16. März 2005 - Ein
elfjähriger beschwerdefreier Patient wurde vorgestellt, nachdem im Rahmen
der Röntgendiagnostik
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Auch für
den "Aktuellen klinischen Fall" können Sie Fortbildungspunkte
sammeln. Mehr am Ende des Artikels. |
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dem behandelnden Kieferorthopäden im FRS eine
kreisrunde, mit einem Randsaum versehene Raumforderung cranial der Maxilla
aufgefallen war (Abb. 1). Anamnese und klinische Untersuchung erbrachten keinen
auffälligen Befund. Insbesondere war der Mutter keine Häufung von
Rhinitiden oder Sekretbildungen aus der Nase aufgefallen. Im vorliegenden OPG
(Abb. 2) fand sich ein kariesfreies
Wechselgebiss, ein eindeutiges Korrelat der im FRS aufgefallenen
Veränderung fand sich nicht. Lediglich die caudale Nasenmuschel erschien
rechtsseitig etwas betont, hier handelte es sich eventuell um einen
Summationseffekt durch die Überlagerung mit dem außerhalb der
Bildebene gelegenen Befund. Die Oberkiefer Aufbissaufnahme (Abb. 3)
lokalisierte die Veränderung in Projektion auf den Hartgaumen im Bereich
der Nasenhaupthöhle. Eine Beziehung zu den Zahnwurzeln des ersten
Quadranten lag nicht vor. Da die
Compliance des Patienten eine Exploration der Nase nicht erlaubte, wurde die
Nase in einer kurzen Narkose inspiziert. Hierbei fand sich im unteren rechten
Nasengang ein grau-braun imponierender Fremdkörper (Abb. 4). Das Objekt
wurde mit einer Häkchensonde entnommen. Mit leichtem Druck ließ sich
die harte Kalkschale des Fremdkörpers aufsprengen. Letztlich ergab sich
als primärer Fremdkörper eine etwa acht Millimeter durchmessende
lackierte Holzperle.
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Abb. 1: Im
Fernröntgenseitbild (FRS) zeigt sich eine kreisrunde Raumforderung mit
einem röntgendichten Randsaum in Projektion auf den Nasenboden.
Differentialdiagnostisch muss hier neben dem Fremdkörper vor allem an ein
Osteom gedacht werden. |
| Abb. 2: Im
Orthopantomogramm lässt sich der Befund nicht eindeutig zuordnen. Die
vermehrte Röntgendichte der rechten unteren Nasenmuschel entspricht der
Überlagerung mit dem außerhalb der Bildebene gelegenen
Fremdkörper. |
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Abb. 3: Die
Oberkiefer-Aufbissaufnahme zeigt die Raumforderung ohne Kontakt zu den
Zahnwurzeln im ersten Quadranten und in Projektion auf Hartgaumen und
Nasenhaupthöhle. In dieser Aufnahme wird der Dichteunterschied der exakt
kreisrunden Kugel und der umgebenden Kalkschale besonders deutlich. Der
umgebende Knochen erscheint unauffällig. |
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Abb. 4:
Intraoperativ stellt sich nach dem Einsetzen eines Nasenspekulums ein
grau-brauner, schleimbedeckter Fremdkörper dar. |
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Abb. 5: Das
geborgene OP-Präparat: eine komplett inkrustierte Spielzeugperle
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Diskussion
Obwohl eingebrachte Fremdkörper in Ohren, Nase und oberem
Respirationstrakt ein häufiges Phänomen sind, stellt diese
Patientengruppe eine Seltenheit in der zahnärztlichen Praxis dar. Die
Patienten sind meistens zwischen zwei bis acht Jahre alt [Baker, 1987] und
werden bei entsprechender Symptomatik wie einseitigem (putridem) Nasenausfluss,
Schmerzen, Blutung oder Foetor in einer Notfallambulanz oder direkt beim
Hals-Nasen-Ohren-Arzt vorstellig. Der hier gezeigte Kasus zeigt jedoch, dass
bei geringem oder fehlendem Entzündungsreiz ein Fremdkörper über
lange Zeit unentdeckt persistieren kann, um letztlich als Zufallsbefund
entdeckt zu werden. Nach eingehender erneuter Befragung der Mutter gehen wir im
vorliegenden Fall von einer "Liegezeit" des Fremdkörpers von
etwa fünf Jahren aus. In dieser Zeit ist es zu einer vollständigen
Mineralisierung des umgebenden Sekretmantels gekommen.
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Fremdkörperinkorporationen sind im Kindesalter häufig und können
als Zufallsbefund auch in der zahnärztlichen Praxis von Relevanz sein.
Bei Kindern
sollten insbesondere einseitiger (putrider) Nasenausfluss, Nasenbluten und
Schmerzen an einen Fremdkörper denken lassen.
Auch bei der
Diagnostik hinsichtlich eines persistierenden Foetor ex ore sollte an einen
Fremdkörper im Nasen-Rachen-Raum gedacht werden, insbesondere, wenn eine
enorale Ursache nicht erkennbar ist.
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Die fehlende oder unspezifische Symptomatik macht
diese Fremdkörper zu einer diagnostischen Herausforderung, wobei
mineralisierte Strukturen insbesondere gegen ektope odontogene Tumoren oder
auch Osteome der Gesichtsschädelregion abgegrenzt werden müssen. Die
Vielfalt der inkorporierten Fremdkörper (Cerealien, Spielzeugteile,
Insekten, Batterien und andere) und damit deren Eigenschaften in der Bildgebung
ist praktisch unbegrenzt. Daher lässt sich auch durch den Einsatz radiologischer Methoden nicht immer eine eindeutige
Zuordnung erreichen. Die größte Gefahr unter der Therapie besteht in
einer Luxation des Fremdkörpers in die Tiefe mit der Möglichkeit der
konsekutiven Aspiration. [Werman, 1987]. Dieser Aspekt macht, gerade bei
Kleinkindern, die sich heftig wehren, oder bei schlechter Erreichbarkeit
häufiger eine Kurznarkose notwendig. Gelingt die Bergung beispielsweise
mit einem Absaugkatheter nicht spontan, empfiehlt sich die direkte Vorstellung
in einer Fachabteilung für MKG Chirurgie oder HNO-Heilkunde. Postoperativ
sollte die entsprechende Region auf verbliebene Reste untersucht werden [Davies
et al., 2000].
Für die zahnärztliche Praxis soll dieser Fall darauf hinweisen, dass
Fremdkörper an den unterschiedlichsten Stelle der Kiefer-Gesichtsregion
vorkommen können und gerade bei sehr ungewöhnlichen
Befundkonstellationen oder ungewöhnlich geometrischen Röntgenbefunden
in Erwägung gezogen werden sollten.
Dr. Maximilian Mörgel
Privatdozent Dr. Dr. Martin Kunkel
Poliklinik für Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie der Universität Mainz
Augustusplatz 2
55131 Mainz
Literaturhinweis
Interaktive
zm-Zeitschriftenfortbildung:
So wird es gemacht!
Zum Fragebogen
zm 95, Nr. 6, 16.3.2005, Seite 48-49
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