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April 2009 - Trotz eines hohen Standards an technisch modernen
Behandlungsmethoden sowie einer weitestgehend zuverlässigen
Schmerzausschaltung während der Behandlung geben 70 bis 80
Prozent
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Ein Patient bringt nicht nur sein
Problem in die Praxis, sondern auch die Fähigkeit, zu dessen Lösung
beizutragen. |
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der deutschen Bevölkerung Angst vor
zahnärztlicher Behandlung an. Bei rund zehn Prozent ist diese Angst so
ausgeprägt, dass sie nur im äußersten Notfall den Zahnarzt
aufsuchen [Micheelis und Bauch, 1991; Marwinski und Jöhren, 2004]. In
diesen Fällen mit ausgeprägtem Vermeidungsverhalten ist es
angemessen, von Zahnbehandlungsphobie zu sprechen. Da die Lebensqualität
der Betroffenen durch ihr Angstproblem in vielen Fällen sehr stark
eingeschränkt ist, stellt sich die Frage, wie es erreicht werden kann,
auch diesem Personenkreis Zugang zu guter zahnärztlicher Behandlung zu
verschaffen.
Üblicherweise werden Angsterkrankungen von Psychologen behandelt. Im Falle
der zahnärztlichen Behandlungsangst hat eine solche Therapie
außerhalb des zahnärztlichen Kontextes aber den Nachteil, dass
hierbei im Allgemeinen die echte Konfrontation mit dem Angst auslösenden
Stimulus ausbleibt. Diese muss jedoch für eine erfolgreiche
Angstbehandlung als essenziell betrachtet werden. Eine wirksame Therapie wird
also nur direkt in der zahnärztlichen Praxis erfolgen können. Sie
kann grundsätzlich auch hier durch einen Psychologen durchgeführt
werden, was jedoch den Nachteil des relativ hohen organisatorischen Aufwandes
und entsprechender Kosten hat. Es ist daher nicht anzunehmen, dass die
Zusammenarbeit von Zahnarzt und Psychologe in der zahnärztlichen Praxis im
Zusammenhang mit der zahnärztlichen Behandlungsphobie eine wesentliche
Verbreitung erfahren wird. Die Intervention durch den Zahnarzt selbst ist als
Mittel der Wahl zu betrachten. Hierfür existieren zurzeit verschiedene
Modelle, in Deutschland insbesondere die von Jöhren und Macher
entwickelten Verfahren [Jöhren und Sartory, 2002; Macher et al., 2005]
sowie verhaltenstherapeutische Ansätze [De Jongh et al., 1995; Mehrstedt,
1994; Thom et al., 2000.] Gemeinsam ist allen wirksamen Verfahren zur Therapie
der Zahnärztlichen Behandlungsphobie,
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| "Was kann ich
für Sie tun, um Sie gut zu behandeln?" - Der Patient wird zum
Experten für die Lösung seines Problems. |
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dass sie eine Umstrukturierung der Wahrnehmung des
Patienten in Bezug auf seine bisherigen negativen Kognitionen im Zusammenhang
mit zahnärztlicher Behandlung beinhalten und die Kognitionen mit einem
entspannenden Element verbinden.
Klinische Hypnose hat sich im allgemeinen Kontext psychologischer Behandlung
als sehr wirksames Instrument zur Entspannung sowie zur Neustrukturierung der
wahrgenommenen Wirklichkeit eines Patienten erwiesen. Demgegenüber galt
ihr Einsatz bei der Behandlung von Zahnbehandlungsphobie in der Vergangenheit
als wenig Erfolg versprechend. Mit dem vorliegenden Beitrag soll daher
beschrieben werden, unter welchen Bedingungen moderne Hypnose auch bei Angst
vor Zahnbehandlungen erfolgreich einsetzbar ist. Hierfür werden
zunächst Grundvoraussetzungen für die erfolgreiche Behandlung dieser
Phobieform betrachtet. Anschließend werden die vorhandenen Grundformen
zahnärztlicher Hypnose auf ihre Eignung zur Erfüllung dieser
Voraussetzungen hin untersucht. Aufbauend darauf wird dann das praktische
Vorgehen als Gesamtstruktur beschrieben und im Rahmen eines Fallbeispiels
veranschaulicht.
