Unterwegs in der
MessestadtKölsche Kamellen |
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16. März
2009 - Panorama in der Pause, Musik nach der Messe oder eine Stadttour
am Sonntag - Wer neben dem vollen IDS-Programm etwas Abwechslung oder eine
Auszeit braucht, findet in Deutz und im Herzen der Domstadt das ein oder andere
Bonbon, kölsch: Kamelle.
Rund 24 Tonnen wiegt der "Dicke Pitter", 700 Kilogramm allein sein Klöppel. Mehrere Wochen soll allein der Transport der größten frei schwingenden Glocke der Welt in den Glockenstuhl des Kölner Doms in 53 Meter Höhe gedauert haben. Wer die St. Petersglocke sehen will, hat 268 Stufen im Südturm zu bewältigen. Seit 1924 läutet sie dort zu besonderen Anlässen. Über sechs Millionen Menschen besuchen laut Köln Tourismus jährlich die gotische Kathedrale. Die UNESCO-Welterbe-Stätte birgt den Schrein der Heiligen Drei Könige, was sie zur Pilgerstätte macht. Ein Fenster hat der Kölner Künstler Gerhard Richter mit bunten Quadraten gestaltet, in denen sich das Sonnenlicht bricht. Dom und Düfte Wer die Fassade des Wahrzeichens genau betrachtet, stößt auf ein kleines dunkelblaues Detail: Seit 1794 hat das Wahrzeichen eine Hausnummer. Als die Franzosen Köln 1794 einnahmen, nummerierten sie alle Gebäude. "Domkloster 4" steht heute auf dem Emailleschild. Eine bekannte Hausnummer ist auch die 4711 in der Glockengasse. Nach ihr ist die
Luxus ist neben Kultur ein elementarer Faktor, weshalb die US-Tageszeitung New York Times die rheinische Millionenstadt auf Platz 30 der 44 Top-Reiseziele 2009 wählte. Darunter finden sich auch Ziele wie Galapagos, Bahamas oder Sambia. Von den deutschen Metropolen schaffte es sonst nur Berlin auf die weltweite Liste. a Als Perlen bezeichnet die Stadt Köln ihre zwölf großen romanischen Kirchen. Sie entstanden zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert. Sankt Pantaleon ist die Älteste, Sankt Kunibert die Jüngste. Sankt Gereon gilt als einer der bedeutendsten Sakralbauten des Mittelalters, Sankt Ursula mit ihren Reliquien erzählt von der Legende der Königstochter und Märtyrerin. Kallendresser und Kölsch Mit ihren mittelalterlichen Gassen, romantischen Brunnen und schmalen Giebelhäusern ist die Altstadt ein Touristenmagnet. Am "Alter Markt" begrüßt die Touristen der Kallendresser. Unter einem Dachvorsprung am Haus Nr. 24 sitzt die Figur des "Rinnenscheißers". Das Männlein könnte an die Gewohnheit eines faulen Bewohners erinnern, wird aber auch als Symbol der Meinungsäußerung gegenüber dem Stadtrat angesehen. Vom Rathaus her reißt jede volle Stunde der Platzjabbeck den Mund auf. Das Männergesicht mit Schlapphut und Bart soll um 1445 entstanden sein, damals noch ohne Zunge. Die Fratze steht dafür, dass die Zünfte und Gaffeln Herrschaft erlangten, wie die Stadt Köln berichtet. aNicht weit entfernt, im Brigittengässchen, stehen auch die Bronzefiguren von Tünnes und Schäl. Sie sind bekannte Figuren aus dem 19. Jahrhundert. Sie entwarf Christoph Winters, Gründer des Hänneschen-Puppen-theaters (siehe zm 4/07, S. 132ff).
