Fallbericht:
Branchiogenes Karzinom Beidseitiges branchiogenes KarzinomAlexander W. Eckert et al. |
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16.
April 2006 - Branchiogene Karzinome sind sehr selten. Sie entwickeln
sich auf der Basis epithelialer Reste der embryonalen Kiemengänge. Seit
der Erstbeschreibung durch Volkmann im Jahre 1882 [1] wurde bei zahlreichen
derartigen Malignomen deren branchiogene Ursache angezweifelt. Im Jahre 1950
verfasste Martin die ersten Kriterien zur klaren Einordnung dieser
Tumorentität [2]. Derzeit gelten zur Klassifizierung branchiogener
Karzinome die modifizierten Richtlinien nach Khafif [3].
Hier wird ein weiterer klinischer Fall eines zum Zeitpunkt der Diagnosestellung 50-jährigen Mannes mit einem branchiogenen Karzinom nach den Khafif'schen Kriterien und einem Zungenkarzinom als metachronen Tumor demonstriert. Kasuistik Im Jahre 1993 wurde bei einem damals 51-jährigen männlichen Patienten ein tumorverdächtiger Befund linksseitig am Vorderrand des Musculus sternocleidomastoideus
Es schloss sich die Operation inklusive linksseitiger radikaler Neck dissection an. Postoperativ erfolgte eine Bestrahlung mit insgesamt 60 Gy. Im Mai des Jahres 1995 musste ein branchiogenes Karzinom der rechten Halsseite diagnostiziert werden, welches im CT durch ein supraclaviculär rechtsseitiges, homogenes Kontrastmittelenhancement imponierte (Abbildung 2). Daraufhin wurde nun eine rechtsseitige funktionelle Neck dissection vorgenommen. Im November des gleichen Jahres fiel im Rahmen der Tumornachsorge ein dringend malignomverdächtiges Areal am Zungengrund auf. Die histologische Untersuchung nach abermaliger Probeexzision bescheinigte ein mäßig differenziertes, nicht verhornendes Plattenepithelkarzinom der Zunge, woraufhin eine Glossektomie und auch eine Laryngektomie durchgeführt wurden. Die Rekonstruktion der
Seit 1996 wurden jährliche CT-Kontrollen vorgenommen. Dabei konnte in keinem Fall ein Anhalt für ein Rezidiv - weder des branchiogenen Karzinoms noch des Plattenepithelkarzinoms - gefunden werden. Die Abbildung 3 zeigt den Patienten zehn Jahre tumorfrei, Abbildung 4 demonstriert die intraorale Situation des mittlerweile durch Teleskopprothese rehabilitierten Patienten. Diskussion Für das Vorliegen eines branchiogenen Karzinoms gelten die Kriterien nach Martin [2] und Khafif [3]. Charakteristisch für den präsentierten Fall sind die Lokalisation und die typische Histologie in Form von maligne entartetem Zystengewebe sowie eine tumorfreie lympho-epitheliale Übergangszone (Tab.1). Dementsprechend existieren nur wenige branchiogene Karzinome. Lin et al. [4] berichteten 2004 zuletzt über einen Patienten mit einem branchiogenen Karzinom. In Tabelle 2 sind sämtliche branchiogenen Karzinome seit 1968 zusammengefasst, welche die durch Khafif modifizierten Einordnungskriterien erfüllen. Wir fügen den bisher in den letzten 37 Jahren publizierten, echten branchiogenen Karzinomen einen weiteren derartigen Fall hinzu. Nach unserem Kenntnisstand ist es außerdem die erste beidseitige Manifestation eines branchiogenen Karzinoms.
Nach Diagnosesicherung und Operation ist eine anschließende Bestrahlung erforderlich [4]. Die Ausschöpfung chirurgischer und radiologischer Maßnahmen garantierte im vorliegenden Fall die vergleichsweise lange rezidivfreie Zeit von mittlerweile mehr als zehn Jahren trotz des Vorliegens eines weiteren Karzinoms (Abbildungen 3 und 4). PD Dr. Dr. Peter Maurer, Dr. Lutz Meyer, Prof. Dr. Dr. Edgar Spens (em.), Prof. Dr. Dr. Johannes Schubert Dr. Dr. Alexander W. Eckert Universitätsklinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Ernst-Grube Str. 40 06097 Halle/Saale aw.eckert.wissenschaft@web.de Dr. Udo Bilkenroth Institut für Pathologie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Magdeburger Str. 10 06110 Halle/Saale Literaturverzeichnis zm 96, Nr. 8, 16.04.2006, Seite 46-48 |
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