1. Mai 2006 -
Bewegungsschmerzen sind ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das
längst nicht nur ältere, sondern durchaus auch jüngere Menschen
betrifft. Oft sind arthrotische Gelenkveränderungen die Ursache. Sie
verlangen eine adäquate Therapie, damit sich die Schmerzproblematik nicht
durch eine anhaltende Schon- und Fehlhaltung und eine zunehmende Versteifung
der betroffenen Gelenke verstärkt.
Auf Befragen geben zwei von drei Bundesbürgern an, unter
Bewegungsschmerzen zu leiden. Diese sind keineswegs nur ein Altersproblem, denn
auch bei den 40- bis 50-Jährigen klagen mehr als die Hälfte über
Gelenkbeschwerden. Das ist das aktuelle Zwischenergebnis der Herner
Arthrose-Studie (HERAS) bei 3 700 Bürgern aus dem Raum Herne. Jeder vierte
Teilnehmer der Befragung erklärte,
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| Bewegungsschmerzen entstehen durch
die Folgen der Knorpeldegeneration in den Gelenken. |
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bereits beim Gehen auf einem unebenen Untergrund
starke Schmerzen zu verspüren und ein Fünftel konnte selbst leichte
Haushaltstätigkeiten nur unter Schmerzen bewältigen. Die Erhebung
ergab darüber hinaus, dass nur etwa ein Drittel der Betroffenen
Schmerzmittel von ihrem Arzt erhalten und dass nur rund einem Viertel
Krankengymnastik verordnet wird.
Viele Gelenke betroffen
Am häufigsten betrifft entsprechend den HERAS-Daten der Bewegungsschmerz
das Kniegelenk. Mehr als 36 Prozent der Befragten geben Knieschmerzen an,
gefolgt von Problemen in der Schulter, in der Hand, in der Hüfte, im
Fuß, im Ellbogen und im Sprunggelenk. Wie groß die
persönlichen Konsequenzen sind und auch die wirtschaftlichen
Implikationen, zeigen die Zahlen zum Gelenkersatz: Alleine in Deutschland
erhalten jährlich rund 180 000 Menschen ein neues Hüftgelenk. Etwas
niedriger ist die Zahl der jährlich implantierten
Kniegelenks-Endoprothesen, und seltener noch werden andere betroffene Gelenke
ersetzt.
Ursache: Arthrose
In der Mehrzahl der Fälle geht der Bewegungsschmerz auf eine Arthrose,
also auf eine Schädigung des Gelenkknorpels, zurück. Ursachen des
krankhaften Gelenkverschleißes können Fehlhaltungen sein,
frühere Sportverletzungen sowie Überlastungen, beispielsweise durch
Übergewicht. Über- und Fehlbelastungen haben degenerative
Veränderungen zur Folge, was seinerseits bedingt, dass der Knorpel
schließlich auch normalen Alltagsbelastungen nicht mehr standhält.
Bei der Arthrose handelt es sich anders als beim Rheuma um eine primär
nicht entzündliche Gelenkerkrankung. Sie kann einzelne große
Gelenke, wie das Kniegelenk (Gonarthrose) oder das Hüftgelenk
(Coxarthrose), betreffen oder auch mehrere kleinere Knochenverbindungen, wie
die Fingergelenke oder die Wirbelsäulengelenke (Spondylarthrose). In den
angelsächsischen Ländern wird die Arthrose üblicherweise als
Osteoarthritis bezeichnet.
Peu à peu zur Degeneration
Egal, welches Gelenk betroffen ist, die Arthrose entsteht stets nach dem
gleichen Muster: Der Gelenkknorpel, der den Knochen wie ein Schutzmantel
überzieht und eine Art
Stoßdämpferfunktion hat, verliert an Elastizität, das Gewebe
wird dünner und es kommt zu kleinen Einrissen. Die Schäden sind
zunächst auf eine kleine Fläche begrenzt, etwa auf zwei
Quadratzentimeter und nur oberflächlich. Später, wenn der
Knorpelabrieb sich fortsetzt, können größere knorpelfreie
Bereiche auftreten, man spricht dann auch von einer Glatzen-Arthrose.