Grundsätzliche Betrachtungen
Grundbedürfnisse ängstlicher Patienten
Um herauszufinden, welche Bedürfnisse ängstliche Patienten im
Zusammenhang mit zahnärztlicher Behandlung haben, bieten sich zwei Wege
an: erstens die Auswertung entsprechender Studien und zweitens die Angaben, die
Patienten auf entsprechende Fragen in der Praxis machen.
Konkrete Studien zu dieser Fragestellung gibt es im deutschsprachigen Raum nur
wenige. Eine aktuelle Arbeit von Marwinski und Jöhren [2004] ergab zwei
Kernforderungen. So soll in der Vorstellung der Patienten ein idealer Zahnarzt
rücksichtsvoll und vertrauenswürdig sein, darüber hinaus wird
Kontrolle über das Behandlungsgeschehen eingefordert. Diese Wünsche
tauchen auch im Gespräch in der Praxis immer wieder auf, meist noch
ergänzt um den Wunsch nach Schmerzfreiheit. Fasst man diese Aussagen
zusammen, so ergibt sich daraus die Forderung nach einer positiven
Beziehungserfahrung und aufbauend darauf nach einer positiven
Behandlungserfahrung, die Patienten offensichtlich zum Abbau ihrer Angst
benötigen. Nachfolgend soll betrachtet werden, inwiefern die verschiedenen
Grundansätze zahnärztlicher Hypnose geeignet sind, diese Forderungen
zu erfüllen.
Grundformen zahnärztlicher Hypnose
Klassische
direktive Hypnose
Bei dieser Anwendungsform von Hypnose besteht ein Hierarchiegefälle
zwischen einem dominanten Hypnotiseur und einem sich unterordnenden Patienten.
Bei freiwilliger Verantwortungsabgabe durch den Patienten ist diese Form von
Hypnose sehr erfolgreich einsetzbar, etwa zum Erzielen von Hypnoanästhesie
bei Patienten ohne größere Ängste. Da ihr Einsatz jedoch
für Patienten oft mit dem Gefühl von Kontrollverlust verbunden ist,
erscheint klassische Hypnose zur Therapie von Behandlungsphobie als wenig
Erfolg versprechend.
Standardisierte Entspannungsverfahren
Aus der klassischen Hypnose wurden verschiedene standardisierte
Entspannungsverfahren entwickelt, so auch das Autogene Training von Schultz
[1932] und die Progressive Muskelentspannung von Jacobson [1938]. Hierbei
kommen immer gleiche schematisierte Verfahrensprotokolle zum Einsatz, die
über primär muskuläre Entspannung zu einer Verringerung der
Angst führen sollen. Grundsätzlich können diese Methoden
erfolgreich sein. Da sie aber die Individualität verschiedener Menschen
kaum berücksichtigen, ist die Gefahr eines Misserfolges sehr groß.
Dieser würde aber beim Patient erneut die Erfahrung auslösen, dass
für ihn eine positive Behandlungserfahrung nicht erreichbar ist. Weil
darüber hinaus der erfolgreiche Einsatz standardisierter
Entspannungsverfahren mit einem erheblichen Zeiteinsatz verbunden ist, kommen
diese Methoden allenfalls bei Patienten in Frage, die bereits positive
Erfahrung mit einem dieser Verfahren gesammelt haben und über einige
Übung im Umgang mit ihnen verfügen.
