Der besondere
Fall Airflowtherapie: Unilaterales zervikofaziales EmphysemSandra Hirzel et al. |
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16.
April 2009 - Der vorliegende Fallbericht ist gerade für den
Praktiker, der in der Prophylaxe mit dem Airflow-Gerat arbeitet, interessant.
Ein 44-jähriger anamnestisch gesunder Patient stellte sich mit einer schmerzhaften, linksseitigen perimandibulären Schwellung vor. Bei der klinischen Untersuchung bestand bei Palpation ein Knistern unter der Haut. Der Patient beschrieb schwache, linksbetonte Schluckbeschwerden. Er war fieberfrei, und es bestand kein allgemeines Krankheitsgefühl. Drei Stunden zuvor wurde in einer zahnärztlichen Praxis eine professionelle Zahnreinigung unter Zuhilfenahme des Airflow-Gerätes durchgeführt. Während der Airflow-Behandlung verspürte der Patient einen plötzlichen, starken Schmerz im Bereich des linken Unterkiefers. Das zusätzlich aufgetretene Fremdkörpergefühl blieb auch nach Behandlungsende im Bereich des linken Untergesichts bestehen. Es entwickelte sich eine zunehmende Schwellung der Wange mit einem ausgedehnten Druckgefühl. Dentalanamnestisch berichtete der Patient, dass die konservierenden und prothetischen Restaurationen vor etwa fünf Jahren erneuert wurden. Vor über 25 Jahren wurde Zahn 36 endodontisch behandelt und nachfolgend eine Wurzelspitzenresektion mit retrograder Amalgamfüllung durchgeführt. Halbjährlich stellte sich der Patient zur zahnärztlichen Kontrolle
Der Patient wurde aufgrund der progredienten Schwellung mit zunehmenden Schluckbeschwerden stationär zur Überwachung und intravenösen kombinierten Breitbandantibiotikagabe mit Cefuroxim einmal zwei Gramm sowie Clindamycin dreimal 600 Milligramm aufgenommen. Unter dieser Therapie nahm das Emphysem ab und die Schluckbeschwerden besserten sich. Nach Abklingen der Symptomatik wurde der Patient zwei Tage später bei unauffälligen Entzündungsparametern nahezu beschwerdefrei in die ambulante Nachbehandlung entlassen. Die Antibiotikagabe wurde noch für drei Tage per os fortgesetzt. Sämtliche Nachkontrollen waren unauffällig. Der Lokalbefund hatte sich deutlich gebessert: Die Schwellung war rückläufig und im Seitenvergleich der perimandibuläre Bereich nahezu identisch. Das Drückgefühl und die Schmerzen waren nicht mehr vorhanden. Diskussion Emphyseme nach zahnärztlichen Behandlungen sind in der Literatur häufig dokumentiert [Aquilina & McKellar, 2004; Frühauf et al., 2005; Goodnight et al., 1994; Vacic, 2004]. Kommt es zu einem Lufteinschluss im Bereich der Weichteile im Rahmen einer zahnärztlichen Behandlung, so ist der Erkrankungsbeginn zumeist schlagartig und die
Zur gesicherten Diagnose von Lufteinschlüssen sind neben der klinischen Untersuchung Thoraxröntgenaufnahmen in zwei Ebenen anzufertigen. Die unteren Halsweichteile als auch das Mediastinum sind hier zur Beurteilung ausreichend abgebildet [Terzic et al., 2006]. Zur genaueren Darstellung der Ausdehnung von Emphysemen ist eine Computertomografie des Kopf-Hals-Thorax-Bereiches empfehlenswert [Lopez-Pelaez et al., 2001]. Differentialdiagnostisch muss im vorliegenden Fall eine allergische Reaktion [Yang et al., 2006], ein Pneumothorax [Stern et Nadler, 2004], ein spontanes Pneumomediastinum und eine Ruptur im Bereich des Aerodigestivtraktes [Liechti et Achermann, 2002) ausgeschlossen werden. Therapeutisch erfolgte bei dem vorgestellten Patienten eine Überwachung der Kreislauffunktion und eine antibiotische Behandlung entsprechend dem anzunehmenden Keimspektrum [DiNubile et Lipsky, 2004]. Eine Laboruntersuchung sollte die Diagnostik komplettierten und dient der Verlaufskontrolle. Auch bei Vordringen des Emphysems in das Mediastinum sind primär die antibiotische
Ursächlich für subkutane und mediastinale Luftansammlungen sind verschiedenste zahnärztliche Behandlungen. In der Literatur werden am häufigsten Behandlungen mit luftgetriebenen Turbinen [Aquilina et McKellar, 2004; Goodnight et al., 1994; Stanton et al., 2005; Torres-Melero et al., 1996; Vacic, 2004; Zemann et al., 2007] erwähnt. Auch bei Wurzelkanalbehandlungen [Nahlieli et Neder, 1991], nach Weisheitszahnentfernungen [Locher et al., 1995; Shackelford et Casani, 1993; Terzic et al., 2006], oralen Traumata [Lopez-Pelaez et al., 2001; McHugh, 1997; Ramsy et Finlay, 2000] und sogar nach orthognather Chirurgie [St-Hilaire et al., 2004] sind Hautemphyseme bis zum Pneumomediastinum beschrieben. Ätiologisch ist ein Übertreten von Luft über kleine Mukosaeinrisse verantwortlich. Auch der Luftdruck eines Airflow-Gerätes reicht bei unsachgemäßer Anwendung zur Emphysembildung [Radtke et Augustin, 2007]. Im vorliegenden Fall stellte die Paro-Endo-Läsion des wurzelresezierten Zahnes 36 die Lufteintrittspforte dar.
Tipps für die Praxis Die rasche Abklärung einer subkutanen Luftansammlung ist eine dringliche Maßnahme, da jede Verzögerung das Leben des Patienten gefährden kann. Aufgrund der möglichen differentialdiagnostischen Ursachen ist eine schnellstmögliche Weiterleitung des Patienten in eine Fachklinik zur Diagnostik und Überwachung nötig, da eventuell chirurgisch lebensrettende Maßnahmen schnellstmöglich ergriffen werden müssen. Dr. Sandra Hirzel Dr. Dr. Denys Loeffelbein Prof. Dr. Herbert Deppe Prof. Dr. Dr. Klaus-Dietrich Wolff Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie Klinikum rechts der Isar Technische Universität München Ismaninger Straße 22 81675 München Sandra.Hirzel@med.uni-muenchen.de zm 99, Nr. 8, 16.04.2009, Seite 46-48 |
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