Der besondere
FallBeidseitige submandibuläre SchwellungRoland Böckmann |
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März 2006 - Ein 63-jähriger Patient wurde unserer Klinik von
einem niedergelassenen HNO-Arzt aufgrund einer beidseitigen
Klinische Symptome Bei der klinischen Untersuchung fanden sich beidseitige, taubeneigroße, verschiebliche, nicht druckdolente Raumforderungen unterhalb des Unterkieferrandes (Abb.1). Mit der Verdachtsdiagnose einer Sialadenose wurde eine Halssonographie durchgeführt. Innerhalb beider Speicheldrüsen konnten echoarme Knoten dargestellt werden, linksseitig mit vereinzelt echoreichen Strukturen, rechtsseitig mit homogenem Binnenecho (Abb. 2). Diese Strukturen waren nicht eindeutig als Adenome zu differenzieren. Differenzialdiagnostisch konnten Metastasen nicht sicher ausgeschlossen werden.
Weitere Diagnostik Auf der anschließend durchgeführten Computertomographie sah man auf beiden Seiten prominente Glandulae submandibulares (Abb. 3). Zur histologischen Sicherung erfolgte nun in allgemeiner
Eine Ganzkörpercomputertomographie, eine Skelettszintigraphie und native Röntgenaufnahmen zeigten einen weiteren Tumorprogress mit Knochenmetastasen im Bereich des Gehirnschädels, des Unterkiefers, der Wirbelsäule und des Oberschenkels. Der Patient hat bei disseminierter Metastasierung eine infauste Prognose. Er wurde deshalb zunächst mit einer palliativ intendierten Chemotherapie mit Folinsäure, 5-Fu und Cisplatin (FLP-Schema) innerhalb des nächsten Jahres mit insgesamt sechs Zyklen behandelt. Darunter kam es zu weiteren Metastasierungen, insbesondere in die Wirbelsäule und das Becken. Der weitere Verlauf: Daraufhin erfolgte ein Wechsel auf das Folfiri-Protokoll mit weiterem Progress der Metastasierung. Auch unter vier Zyklen Docetaxel-Monochemotherapie verlief die Krankheit progredient (hepatische Filialisierung). Nun wurde ein Folfox-Protokoll (drei Zyklen mit 50 Prozent Dosisreduktion bei Neutropenie) von 05/05 bis 08/05 eingeleitet. Der Patient verstarb drei Jahre nach Stellung der Erstdiagnose an den Folgen der Erkrankung. Diskussion Speicheldrüsentumore sind in den meisten Fällen gutartig. Mit einer Inzidenz von zwei bis drei pro 100 000 Einwohner pro Jahr sind weniger als 0,5 Prozent aller bösartigen Tumore Speicheldrüsentumore. Sie stellen ungefähr drei Prozent aller bösartigen Tumoren der Kopf-Hals-Region dar, mit einem Altersgipfel zwischen dem sechsten und siebenten Lebensjahrzehnt. Die Pathogenese ist bis heute unklar, ionisierende Strahlung stellt eine mögliche Ursache dar.
Metastatische Veränderungen in Speicheldrüsen sind beschrieben worden, machen allerdings nur acht Prozent aller malignen Speicheldrüsentumore aus und stammen hier in den meisten Fällen (80 Prozent) von Tumoren der Kopf- / Halsregion. Eine Metastase eines Adenokarzinoms des Magens in der Glandula submandibularis ist selten, und noch seltener finden sich zeitgleiche (synchrone) Metastasen auf beiden Seiten. Dr. Dr. Roland Böckmann Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Ruhr-Universität Bochum am Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer (Direktor Prof. Dr. Dr. K.-D. Wolff) In der Schornau 23-25 44892 Bochum Telefon: +49 (234) 2993501, Fax: +49 (234) 2993509 E-mail: roland.boeckmann@ruhr-uni-bochum.de Literaturverzeichnis zm 96, Nr. 5, 01.03.2006, Seite 42-43 |
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