Moderne
klinische Hypnose
Unter diesem Oberbegriff versammeln sich diverse hypnotherapeutische Verfahren,
die sich alle im Wesentlichen auf die Behandlungsgrundsätze von Milton
Erickson beziehen. Dieser ging davon aus, dass seine Klienten nicht nur ihr
Problem mit zur Behandlung brachten, sondern gleichzeitig schon über alle
nötigen Fähigkeiten zur Lösung desselben verfügten¹.
Der Behandler hat hier also nur die Aufgabe, dem Patienten beim Auffinden
seiner Lösungskompetenzen zu helfen. Patient und Behandler werden dadurch
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zu gleichwertigen Partnern, die sich gemeinsam
bemühen, dem Patienten zu einer veränderten Wahrnehmung der
zahnärztlichen Behandlung zu verhelfen. Daher sind die Ansätze der
Erickson'schen Hypnose am ehesten geeignet, die oben genannten Forderungen von
Angstpatienten an ihren Zahnarzt mithilfe von Hypnose zu erfüllen.
Praktisches Vorgehen
Bei der praktischen Umsetzung kommt es darauf an, die lösungsorientierte
Grundhaltung des Erickson'schen Ansatzes in eine entsprechende Kommunikation
umzusetzen. Ziel dieser Kommunikation sollte es also sein, den Patienten in
Kontakt mit seinen Lösungskompetenzen zu bringen. Daher lässt sich
diese spezielle Art der Kommunikation auch als ressourcenorientiert²
bezeichnen. Im Folgenden sollen nun zunächst die grundsätzlichen
Elemente ressourcenorientierter Kommunikation besprochen werden.
Elemente ressourcenorientierter Kommunikation
Pacing
Hierunter versteht man das exakte Spiegeln der verbalen und non-verbalen
Ausdrucksweise eines Patienten. Man holt einen Gesprächspartner
kommunikativ dort ab, wo sich dieser gerade befindet (siehe Beispiel 1). Gutes
Pacing ist von zentraler Bedeutung für jede erfolgreiche Kommunikation!
Beispiel 1:
Behandler: "Was kann ich denn für Sie tun?"
Patient: "Also hier oben rechts (zeigt dorthin), da tut's weh. Aber bitte
nur gucken und mir sagen, was los ist."
B.: "Aha ... hier oben rechts (wiederholt die Geste des Patienten) tut's
weh. Da soll ich nur gucken und Ihnen sagen was los ist."
P.: "Genau."
Unmittelbare Folge dieses Spiegelns ist die Zustimmung des Patienten zur
Äußerung des Behandlers. Diese Zustimmung führt zu einer
"Ja-Haltung" zwischen Patient und Behandler, einem sogenannten
Yes-Set. |
Yes-Set
Als Yes-Set bezeichnet man einen Zustand grundsätzlicher
Übereinstimmung in einer Kommunikation. Dieser führt dazu, dass der
Patient sich vom Behandler akzeptiert und verstanden fühlt. Er wird so
ermutigt, dem Zahnarzt als Partner gegenüberzutreten, was wiederum eine
wesentliche Grundlage für den Aufbau einer positiven Beziehung ist. Dieser
Zustand, der von gegenseitigem Einvernehmen und Akzeptanz geprägt ist
(Rapport) ist die wichtigste Voraussetzung für die Wirksamkeit
therapeutischer Kommunikation.
"Mini-Max"-Formulierungen
Unter diesem Oberbegriff hat Prior [2002] eine Reihe kommunikativer Hilfen
zusammengefasst, die ebenso einfach wie hilfreich sind. Für das hier
beschriebene Vorgehen sind davon im Wesentlichen zwei Techniken wichtig:
Konstruktiv-therapeutische Fragen, die durch gezielten Einsatz bestimmter
Frageformen konstruktive Suchprozesse beim Patienten anregen.
Beispiel 2
P.: "Beim Zahnarzt kann ich mich nie entspannen!"