Im weiteren Verlauf verdichtet und verhärtet sich der subchondrale
Gelenkknochen, es bilden sich am Rand Verformungen, wodurch die
Gelenkfläche selbst kleiner wird. Es können sich außerdem
kleine Knorpelstückchen ablösen, die die Gelenkinnenhaut reizen, was
Entzündungsprozesse und eine vermehrte Bildung der Synovia und damit einen
Erguss nach sich zieht.
Im Spätstadium der Arthrose ist der Knorpel fast vollständig
abgerieben. Der Knochen liegt frei und reibt direkt auf den Knochen der
Gelenkgegenseite. Es haben sich knöcherne Wülste, die Osteophyten
entwickelt, das Gelenk sieht optisch breiter aus als früher.
Symptome der Arthrose
Die Knorpelschädigung selbst verursacht keine Beschwerden, da der Knorpel
nicht von Nerven durchzogen ist. Er enthält auch keine
Blutgefäße, vielmehr wird das Gewebe durch die
Gelenkflüssigkeit, die Synovia, ernährt. Sie wird von der
Gelenkinnenhaut gebildet und in den Gelenkspalt abgegeben, wo sie auch zur
Gelenkschmierung dient.
Bewegungsschmerzen entstehen durch die Folgen der Knorpeldegeneration, die zu
Entzündungsprozessen und zum Erguss führen kann. Die Folgen sind eine
Spannung der Gelenkkapsel und eine aktivierte Arthrose.
Neben den Schmerzen, die zunächst als Belastungsschmerz, später auch
als Ruheschmerz manifest werden, klagen Arthrose-Patienten oft über
Spannungsgefühle im betroffenen Gelenk und über ein Gefühl der
Gelenksteife. Weitere Symptome sind ein Ermüdungsschmerz sowie eine
Erwärmung oder Schwellungen im Gelenkbereich.
Der Bewegungsschmerz verstärkt sich in aller Regel wie in einem
Teufelskreis. Üblicherweise steht bei der beginnenden Arthrose der
Anlaufschmerz im Vordergrund. Bewegungen nach längeren Ruhephasen machen
sich mit einem scharf einschieß
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Die Herner Arthrose-Studie
(HERAS): Als Lokalisation von Gelenkbeschwerden wurde am häufigsten das
Kniegelenk genannt. In absteigender Reihenfolge folgten Schultergelenk,
Hände, Hüftgelenk und andere Gelenke. |
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enden Schmerz bemerkbar, der schließlich
unter der Bewegung nachlässt. Neben dem Anlaufschmerz geben die
Betroffenen vor allem Schmerzen beim Treppensteigen an, und zwar sowohl beim
Hinaufgehen der Treppen und oft mehr noch bei Abwärtsgehen.
Menschen mit Arthrose und Bewegungsschmerzen nehmen meist automatisch eine
Schonhaltung ein, wodurch sich langsam aber stetig die Beweglichkeit des
betroffenen Gelenks einschränkt. Auch die umgebende Muskulatur
schwächt sich infolge der geringeren Beanspruchung. Die Elastizität
des Gelenks und der umgebenden Bänder, Sehnen und Muskeln lässt nach.
Es kommt zu Muskelverspannungen, zu Muskelverhärtungen und zu
Muskelverkürzungen, was den Zug der Sehnen am Gelenkknochen und den Druck
auf die Gelenke erhöht und zur zunehmenden Bewegungseinschränkung
führt. Bei weiterer Krankheitsprogression sind die Deformierung des
Gelenks und ein Funktionsverlust unausweichlich.
Teufelskreis: von der Arthrose zur Arthritis
Durch Entzündungsprozesse kann die Arthrose in eine Arthritis
übergehen, wobei eine fortbestehende generalisierte Entzündung
ihrerseits den weiteren Gelenkverschleiß fördert. Neben den
Bewegungsschmerzen treten bei der Arthritis auch Ruheschmerzen auf. Diese
treten besonders nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, Schwellungen
einzelner oder mehrerer Gelenke sowie eventuell auch die Entstehung kleiner
Rheumaknoten in Gelenknähe sind unausweichlich die Folge.
