Die zm berichten regelmäßig über die Belange der Zahnärzte in Europa sowie über neue gesundheitspolitische Entwicklungen in der Europäischen Union.

1. April 2007

 
National Health Service in Großbritannien

Mehr Patientenklagen - mehr Ausgaben

- Großbritanniens staatlicher Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) gibt immer mehr Geld für die Entschädigung von Patienten nach ärztlichen Kunstfehlern oder anderen Patientenklagen aus.


Experten fürchten eine zunehmende "Verrechtlichung"
London: Der NHS hat Sorgen.
der Medizin und als Folge der steigenden Klagefreudigkeiten der Patienten Ärzte, die Angst davor haben, innovativ zu therapieren.

Wie aus aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministeriums hervorgeht, zahlte der NHS im vergangenen Jahr allein 12,4 Millionen Pfund (umgerechnet rund 19 Millionen Euro) an eine Patientin, bei der es die behandelnden Ärzte versäumten, eine bestimmte und mitunter lebensgefährliche Form der Eklampsie zu diagnostizieren. Die Patientin verklagte die behandelnden Ärzte und bekam Recht.

Die 19-Millionen-Euro-Klage war laut Gesundheitsministerin Patricia Hewitt die bislang größte Schadensersatzforderung eines NHS-Patienten in der Geschichte des staatlichen Gesundheitsdienstes. "Da ist ein Trend zu erkennen und der sorgt uns", so die Ministerin.

Laut Gesundheitsministerium kosteten die zehn umfangreichsten Patientenklagen den NHS im vergangenen Jahr insgesamt rund 68 Millionen Pfund (mehr als 102 Millionen Euro). Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist die Summe, die der NHS an klagende Patienten auszahlt, um ein vielfaches gestiegen. Die meisten Patientenklagen richten sich gegen Gynäkologen beziehungsweise gegen Fachärzte, die falsche Diagnosen stellen.

Ärztliche Berufsverbände weisen seit Jahren 5darauf hin, dass die Beiträge zur ärztlichen Berufshaftpflicht überdurchschnittlich stark steigen. Oftmals seien die Beiträge bereits so hoch, dass Berufsanfänger davon abgehalten würden, für den NHS zu praktizieren. Anders dagegen die Situation bei den britischen Zahnärzten. "Diese Probleme kennen wir nicht", so eine Sprecherin des britischen Zahnärztebundes (British Dental Association, BDA) in London.
pr/ast

Gesundheitswesen in Irland

Es droht ein massiver Streik

 
In Irland droht ein massiver Streik im Gesundheitswesen. Rund 40 000 irische Krankenschwestern und -pfleger bereiten
Dublin: Streik liegt in der Luft.
die Arbeitsniederlegung in allen staatlichen und einigen privaten Krankenhäusern der Republik vor.


Auch andere Bedienstete des irischen Gesundheitswesens haben dem Dubliner Gesundheitsministerium mit Streik gedroht, sollte ihren Forderungen nach deutlich verbesserter Bezahlung nicht nachgekommen werden. Die irischen Krankenschwestern und -pfleger verlangen vom Gesundheitsministerium zehn Prozent mehr Gehalt sowie die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf durchschnittlich 35 Stunden pro Woche. Das wird von der Regierung in Dublin abgelehnt. Regierungschef Bertie Ahern sagte zu Wochenbeginn vor Journalisten in Dublin, die Forderungen seien "maßlos" und würden das irische Gesundheitswesen rund eine Milliarde Euro mehr kosten. "Das ist nicht bezahlbar." Die Regierung Ahern kündigte an, hart bleiben zu wollen, da andernfalls andere öffentliche Beschäftigte ebenfalls zweistellige Lohn- und Gehaltserhöhungen einfordern würden. Die irischen Berufsverbände der Krankenschwestern und -pfleger kündigten Urabstimmungen an. Man werde nicht nachgeben. Der Streik der rund 40 000 Krankenschwestern und -pflegern würde das irische Gesundheitswesen lahmlegen. Gesundheitsministerin Mary Harney steht unter Druck, einen Streik abzuwenden. Allerdings wird dies nach Einschätzung gesundheitspolitischer Beobachter ohne eine kräftige Aufstockung des Gesundheitsetats kaum möglich sein.
pr/ast


zm 97, Nr. 7, 01.04.2007, Seite 100