B.: "Genau, beim Zahnarzt konnten Sie bisher noch nie entspannen. Wo in
Ihrem Leben können Sie sich denn gut entspannen?" |
Manchmal ist außerdem die Formulierung "bisher" nützlich,
um das Pacing einer negativen Aussage so zu gestalten, dass klar wird, die vom
Patienten gemachte Aussage gehört in die Vergangenheit, was wiederum
impliziert, dass es in Zukunft anders sein kann (Beispiel 2).
Das Wort "sondern" ist dagegen oft hilfreich, wenn es darum geht,
eine negative Aussage eines Patienten zwar zu pacen, aber gleichzeitig wiederum
die innere Suche nach einem positiven Pendant anzuregen (siehe Beispiel 3).
Beispiel 3:
P.: "Heute war es ja gar nicht schlimm!"
B.: "Genau, heute war es nicht schlimm, sondern wie?" |
Die hier beschriebenen sprachlichen Elemente einer ressourcenorientierten
Kommunikation sind so etwas wie der Motor des nachfolgend zunächst
schematisch beschriebenen Ablaufes.
Gesamtstruktur einer ressourcenorientierten Kommunikation
Üblicherweise kommt ein Behandlungsphobiker in einem Zustand in die
Praxis, in dem er sich als völlig erfüllt von seinem Problem erlebt.
Ziel des beschriebenen kooperativen Behandlungsansatzes ist es nun, dem
Patienten zunächst die Erfahrung zu vermitteln, dass er selbst
grundsätzlich die Kompetenz zur Lösung seines Problems hat. Aufbauend
auf der hieraus resultierenden positiven Beziehungserfahrung kann dann die
Vermittlung einer positiven Behandlungserfahrung durch die Induktion einer
ressourcenorientierten Trance erfolgen. Durch Konzentration der gesamten
Kommunikation auf wenige Schlüsselpunkte, die die oben beschriebenen
sprachlichen Techniken nutzen, lässt sich auch unter den Bedingungen der
täglichen Praxis sicherstellen, dass der Patient zielsicher und
zeitsparend seinen persönlichen Lösungsweg findet. So sollte der
Behandler nach der üblichen Eingangsfrage "Was kann ich für Sie
tun?" sehr genau hinhören und die Antwort des Patienten nicht nur
verbal pacen (siehe Beispiel 1), sondern anschließend auch exakt so
handeln und nur das machen, was der Patient explizit gefordert beziehungsweise
erlaubt hat. Dieses Tun beinhaltet das Akzeptieren des Patienten als
gleichberechtigten Partner. Es wird damit den oben beschriebenen
Grundbedürfnissen ängstlicher Patienten gerecht und führt zu
einer positiven Beziehungserfahrung. Ist auf diese Art der zahnärztliche
Rahmen für den Anfang geklärt, empfiehlt es sich, den Patienten
weiter in seiner Kompetenz zu stärken, indem man die Frage stellt
"Was kann ich für Sie tun, um Sie gut zu behandeln?". Diese
impliziert, dass der Patient selbst der Experte für die Lösung seines
Zahnarztproblems ist. Hier ist es für den Behandler wichtig, wieder unter
Verwendung der oben beschriebenen Kommunikationstechniken solange beharrlich
nachzufragen, bis der Patient eine eindeutig positive Beschreibung für
seinen Wunsch gefunden hat (Beispiel 4).
Beispiel 4:
B.: "Was kann ich für Sie tun, um Sie gut zu behandeln?"
P.: "Es soll nicht weh tun."
B.: "Aha, es soll nicht weh tun, sondern wie soll es dann sein?"
P.: "Schmerzfrei."
B.: "OK, schmerzfrei. Wenn es schmerzfrei wäre, wie würde es
Ihnen dann gehen?"
P.: "Ich glaube, dann könnte ich mich entspannen."
B.: "Entspannung ist für Sie wichtig für eine gute
Behandlung?!"