Diagnostik bei Arthrose
Liegen die charakteristischen Bewegungsschmerzen vor, so kann die
Verdachtsdiagnose Arthrose durch funktionelle Tests und durch bildgebende
Verfahren erhärtet werden. Mittels einer Röntgenuntersuchung lassen
sich typische Veränderungen, wie ein verengter Gelenkspalt, nachweisen und
mit der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) sind die Gelenkstrukturen und
entsprechende degenerative Veränderungen gut darstellbar.
Die beobachteten Auffälligkeiten stehen oft nicht in direktem Zusammenhang
mit den klinischen Befunden. Es gibt Patienten mit ausgeprägten
degenerativen Veränderungen, die kaum Beschwerden angeben, während
andere starke Beschwerden bei nur diskreten Befunden aufweisen.
Keine kausale Heilung
Die Arthrose ist nicht heilbar, da der Knorpel sich nicht neu bildet, sich
nicht regeneriert und auch mit den herkömmlichen Behandlungsmethoden nicht
ersetzt werden kann. Allerdings gibt es verschiedene Verfahren, mit denen sich
der Bewegungsschmerz lindern lässt. Einen wesentlichen Anteil an der
Behandlung hat die Schmerztherapie, wobei in erster Linie antiinflammatorisch
wirksame Schmerzmittel zum Einsatz kommen. Einen hohen Stellenwert haben
darüber hinaus physikalische Maßnahmen, wie die Kältetherapie,
die Krankengymnastik und begleitende Verfahren, wie beispielsweise eine
Lymphdrainage bei Ödembildungen. Es kann ferner eine gezielte
antientzündliche Behandlung mittels der intraartikulären Injektion
von Kortikoiden ratsam sein oder die Injektion von Hyaluronsäure ins
Kniegelenk, die physiologischerweise als "Gelenkschmiere" fungiert.
Neben solchen Therapiemaßnahmen kommen operative Verfahren in Betracht
wie die Arthroskopie, bei der mittels der Lavage Entzündungsstoffe und
Knorpelabrieb aus dem Gelenk herausgespült werden. Neben dieser
Gelenktoilette können beim Shaving Auffaserungen des Knorpels entfernt und
die Knorpelränder geglättet werden oder es können im Rahmen des
Debridements eingerissene Meniskusränder rekonstruiert werden. Die
Maßnahmen führen nicht zu einer kompletten Heilung der Arthrose,
haben aber in aller Regel eine deutliche Symptomlinderung zur Folge. Wesentlich
für den weiteren Krankheitsverlauf sind außerdem eine gezielte
Nachbehandlung und eine ausreichende und regelmäßige Bewegung.
Bei neueren Therapieverfahren wird außerdem versucht, den Gelenkknorpel
durch kleine gezielt gesetzte Verletzungen zur Proliferation zur stimulieren.
Es bildet sich dabei ein Knorpelgewebe von etwas minderer Qualität, der
Eingriff aber bewirkt in der Regel eine deutliche Besserung der
Bewegungsschmerzen.
Große Hoffnungen werden im Hinblick auf die Arthrose auf die
Knorpeltzelltransplantation gesetzt. Bereits heutzutage ist es möglich,
per Arthroskopie körpereigene Knorpelzellen zu entnehmen, im Labor zu
züchten und anschließen, bei einem zweiten operativen Eingriff in
das Gelenk zu implantieren.
Das künstliche Kniegelenk
Ist die Arthrose weit fortgeschritten, kann oft nur noch durch einen
künstlichen Gelenkersatz Linderung der Bewegungsschmerzen erwirkt werden.
Zu unterscheiden dabei ist zwischen
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| Senta Berger, Schirmherrin der
Initiative "Stark gegen den Schmerz": "Mit gelenkschonendem
Sport halte ich mich bei jedem Wetter fit und beweglich." |
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Knieteilprothesen und Knie-Totalendoprothesen
(TEP). Ist das Kniegelenk beispielsweise durch eine Achsenfehlstellung nur
einseitig degenerativ verändert, so kann eine einseitige Knieprothese,
eine so genannte Schlittenprothese, implantiert werden. Der Eingriff ist
weniger aufwändig als die TEP und kann minimalinvasiv erfolgen, hat einen
geringeren Blutverlust und eine kürzere Rehabilitationszeit zur Folge.
