1. Mai 2006 - Gerade im
Frühjahr werden immer häufiger Vergiftungsfälle bei den
zuständigen Vergiftungszentralen und in Krankenhäusern gemeldet. Ganz
besonders häufig ist dies in den letzten Jahren zu beobachten
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Bärlauch wächst im noch
kühlen Frühjahr auf schattigem, nährstoffreichem, feuchtem
(Wald-)boden. Wenn die traubenförmigen Blüten erscheinen, sollte er
nicht mehr verzehrt werden, Der Geruch ist typisch: stark nach
Knoblauch |
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seit das würzige "Wildkraut"
Bärlauch als Tipp auf den Speisekarten der Sternepäpste und auf der
Hitliste der Hobbygourmets steht.
Jeder, der im Frühjahr schon mal die A 5 Richtung Karlsruhe /Basel
unterwegs war, kennt ihn. Den betörend typischen Geruch des Wildkrautes
Bärlauch, eines parallelnervigen, in Büscheln wachsenden Blattwerks
mit unscheinbaren weißen kleinen Doldenblüten und einer Höhe
von bis zu etwa 45 Zentimetern. So wie sie im März/April bei den ersten
Sonnenstrahlen auf feuchtem Waldboden (wie hier bevorzugt in den Wäldern
der Altrheinarme oder anderen Flußauen) plötzlich auftaucht und
ihren stark an Knoblauch erinnernden Duft verströmt, so schnell ist die
Pflanze auch wieder verschwunden - bis zum nächsten Jahr. Die Tatsache,
dass Bären nach ihrem Winterschlaf dieses Kraut, das im Volksmund auch
unter Falscher Knoblauch, Wilder Knoblauch oder als Hexenzwiebel bekannt ist,
als erste Nahrung zu sich nahmen, brachte der Delikatesse ihren Namen ein.
Seine Popularität als Bärlauchpesto über Nudeln, als
Brotaufstrich, in Form eines Kräutermantels um das Sonntagsfilet oder als
Farb- und Geschmacksbeiwerk zum Brot- oder Nudelteig haben manchen Hobbykoch
veranlasst, die aktuelle Küchenzutat vom Sonntagsspaziergang mit nach
Hause zu bringen. Oftmals mit Folgen. Denn eine Verwechslung des Blattes mit
dem der Herbstzeitlosen ist sehr schnell geschehen - wenn der Standort nicht
berücksichtigt wird. Colchicum autumnale - die Herbstzeitlose - ist
bekannt durch ihre krokusartigen, blau-violetten Blüten, die, wie der Name
schon sagt, im Herbst auf
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Zutaten für 4 Pers.: 50 g
geröstete Pinienkerne, 1 Bund Bärlauch ohne Stiele, 50 g frisch
geriebener Parmesan, 4-6 EL kaltgepresstes Olivenöl, schwarzer Pfeffer /
Mühle, Salz
Zubereitung: Geröstete Kerne und Bärlauch sowie Käse fein
pürieren. Soviel Olivenöl hinzufügen, dass eine cremige Paste
entsteht. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. |
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Trockenwiesen, die vornehmlich nährstoffarm
sind, dem Betrachter Freude bereiten. Wer sie schon einmal gepflückt hat,
hat sich sicherlich bewundert, dass es keine Blätter zur Blüte gab.
Diese jedoch erscheinen im Frühjahr ohne Blütenstand und sind nach
den trockenen Sommermonaten wieder verschwunden. Da auch Colchicum als
Einkeimblättrige Pflanze zu den Liliengewächsen zählt, hat auch
sie parallelnerviges Blattwerk, das dann mit der Bärlauchpflanze leicht zu
verwechseln ist. Bärlauch jedoch braucht nährstoffreichen, feuchten
Boden - idealer Ort sind also die im Frühjahr häufig
überschwemmten Auenwiesen - und unbedingt einen schattigen, nicht zu
warmen Platz zum Gedeihen. Das allein schon ließe eine Verwechslung gar
nicht erst zu. Auch der Duft hilft, das richtige Kraut zu finden. Botaniker
nennen als Unterscheidungsmerkmal vor allem den Geruch: Bärlauch riecht
wie Knoblauch, die Blätter der Herbstzeitlosen haben im Gegensatz dazu
keinen Geruch. Wer unschlüssig ist, zerreibt ein Blatt leicht zwischen den
Fingern und prüft mit der Nase.
