Ossäre Dysplasie am UnterkieferRainer S. R. Buch, Oliver Driemel, Torsten E. Reichert |
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16.
März 2006 - Eine 39-jährige Patientin stellte sich im Rahmen
einer Kontrolluntersuchung in unserer Ambulanz vor, nachdem bei ihr vor sechs
Jahren ein intraossäres Osteom im Bereich des Unterkiefers auf der linken
Seite entfernt worden war.
Bei der klinischen Untersuchung ließ sich enoral keine pathologische Veränderung diagnostizieren. Schmerzen lagen nicht vor. Parästhesien im Ausbreitungsgebiet des N. alveolaris inferior bestanden nicht. Im angefertigten Orthopantomogramm zeigte sich eine etwa zwei Zentimeter große, scharf begrenzte, zementartige Verschattung mit transluzenten Arealen in der Region des linken Kieferwinkels, die sich unmittelbar auf das Dach des Kanalis mandibulae projizierte (Abbildung 1). Anamnestisch war bereits vor sechs Jahren ein knöcherner Befund in derselben Region entfernt worden, dessen feingewebliche Untersuchung damals ein enossales spongiöses Osteom (Osteoma spongiosum) beschrieb.
Diskussion Die über Jahre bestehende Anamnese der Patientin und die geringe bis fehlende klinische Symptomatik ist für einen langsam wachsenden und damit eher benignen Tumor typisch. Die fokale zemento-ossäre Dysplasie (Synonyme: periapikale Zementdysplasie, periapikales Osteofibrom, periapikale fibröse Dysplasie, periapikales Fibro-Osteom, periapikales Fibro-Osteo-Zementom, Zementom, Fibrozementom, sklerosierendes Zementom) [Reichart, 2004] stellt eine nicht neoplastische knochenassoziierte Läsion
Die OD ist, wie im vorliegenden Fall, üblicherweise asymptomatisch. Sie wird in den meisten Fällen als Zufallsdiagnose im Orthopantomogramm gestellt und kommt, wie im vorliegenden Fall, vor allem bei Frauen im mittleren Alter in der Seitenzahnregion vor [Summerlin, 1994; Reichart, 2004]. Radiologisch zeigt sich im Anfangsstadium zunächst eine periapikale Radioluzenz, die als apikaler Prozess fehlgedeutet werden kann. Bei der OD reagieren die Zähne jedoch vital [Reichart, 2004], Wurzelresorptionen werden nicht beobachtet. Später treten radioopake Foci und transluzente Areale auf. Im Endstadium kommt es zum charakteristischen Bild gut definierter Radioopazitäten, die von einem radioluzenten Randsaum umgeben und selten größer als zwei Zentimeter sind [Reichart, 2004; Jundt, 1997]. Ein multifokales Auftreten wurde wiederholt beschrieben. Im vorliegenden Fall ist, bei wurzelbehandeltem Zahn 36, ein apikales Granulom nicht von einer weiteren Lokalisation der OD zu unterscheiden und eine Verlaufskontrolle erforderlich (Abbildung 2). Ihre Ähnlichkeit mit zentralen zementierenden und/oder ossifizierenden Fibromen, die zu den neoplastischen Läsionen des Knochens gezählt werden und einer chirurgischen Therapie bedürfen, ist ebenfalls in die differentialdiagnostische Betrachtung mit einzubeziehen [Summerlin, 1994]. Im Gegensatz zu diesen ist die OD, wie oben beschrieben, jedoch fest mit dem umgebenden Knochen verbunden und deshalb schwer zu entfernen [Jundt, 1997]. Die OD erfordert, neben regelmäßigen Kontrollen mit Vitalitätsproben involvierter Zähne, im Allgemeinen keine Behandlung. Eine Biopsie zur histologischen Diagnosesicherung wird jedoch, falls Zweifel an der Verdachtsdiagnose bestehen, empfohlen [Galgano, 2003]. Bei Beschwerden, zum Beispiel einer Schwellung der betroffenen Kieferregion, ist die operative Entfernung der Ossären Dysplasie angezeigt. Dr. Dr. Rainer S. R. Buch Dr. Dr. Oliver Driemel Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Franz-Josef-Strauss-Alle 11 93053 Regensburg Rainer.buch@klinik.uni-regensburg.de Literaturverzeichnis
zm 96, Nr. 6, 16.03.2006, Seite 56-57 |
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