Auch Kneipen, Cafés und sechs Traditionsbrauhäuser reihen sich in den alten Gassen aneinander. Auf mancher Speisekarte gibt es kölsche Küche: Halven Hahn, Himmel un Ääd oder Kölschen Kaviar. "Zutaten: ein Pfund einfache Blutwurst, zwei bis drei Zwiebeln, Senf, zwei Röggelchen", so das Rezept der rheinischen Kaviarvariante laut "Kleiner Kölscher Kosmos". Blutwurst gehört neben gestampften Kartoffeln und Äpfeln zu Himmel un Ääd. Ein Halver Hahn ist ein Käsebrötchen. Kühles Kölsch servieren die Köbesse (Kellner) in Stangen, dünnen 0,2 Liter Gläsern. Getrunken wird das obergärige Bier auch in den Restaurants und Clubs im Kwartier Latäng, im Belgischen Viertel, in der Südstadt und den Veedeln Nippes und Ehrenfeld. "Kölsch-Kultur" lässt sich auch mithilfe von Stadtführern erleben. Verschiedene Anbieter haben spezielle Brauhausführungen im Programm, ebenso Krimi-, Grusel- und Kostümführungen sowie Touren durch die historische Kanalisation. Bequem lassen sich die Sehenswürdigkeiten per Rikscha entdecken. Rechts vom Rhein "Zu Köllen kam ich spätabends an, da hörte ich rauschen den Rheinfluß", schrieb Heinrich Heine in "Ein Wintermärchen" Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Rhein prägt die Stadt, teilt sie in linksrheinisch und rechtsrheinisch. Auf letzterer Seite, der "Schäl Sick", liegt die Messe. Bereits im Mittelalter begann Kölns Tradition als Handels- und Messestadt. Die Gründung der Messegesellschaft initiierte 1922 der damalige Oberbürgermeister und spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer. Zwei Jahre später fand in Deutz die erste Frühjahrsschau statt. Wer sich in seiner IDS-Mittagspause die Beine vertreten will, hat es nicht weit zum Rheinpark. Im vergangenen Jahr kürte ein Wettbewerb die historische Grünanlage zwischen Hohenzollernbrücke und Mülheimer Hafen zu Europas zweitschönstem Park. Noch heute ist die Anlage am Rheinufer von der Bundesgartenschau 1957 geprägt und umfasst eine Vielzahl von Bäumen und Skulpturen. Vom dort und vom Kennedy-Ufer zwischen Hohenzollern- und Deutzer Brücke blickt der Besucher auf den Dom, die Basilika Sankt Kunibert und die linksrheinische Innenstadt. Auffällig sind die historischen Lastenkränen nachempfundenen Kranhäuser des Städtebauprojekts Rheinauhafen. Essen mit Ausblick erwartet den Messebesucher im nahen Restaurant "Rheinterrassen". Brücken und Bauten Wer über Kölns Brücken und Bauten aus der Höhe blicken will, findet 800 Meter entfernt von den Messehallen das Hochhaus KölnTriangle mit Besucherplattform und verschiedenen Lokalen. Auf den Rhein schaut der Besucher, wenn er mit einem Ausflugsschiff unterwegs ist. Bis Anfang April stehen die Gondeln der historischen Seilbahn über den Rhein still. Sie passieren die Claudius-Therme, wo Heilwasser, Wellness und Sauna locken. Die Fahrt endet linksrheinisch beim Zoo mit seinem rund 20 000 Quadratmeter großen Elefantenpark. Nebenan in Flora und Botanischem Garten sind derzeit im und um das Subtropenhaus rund 250 Arten und Sorten der Winterblume Kamelie zu entdecken. Wer sich vom Messestandort Deutz auf dem direkten Weg zum Dicken Pitter und historischem Martinsviertel macht, überquert den Rhein. Zu Fuß sind es nicht einmal zwei Kilometer. Alternativ fahren S-Bahn und Regionalverkehr zum Hauptbahnhof, Straßenbahnen Richtung Innenstadt. Das Messeticket gilt als Fahrkarte. Kunst und Kultur "Kölle Alaaf"- Die Fünfte Jahreszeit früher und heute zelebriert das Karnevalsmuseum. Mit akustischen und visuellen Medien lernt der Besucher Büttenredner und Jecken, Dreigestirn und Karnevalsmusiker kennen. Typisches Kölsches findet sich im Stadtmuseum. Themen sind Alltagsleben und Gedanken der Kölner vom Mittelalter bis heute, ebenso wie die bewegte politische Stadtgeschichte: Köln war während des Mittelalters die größte Stadt nördlich der Alpen. 