Klimaausgleich: Zahlen für
den AblassGebührend gutes Gewissen |
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16. April 2007 - In der
öffentlichen Diskussion steht der Klimaschutz weiterhin ganz oben auf der
Liste. Bundesregierung, Industrie und auch Privatleute können sofort mit
kleinen Maßnahmen Schadstoffe einsparen. Organisationen wie Atmosfair und
Co2ol helfen dabei, mit gebührend gutem Gewisssen Gewissen zu reisen und
den Alltag zu bewältigen.
"Jeder Bundesbürger emittiert pro Jahr zehn Tonnen CO2. Für ein langfristig stabiles Klima wären 3,5 Tonnen pro Jahr sinnvoll", so steht es auf der Internet-Seite von Co2ol. Natürlich ist es für jeden Einzelnen schwierig, jeden Tag zwei Drittel der üblichen Menge Kohlendioxid einzusparen. Nicht jeder kann ganz auf sein Auto verzichten und aufs Fahrrad umsteigen. Oder sich wie die Hollywood-Stars Penelope Cruz und Leonardo di Caprio, Orlando Bloom und Diane Kruger ein (noch) teures Hybrid-Auto zulegen. Um den Haushalt exklusiv mit klimafreundlichen Geräten auf einen Schlag auszustatten, fehlt den Normalsterblichen vielleicht das Geld. Dafür gibt es seit einigen Jahren Organisationen, die gegen Zahlung eines auf die Situation abgestimmten Betrages sozusagen einen Ablass auf die jeweilige Umweltsünde vergeben. Gelegenheiten bieten sich genug. Besonders hart in der Kritik stehen die Fluggesellschaften und unter ihnen an herausragender Stelle die Billigflieger Ryan Air und Co. Berechnungen haben zwar ergeben, dass der Flugverkehr nur für rund drei Pro-zent des CO2-Ausstoßes verantwortlich ist. Doch bewirkt der Energieverbrauch der Flieger sehr viel mehr als etwa der von Autos. In einer Höhe von etwa 10 000 Metern ist die Wirkung auf das Klima dreimal größer als am Boden. Behaupten jedenfalls Wissenschaftler wie Andreas Pastowski vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie. Schuld daran sind die Stickoxide und der sich bildende Wasserdampf. Beide zusammen heizen den Treibhaus-Effekt weiter an, es entstehen Kondensstreifen und Schleierwolken; der so entstehende "Deckel" trägt zur Erderwärmung bei. Die Auswirkungen dieses Effekts zeigen sich bei Langstreckenflügen besonders stark. Ein Ausflug nach Paris oder London beispielsweise verursacht auf der kurzen Distanz durch den hohen Energieverbrauch beim Starten eine sehr hohe Luftverschmutzung. Im Schnitt ergibt sich auf die kurze Distanz ein überdimensionaler CO2-Ausstoß. Zwei Gründe mehr, warum Experten über die Steuerbefreiung des Kerosins den Kopf schütteln. Ablass zum Abheben Bei den Verbrauchern treffen das schlechte Gewissen und der Wunsch, günstig an ihre Urlaubsziele zu gelangen, aufeinander. Die Geschäftreisenden treibt ebenso der Wunsch, Kosten zu sparen, in die Billigflieger. Damit diese Menschen mit gutem Gewissen abheben können, bietet speziell Atmosfair seit drei Jahren einen besonderen Service an. Die Reisenden können mit ihrem Geld an einer anderen Stelle mithelfen, die gleiche Menge Kohlendioxid, die sie mit Fliegen produzieren, wieder aus der Luft zu holen. Auf der Internetseite www.atmosfair.de gibt es einen Emissionsrechner, der für jeden Flug den wahrscheinlichen CO2-Ausstoß berechnet und angibt, mit welcher Summe der Reisende den von ihm verursachten Schaden wieder ausgleichen kann. Auf der Strecke Köln-Wien produziert das Flugzeug pro Person 210 Kilogramm CO2. Mit sechs Euro schafft der Fluggast wieder reine Luft: Das Geld wandert in Projekte, die etwas zur Verbesserung des Klimas tun. Das sind Großküchen in Indien, für die Solaranlagen konstruiert werden. An Kläranlagen der Dritten Welt werden Biogasanlagen gebaut, damit das bei der Klärung entstehende umweltschädliche Methan in klimafreundliche Energie umgewandelt wird. Es können aber auch Wasserkraftwerke oder andere Energiesparprojekte sein. Immerhin fließen von den eingezahlten Geldern rund 80 Prozent in Umweltprojekte, die von der UNO