälligkeit dieses
öffentlichen Sektors für Korruption aufgrund seiner Komplexität.
Aber im Gesundheitsmarkt seien Millionen von Menschen beschäftigt und noch
viel mehr Menschen als Patienten betroffen; alle haben ein Recht auf
"saubere Verhältnisse" lautet eine bekannte Forderung von
TI. Dazu bedürfe es dringend
stärkerer Transparenz.
Seit 13 Jahren bemüht sich die - wie sie sich selbst beschreibt -
"einzige internationale Nichtregierungsorganisation, die sich
ausschließlich dem Kampf gegen Korruption und für Transparenz in
Politik und Wirtschaft verschrieben hat", diese komplexen Systeme
durchschaubar zu machen, um vorrangig die Beitragszahler vor korruptiven
Machenschaften marktstarker Anbieter besser zu schützen. Laut "Global
Corruption Report 2006" leidet die medizinische Versorgung der Menschen
weltweit - in führenden Industrienationen ebenso wie in
Entwicklungsländern - unter Missbrauch, weil Beamte oder Ärzte sich
kostenfreie Leistungen bezahlen lassen, gefälschte Medikamente das Leben
kosten, todbringende Keime durch Lücken im Impfschutz neue Resistenzen
entwickeln. "Die Auswirkungen der Korruption treffen
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Aktueller
Jahrband
Ab Mai wird das Jahrbuch "Korruption 2006.
Schwerpunkt: Korruption im Gesundheitssektor" von Tansparency
International erhältlich sein. Parthas Verlag, 29,80 Euro, ISBN
978-3-86601-866-2. |
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immer den Endverbraucher - den kranken Menschen,
der gezwungen wird, mehr zu zahlen als nötig wäre, oder der
unsichere, gefälschte Medizin erhält," fokussierte TI den
Schaden auf die Patienten, überwiegend in gesetzlichen
Versicherungssystemen. Doch, ergänzt die Organisation, geschädigt
werde auch die Vielzahl derer, die in diesem Sektor redlich und
verantwortungsbewusst agiere. Nur mehr Transparenz der Abläufe, der
Strukturen und der Kosten könne den Missbrauch eindämmen; ein klares
Votum etwa für die Rechnungsstellung direkt an den Patienten gab TI
bereits im letzten Jahrbuch ab. Zugleich werden Patienten unter den schwarzen
Schafen keineswegs ausgeklammert: Gestohlene, gefälschte, verhökerte
Rezepte oder Versichertennachweise seien ebenso zu finden wie das Erschleichen
von Lohnfortzahlung oder Heilbehandlungen.
Die Antikorruptions-Organisation geht von einem Schaden von jährlich 20
Milliarden Euro aus; eine nach Ansicht einer Hamburger Beraterfirma allerdings
überhöhte Schätzung, weil sie Daten aus den USA und
Großbritannien auf Deutschland übertrage.
Immer mehr Fälle von Korruption werden jedenfalls hierzulande aufgedeckt,
weil sich in Deutschland die Sensitivität für Missbrauch im
Medizinsektor erhöht hat. Auch bei den Fahndern: In Hessen ermittelt die
"Arbeitsgruppe Ärzte" von der Frankfurter
Generalstaatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt
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Der Preis für Korruption
im Gesundheitsbereich bemisst sich in Menschenleben. |
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TI-Chefin Huguette
Labelle |
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seit fünf Jahren gegen anfällige
Mediziner. In Hamburg jagt Frank Keller, Chefermittler der Techniker
Krankenkasse, eine neue, offenbar "vernetzte Kriminalität", die
bundesweit Milliardengelder bewege. Ärzte und Apotheker würden
mitunter zwar unwissentlich zu Komplizen der Korrumpteure, weil sie in Treu und
Glauben davon ausgehen, dass dem Patienten die Karte tatsächlich
gehört. Die Hamburger Apotheker, Ärzte, Kassenärztliche
Vereinigung und Kassen wehrten sich mit einer gemeinsamen Task Force gegen den
Betrug. Laut Keller ein Pionierprojekt, das schnellen Info-Austausch
ermögliche, auch mit den staatlichen Ermittlern.
pit/pm/dpa
zm 96, Nr. 5, 01.03.2006, Seite 30
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