1288 löste sich die Stadt in der Schlacht bei Worringen von ihrem Herrscher, dem Kölner Erzbischof. Mehr als hundert Jahre später regierten Zünfte und Kaufmannsgilden. Ihre zunftdemokratische Verfassung sollte rund 400 Jahre bestehen. 1794 zogen französische Revolutionstruppen ein, Köln blieb 20 Jahre Teil Frankreichs. Mit dem Wiener Kongress wurde die Stadt preußisch. 1848 fungierte sie als ein Zentrum der Revolution, wie das Museum mit Zeitdokumenten belegt. Im Jahr 1871 kam das Deutsche Reich, Rheinländer und Preußen versöhnten sich. Auch Eckpunkte des 20. Jahrhunderts zeigt das Stadtmuseum: die 20er-Jahre mit Konrad Adenauer als Oberbürgermeister, die NS-Zeit, der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit. Das Römisch-Germanische Museum umfasst Fundstücke aus früheren Zeitperioden. Zu den archäologischen Stücken zählen römische Gläser und frühmittelalterlicher Schmuck. Mittelalterliche Kunst gibt es zudem im Kirchenbau des Museums Schnütgen. Mond im Museum Mit "Der Mond" startet das Wallraf-Richartz-Museum am Donnerstag, 26. März, eine neue Wechselausstellung. Zu den rund 150 Exponaten aus fünf Jahrhunderten zählen neben Gemälden und zeitgenössischer Kunst auch astronomische Instrumente und Raumfahrtfotografien. Auch Werke von Galileo und dem Impressionisten Manet lassen sich - donnerstags bis 22 Uhr - bewundern. Die Sammlung des Museums umfasst Malerei, Skulptur und Graphik vom Mittelalter bis zum Impressionismus. Die Kunst des Klöppelns zeigt das Museum für Angewandte Kunst in der Ausstellung "Netzwerke - Kunst auf der Spitze". Die 35 Objekte in zeitgenössischer Spitze stammen von Künstlern aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden. Kunst aus China, Korea und Japan beherbergt das Museum für Ostasiatische Kunst. Das Völkerkundemuseum Rautenstrauch-Joest dagegen ist derzeit wegen Umzug geschlossen. Naschkatzen verschlägt es an die Spitze der Rheinauhalbinsel: Dort erzählt das Schokoladenmuseum den Weg von Kakao und Schokolade von Altamerika über die höfischen Porzellantassen im 17. Jahrhundert bis in die heutigen Supermärkte. Eine Zeitreise durch 2 500 Jahre Sport bietet das Deutsche Sport- und Olympia-Museum nebenan. Musik und Mundart Köln ist bekannt für sein breit gefächertes Musik- und Theaterangebot. Musikalisches gibt es etwa in der Philharmonie. Reinschnuppern ist am Donnerstag, den 26. März, um 12.30 Uhr bei einem Probenbesuch des Gürzenich Orchesters möglich. "Always Look on the Bright Side of Life" heißt es seit Januar im Musical Dome. Das deutschsprachige Musical "Spamalot" basiert auf dem Filmklassiker "Die Ritter der Kokosnuss" der britischen Komikertruppe "Monty Python". Musik und Sketche präsentieren Künstler vom Broadway an mehren Wochentagen. Zudem existiert eine Vielzahl von Theatern und Kabaretts. Am Dienstag, 24. März, inszeniert beispielsweise das Horizont Theater um 20 Uhr Jean Paul Sartres "Geschlossene Gesellschaft"; im Senftöpfchen stellt Konrad Beikircher um 20.15 Uhr seine Lieblingslieder vor. Zu einem Mundart-Musical lädt das Scala Theater am Freitag, den 27. März, um 19.30 Uhr ein. Schauplatz von "Jebohnert op Kölsch" ist ein Kölner Mietshaus - inklusive Hausdrachen und Präsident eines Karnevalvereins. Eine literarisch-musikalische Rheinreise steht um 20 Uhr vor den Toren Kölns im Pulheimer Theater im Walzwerk auf dem Programm. Zwischen Kulturveranstaltungen, Sightseeing und Wellness wählen auch IDS-Besucher, die bei der Kölnmesse ein Weekend-Paket buchen. Letztlich entscheidet jeder selbst, wie er die IDS-Tage verbringt. Et kütt, wie et kütt. jr zm 99, Nr. 6, 16.03.2009, Seite 158-164 |
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