Bei höhergradigen Fehlstellungen und fortgeschrittener schwerer Arthrose
sowie entsprechend starken Bewegungsschmerzen kann ein vollständiger
Oberflächenersatz notwendig werden. Dabei wird der degenerierte
Gelenkknorpel abgetragen und durch eine Metalloberfläche ersetzt. Bei der
anschließenden physiotherapeutischen Nachbehandlung lernt der Patient;
das neue Gelenk mittels seiner Bänder, Sehnen und Muskeln zu strecken und
zu beugen, so dass normales Gehen und Laufen wieder möglich wird.
Das künstliche Hüftgelenk
Häufiger als die Knie-TEP wird eine Hüftendoprothese implantiert. Der
Eingriff ist bereits seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts
möglich und der Hüftgelenksersatz ist längst zu einem
Routineverfahren geworden. Dabei wird der durch Arthrose geschädigte
Hüftkopf des Oberschenkels entfernt und durch einen Hüftkopf aus
Metall, der über den Hüftschaft im Oberschenkelknochen verankert
wird, ersetzt. Der künstliche Hüftkopf wird in eine künstliche
Hüftpfanne mit Inlay eingesetzt. Als Materialien werden üblicherweise
Titanlegierungen, Kobaldchromlegierungen und auch Keramiken sowie Kunststoffe
gewählt, die Implantation kann mittels Knochenzement oder zementfrei
erfolgen. Die Haltbarkeit der Hüftendoprothesen liegt derzeit bei 15 bis
20 Jahren. Da der Eingriff nicht selten auch bereits bei jüngeren
Patienten erforderlich ist, wird möglichst schonend und knochenerhaltend
operiert, um im Bedarfsfall bei einem notwendigen Prothesenwechsel noch
genügend Knochenmaterial für die Verankerung der Wechselprothese
vorzufinden. Ist ein Ersatz des erkrankten Gelenks nicht möglich, so kann
in schweren Fällen, beispielsweise bei einer Sprunggelenksarthrose auch
eine Gelenkversteifung erwogen werden.
Praktische Tipps
Bewegungsschmerzen lassen sich nicht nur durch die geschilderten
Therapieverfahren lindern, sondern auch durch ein vernünftiges Verhalten.
Hier ein paar Tipps: Bewegung ist sehr wichtig, aber nicht jede Sportart und
Bewegungsform ist für Menschen mit Arthrose gleichermaßen geeignet.
Sportarten mit ruckartigen Bewegungen, zum Beispiel Fußball- oder
Tennisspielen, sind zu vermeiden, ebenso Sportarten, bei denen die betroffenen
Gelenke über Gebühr belastet werden, wie etwa Joggen bei einer Knie-
oder auch Hüftarthrose. Bei einer Arthrose der Hände sind Sportarten
wie Basketball, Skilanglauf oder Rudern ungeeignet, weil sie eine
zusätzliche Belastung darstellen. Geeignet sind dagegen alle
Bewegungsformen, bei denen die Gelenke entlastet werden, etwa Fahrradfahren
oder Schwimmen und Aqua-Jogging.
Bei Knie- oder Hüftgelenkarthrose und ebenso bei der Arthrose der
Hände sollte außerdem das Tragen schwerer Lasten vermieden werden,
da dies die erkrankten Gelenke zusätzlich belastet. Beim Treppensteigen
sollte das Treppengeländer genutzt werden und es sollte auf sicheres
Schuhwerk mit festem Halt und mit flachen Absätzen geachtet werden. Gehen
in unebenem Gelände ist möglichst zu vermeiden, bei längerem
Sitzen sollten die Beine ausgestreckt werden und beim Aufstehen hilft es, sich
mit beiden Händen abzustützen.
Bei einer Arthrose der Hände helfen einfache Tricks im Haushalt. Dort
sollte Geschirr mit breiten Griffen angeschafft werden und man kann sich
angewöhnen, schwere Gegenstände, zum Beispiel Kochtöpfe, stets
mit beiden Händen zu tragen.
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Die Autorin der Rubrik "Repetitorium" ist
gerne bereit, Fragen zu ihren Beiträgen zu beantworten
Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
50735 Köln |
zm 96, Nr. 9, 01.05.2006, Seite
46-51
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