Vergiftung besonders nach Erhitzen
Wer Herbstzeitlose in den Salat mischt, kann unter Umständen noch mal
Glück haben, werden die Blätter jedoch in der Suppe oder Sauce
heiß gemacht, kann der Cocktail tödlich werden, so schreibt die
Leiterin der Vergiftungs- und Informationszentrale (VIZ) Freiburg Dr. Maren
Hermanns-Clausen. Besonders schwer betroffen sind ältere Patienten.
Die Symptome der "falschen Bärlauch-Vergiftung" reichen vom
normalen Durchfall über Erbrechen bis
hin zum Multiorganversagen. In vielen Fällen waren die Leberwerte der
Patienten deutlich erhöht, auch ein akutes Nierenversagen sowie
Lungenödeme traten bei einigen Patienten auf. Der Wirkstoff Colchicin aus
der Herbstzeitlosen bindet an das intrazelluläre Protein und hemmt dessen
Polymerisation. Dies führt zu einer gestörten Proteinzusammensetzung
im Golgiapparat, einer herabgesetzten Endozytose, einer veränderten
Zellform, reduzierter Zellmotilität und einem Stop der Mitose im
frühen Zellzyklus, der Metaphyse. "Körperzellen mit hoher
Teilungsrate, wie das Knochenmark und die epitheliale Zellen des
Gastrointestinaltraktes, sind besonders empfindlich", so die Freiburger
Wissenschaftlerin in einem Beitrag, der in der MMW Nr. 12 /2006
veröffentlicht wurde.
sp
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Herbstzeitlose
Blätter der Herbstzeitlosen enthalten
zwischen 0,075 und 0,2 Prozent Colchicin. Eine Portion Salat kann also zwischen
40 bis 120 mg des Giftes enthalten, was bei einem 80 Kg schweren Erwachsenen
durchaus letal sein könnte (DL 0,6 - 1,5mg/Kg).
Wer auf Bärlauchpesto steht und nicht sicher ist, ob es sich um das
richtige Kraut handelt, der sollte unbedingt Notrufnummern bei der Hand haben,
zum Beispiel die der Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn:
Tel: 0228-19240
und die des nächsten Krankenhauses.
Maiglöckchen
Auch Maiglöckchenblätter (Convallaria
majalis) werden von Laien öfters für Bärlauch gehalten. Diese
sind aber immer viel dicker, haben zehn bis zwanzig Zentimeter hohe,
grundständige Laubblätter und unbeblätterte Blütenstengel
mit einseitswendiger, mehrblütiger Traube an der Spitze.
Die Blätter sind langgestielt, langscheidig, elliptisch bis lanzettlich
und zugespitzt. Das Blatt ist im Vergleich zum Bärlauchblatt
dunkelgrün und fest, während die Bärlauchblätter weicher
sind. Wenn man zum Beispiel einen gepflückten Strauß in der Hand
hält und diesen hin und her bewegt, machen Bärlauchblätter die
Bewegungen mit, giftige Maiglöckchenblätter jedoch nicht. Als
Unterscheidungsmerkmal hilft vor allem der Geruch: Bärlauch riecht wie
Knoblauch, Maiglöckchen- und Herbstzeitlosenblätter haben im
Gegensatz dazu keinen Geruch. Wer unschlüssig ist, zerreibt ein Blatt
leicht zwischen den Fingern und prüft mit der Nase. Bärlauch sollte
vor der Blüte genossen werden.
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zm 96, Nr. 9, 01.05.2006, Seite 52-53
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