P.: "Ja." |
Um den so definierten Wunsch für das Befinden des Patienten für eine
Behandlung in Hypnose nutzbar zu machen, kommt es im nächsten Schritt
darauf an, im Leben des Patienten eine passende Erfahrung zu finden, in der er
diesen Zustand schon einmal gelebt hat. Dies geschieht durch die Frage "Wo
in Ihrem Leben haben Sie ... (z. B. Entspannung) denn schon einmal
erlebt?".
Die hierdurch aufgefundene Erfahrung hat das Potenzial, dem Patienten die
Lösung seines spezifischen Problems zu ermöglichen. Dies geschieht,
indem die vom Patienten gewählte Erfahrung im Rahmen einer
Hypnoseinduktion auf allen Sinnesebenen so aktiviert wird, dass dadurch eine
innere Wirklichkeit entsteht, die die äußere Wirklichkeit der
zahnärztlichen Behandlung überlagert. Dadurch befindet sich der
Patient während des Auftretens der bisher Angst auslösenden Reize in
Kontakt mit seinen Lösungsfähigkeiten. Dieses ermöglicht
zunächst eine positive Behandlungserfahrung und auf Dauer angstfreie
Zahnbehandlungen.
Zusammengefasst soll der beschriebene Ablauf also zwei Ergebnisse haben. Er
soll dem Patienten ermöglichen, zu einem gleichberechtigten Partner des
Zahnarztes heranzuwachsen und implizit die Lösungskompetenz für sein
Problem zu erfahren. Darüber hinaus soll die beschriebene Kommunikation
die stringente Entwicklung der positiven Wünsche für die Behandlung
aus dem individuellen Problem heraus sicherstellen. Erst hierdurch gewinnt die
in der Tranceinduktion aktivierte Erfahrung die Qualität einer
therapeutischen Ressource (Abbildung 1).
Aktivierung der Ressource durch Tranceinduktion
Damit die in der Ressource enthaltenen Kompetenzen des Patienten während
der Behandlung ihre Wirkung entfalten können, ist die Aktivierung der
Ressource über eine Tranceinduktion erforderlich. Die hierzu angewandte
hypnotische Technik ist dabei zweitrangig, solange sie die oben genannten
Grundsätze Erickson'scher Hypnose berücksichtigt. Um insbesondere die
gleichberechtigte Kooperation von Patient und Behandler zu betonen, ist es
hilfreich, vorab klarzustellen, dass es nach erfolgter Tranceinduktion Aufgabe
des Patienten ist, die Verantwortung für seinen guten Zustand zu
übernehmen, während der Zahnarzt zuständig für vorsichtige
und sorgfältige Behandlung ist.
Die durch das oben beschriebene Vorgehen gefundene Ressource-Erfahrung des
Patienten zeichnet sich wesentlich durch zwei Elemente aus. Erstens durch die
sinnlichen Erfahrungen,
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| Gezielte Kommunikation ist ebenso
lernbar wie jede andere zahnärztliche Fähigkeit. |
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die mit ihr verbunden sind (sehen, hören,
fühlen und mehr). Außerdem aber auch durch die in ihr enthaltenen
persönlich wichtigen Werte. Diese sind individuell sehr verschieden. So
kann ein Tag am Strand für einen Menschen eng mit Entspannung und
Wärme verknüpft sein, während er für einen anderen viel
mehr mit Freiheit und Weite zu tun hat. Für eine dritte Person ist
möglicherweise am wichtigsten, dass dabei die Familie anwesend ist und ein
Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit entsteht.