zertifiziert sind. Einer der Schirmherren ist der frühere Umweltminister Klaus Töpfer. Entstanden ist Atmosfair aus der anerkannten Umweltorganisation Germanwatch. Die Bundesregierung hält ebenfalls ihre Hand über Atmosfair und hat verkündet, nur noch klimaneutral zu reisen. Das gute Beispiel macht Schule. Waren es in 2005 noch rund 160 000 Euro Einnahmen, lag die Zahl im letzten Jahr mit etwa 300 000 Euro knapp doppelt so hoch. Die inzwischen heftige Diskussion um den Klimaschutz wird diese Zahlen noch weiter in die Höhe treiben. Zumal Atmosfair inzwischen mit dem Verband der Internet-Reiseanbieter (VIR) zusammenarbeitet. Wer über diese Seiten eine Reise bucht, kann gleich mit einem Klick seine CO2-Produktion ausgleichen und zahlt die entsprechende Summe als Aufschlag auf seinen Reisepreis. Jetzt verhandelt Atmosfair mit einigen Fluggesellschaften. In Zukunft wird es wahrscheinlich eine gesetzliche Regelung geben, wonach jeder Fluggast eine Abgabe für den Klimaschutz zahlen muss. Schon jetzt empfehlen die Experten von Atmosfair, für Strecken unter 700 Kilometern lieber mit der Bahn zu fahren. Rein nach Panama Bis die gesetzliche Vorgabe kommt, können umweltbewusste Reisende auch bei Co2ol ihre freiwillige Abgabe für den Klimaschutz leisten. Auf dieser Internetseite (www.co2ol.de) beschränkt sich das Angebot nicht nur aufs Fliegen. (Hier gibt der Rechner für die Strecke Köln-Wien einen Kohlendioxid-Ausstoß von 290 Kilogramm pro Person an, der mit 7,51 Euro wieder ausgeglichen werden kann.) Wer will, kann seinen kompletten Haushalt emissionsfrei stellen. Der Single zahlt für einen Monat 14 Euro, für drei Monate 42 Euro und ein Jahr kostet 168 Euro. Eine Familie kann sich mit 38,80 Euro beziehungsweise 116 oder 465 Euro (ein, drei und zwölf Monate) ein reines Gewissen kaufen. Um den Kleinwagen 15 000 Kilometer lang sauber über die Autobahn jagen zu können, reicht ein Beitrag von 56 Euro. Damit neutralisiert die entsprechende Menge Bäume 2,16 Tonnen Kohlendioxid. Für diese Spenden lässt Co2ol eine bestimmte Menge Bäume in Südamerika anpflanzen, die den CO2-Ausstoß wieder ausgleichen sollen. Nicht selber dafür zahlen müssen aber dennoch das Klima schützen, können Verbraucher, die über die Seite von Co2ol ihre Internet-Bestellung bei Tchibo, Otto, Quelle und Neckermann aufgeben, Musik über musicload laden oder ihre Geldgeschäfte im Netz über die Internetbank Comdirect, DKB oder ING-Diba regeln. Wichtig ist nur, dass der Zugang über die Co2ol-Seite geschieht. Dann zahlen die angeklickten Unternehmen einen vereinbarten Obolus an Co2ol. Co2ol wiederum reicht das Geld an das in Panama ansässige Forstunternehmen Futuro Forestal weiter. Bis jetzt hat die Firma rund 600 Hektar ökologische Wälder nach den strengen FSC-Richtlinien aufgeforstet. Mithilfe eines Geoinformationssytems können die Geoingenieure genau berechnen, wie viel CO2 die Bäume in Sauerstoff und Holz verwandelt haben. Co2ol ist als eingetragener Verein registriert und muss deshalb die Bilanzen offenlegen. Von den eingenommenen Geldern fließen zirka 75 Prozent in die Aufforstung, 25 Prozent werden für die Verwaltung benötigt. Jeder, der sich mit seinem Geld an den vorbildlich gepflanzten Wäldern beteiligt, sowie Journalisten und Wissenschaftler sind eingeladen, sich vor Ort davon zu überzeugen, dass ihre Spende gut angelegt ist. Doch es braucht viel Geduld, bis aus den Minipflänzchen jeweils ein Baum gewachsen ist, der dann tatsächlich schlechte in gute Luft wandelt. Zwar pflanzen die Förster bei Futuro Forestal schon seit zehn Jahren ihre Mischwälder an. Doch der jetzt produzierte Schadstoff wird erst in weiteren zehn Jahren ausgeglichen werden. Bei den Projekten, die Atmosfair betreibt, geht der Wandel deutlich schneller. Spendenquittungen für die gute Tat gibt es bei beiden Organisationen. Marlene Endruweit m.endruweit@netcologne.de zm 97, Nr. 8, 16.04.2007, Seite 98-100 |