1. April 2006
- Skepsis äußerte die Mehrheit derer, die die Allensbacher
Meinungs- forscher nach den Chancen für das deutsche Gesundheitssystems
befragten. Im Dezember 2005 und Februar 2006 nannten jeweils 2 000
Bundesbürger recht präzise bei einer repräsentativen
MLP-Umfrage, dem Gesundheitsreport 2006, ihre Vorstellungen zu Systemwechsel,
Kostentransparenz und -beteiligung - etwa beim Zahnarztbesuch.
Die Mehrheit der Deutschen fordert eine umfassende Reform des
Gesundheitswesens: 70 Prozent wollen zum Beispiel mehr Transparenz und
Eigenverantwortung bei den Kosten. Doch wird auch deutlich: Es klafft eine
Lücke zwischen Theorie und Praxis, ergab der Gesundheitsreport 2006 des
Finanzdienstleisters MLP in Kooperation mit dem Institut für Demoskopie
Allensbach.
Menscheln erwünscht
Bei der Beurteilung der Ärzte fanden die Patienten neben der fachlichen
Qualifikation und der Kenntnis neuester Behandlungsmethoden vor allem den
persönlichen Umgang wichtig. Drei von vier Befragten wünschten sich,
dass der Behandler menschlich auf sie eingeht und sich viel Zeit nimmt. Der
"eigene Hausarzt" schnitt dabei deutlich
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| Basis:
Bundesbürger ab 16 Jahre |
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besser ab, als die Ärzteschaft insgesamt:
ihm bescheinigten 66 Prozent, er gehe menschlich auf sie ein, seinen Kollegen
bestätigten nur 24 Prozent diese Fähigkeit.
Klaren Handlungszwang sehen die Bundesbürger bei Politik und Kassen. 55
Prozent der Bundesbürger fordern eine grundlegende Reform des
Gesundheitswesens. Drei von vier Befragten rechneten damit, dass innerhalb der
nächsten zehn Jahre die Beiträge für die Krankenversicherung
sowie die Zuzahlungen für Medikamente steigen werden. 69 Prozent
erwarteten, dass sich zunehmend eine Zwei-Klassen-Medizin entwickelt.
Entsprechend deutliches Interesse an Zusatzversicherungen für
Zahnarztkosten meldeten 25 Prozent an, für den Fall der
Pflegebedürftigkeit sieben und für Brillen vier Prozent, sechs
Prozent dachten auch an eine Krankenhaustagegeldversicherung.
Gefragt nach Anreizen für einen eventuellen Wechsel in die PKV gaben die
befragten GKV-Versicherten zu 56 Prozent die Erstattung von Kosten für
Zahnersatz an. Als andere Motive nannten sie den größeren
Leistungsumfang der Privaten und bessere Therapiemöglichkeiten und
Medikation. "Ich finde es gut, wenn man die Arztrechnung sieht" gaben
54 Prozent an, mehr Transparenz käme folglich also an, ebenso mehr
Verantwortung in Sachen Vorsorge: Drei von vier Patienten haben in den letzten
zwei Jahren ihren Zahnarzt aufgesucht.
Vorsorge nachgefragt
Anklang finden in der Bevölkerung Reformoptionen, die gesundheitsbewusstes
Verhalten fördern. Dazu zählen unter anderem Beitragsrabatte für
regelmäßige Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen (66 Prozent). Die
Ausgliederung einzelner Elemente aus der GKV wird inzwischen vermehrt
akzeptiert: Stimmten 2002 noch nur 48 Prozent zu, dass die Krankenkasse
medizinische Leistungen nicht mehr bezahlen solle, wenn sie nicht unbedingt zur
Heilung von Krankheiten notwendig seien, so befürworten dieses heute
bereits 61 Prozent. Nur noch das notwendigste zu versichern als Option für
eine leistungs-reduzierte GKV hält ein Drittel der Befragten für
sinnvoll, doppelt so viele wie vor drei Jahren.
Für die Initiatoren der Umfrage ein deutliches Signal dafür, dass
"die Bereitschaft zu mehr Eigenverantwortung und einer damit verbundenen
Entlastung der gesetzlichen Versorgung" eindeutig zunehme. Die Politik
solle eine umfassende Reform jetzt anpacken und das Gesundheitssystem
zukunftsfähig gestalten.
pit
zm 96, Nr. 7, 01.04.2006, Seite 26
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