Weil diese Werte gleichzeitig die positiven Ziele für den Zustand des
Patienten während der Behandlung darstellen, ist es von großer
Wichtigkeit, dass er in der Trance den Kontakt mit diesen Werten möglichst
intensiv erlebt. Um dieses Erleben sicherzustellen, ist eine Aktivierung der
Ressource in zwei Schritten sinnvoll. Diese beiden Schritte sollen hier nur
soweit besprochen werden, wie es für das Verständnis des gesamten
Ablaufes erforderlich ist. Für eine detaillierte Darstellung der gesamten
Kommunikation sei auf das Ausbildungshandbuch des Curriculums
"Zahnärztliche Hypnose" der Deutschen Gesellschaft für
Zahnärztliche Hypnose verwiesen [2006].
Aktivierung
der Sinnesebene
Um zunächst einen guten Kontakt mit der inneren Erfahrung herzustellen,
ist es erforderlich, die Sinnesebene derselben zu aktivieren. Hierzu fragt man
den Patienten "Was gibt es dort in Ihrer Erfahrung zu sehen, zu
hören, zu fühlen, zu riechen?". Erst nachdem auf diese Art
mithilfe von sehr viel Pacing eine gute Assoziation mit der Erfahrung
hergestellt ist, sollte man in einem zweiten Schritt die vom Patienten
bestimmten positiven Zielvorstellungen als Suggestionen einfließen
lassen.
Aktivierung
der Werteebene
Nach der Assoziation des Patienten mit der sinnlichen Ebene seiner Erfahrung
kommt es nun darauf an, die darin enthaltenen persönlich wichtigen Werte
zu aktivieren. Hierfür werden die vorab vom Patienten definierten
positiven Zielvorstellungen (wie Entspannung, Sicherheit, Wärme und mehr)
als Suggestionen präsentiert. Aufgrund ihrer großen
Flexibilität in der Gestaltung der Suggestionen hat sich für diesen
Zweck die Drei-Worte-Induktion von Fiedler [2006] besonders bewährt.
Zusammenfassung
Die Veränderung der Wahrnehmung von Behandlungsreizen ist ein wesentlicher
Punkt in der Therapie von Zahnbehandlungsphobie. Primär
verhaltenstherapeutisch orientierte Konzepte haben sich hierbei als wirksam
erwiesen. Diese Therapieansätze haben jedoch aus verschiedenen
Gründen in der niedergelassenen Praxis bisher kaum Resonanz gefunden.
Demgegenüber wird klinische Hypnose in einer immer größeren
Anzahl von Praxen angewandt. Der vorliegende Artikel soll daher beschreiben,
wie durch eine Kombination von Kognitiver Restrukturierung und moderner
klinischer Hypnose Zahnbehandlungsphobie in der niedergelassenen Praxis in
einer Sitzung erfolgreich behandelt werden kann.
Dr. Walter Schulze
Nordstr. 5
27356 Rotenburg/W.
¹ Bei diesem Denkansatz wird davon
ausgegangen, dass das von einem Patienten meist als allumfassend empfundene
Symptom tatsächlich nur einen Teil seiner Gesamtpersönlichkeit
ausmacht. Andere Teile werden als von den Beschwerden unbeeinflusst betrachtet
und können zur Problemlösung eingesetzt werden. Der Therapeut
übernimmt innerhalb dieses Modells die Rolle eines Vermittlers, der den
Dialog zwischen dem Symptomteil und den zur Lösung befähigten
Persönlichkeitsanteilen des Patienten anregt. Die eigentliche Kompetenz
zur Problemlösung liegt somit beim Patienten selbst.
² Als Ressource oder Ressource-Erfahrung bezeichnet man in der
Hypnotherapie eine (Lebens)-Erfahrung, die ein Patient einsetzen kann, um ein
aktuelles Problem zu lösen. Eine Möglichkeit, eine solche Ressource
therapeutische nutzbar zu machen, besteht darin, die passende Erfahrung
zunächst vom Patienten auffinden zu lassen und sie dann im zweiten Schritt
durch Tranceinduktion wieder zu einer Erfahrung werden zu lassen (sogenannte
ressourcenorientie Kommunikation).
zm 99, Nr. 7, 01.04.2009, Seite 40-46
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