Seltene Weichgewebstumoren der GesichtsregionFelix Koch, Martin Kunkel |
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1.
Mai 2006 - Bei einem 64-jährigen Patienten fiel in einer
Routinekontrolle des Zahnarztes eine schmerzlose Raumforderung der linken Wange
auf. Beschwerden waren bislang nicht aufgetreten. Eine Beziehung zu
Speicheldrüsenfunktion oder ein Zusammenhang zur Dentition war nicht
erkennbar. Auf Befragung gab der Patient an, den Befund erstmals vor acht
Monaten wahrgenommen zu haben, in den letzten Wochen habe er allerdings eine
Größenzunahme bemerkt. Eine Behandlung war bislang nicht erfolgt.
Palpatorisch handelte es
Bei der sonographischen Untersuchung (Abb. 1) zeigte sich im Weichgewebe der Wange eine zur Umgebung abgrenzbare etwa 3 cm im Durchmesser betragende Raumforderung mit zentral recht dichter Binnenstruktur. In der computertomographischen Untersuchung wurde der noduläre aber biphasische Charakter der Läsion mit einer rundlichen, zentralen, hypodensen Zone, umgeben von einer dichteren Gewebeschicht, deutlich. Gegenüber dem umgebenden Wangenfett war der Befund randscharf abgegrenzt (Abb. 2).
In der histopathologischen Untersuchung ergab sich ein zellarmer Tumor mit einem recht gut abgegrenzten myxoiden und einem überwiegend lipomatösen Anteil mit spärlicher Vaskularisation (Abb. 5). Zellatypien waren nicht nachweisbar.
Diskussion Myxolipome und Angiomyxolipome sind seltene Lipomvarianten. Sie bestehen sowohl aus myxoidem als auch differenziertem lipoiden Gewebe und beinhalten in beiden Komponenten auch vaskuläre Strukturen. Die Beschreibung als eigenständige Entität liegt erst wenige Jahre zurück. [Mai et al., 1996]. Bis heute ist insgesamt auch nur selten über diese Entität berichtet worden [Zamecnik, 1999; Tardio und Martin-Fragueiro, 2004]. Elektonenmikroskopische Untersuchungen identifizierten Spindelzellen mit Fettvakuolen als so genannte Präadipocyten in der Übergangszone von lipoidem zu myxoidem Gewebe, ähnlich dem Befund eines Spindelzelllipoms. Cytogenetische Untersuchungen zeigten chromosomale Translokationen t(7;13)(p15;q13) und t(8;12)(q12;p13) wie sie auch bei Lipomen vorkommen [Sciot et al., 2001]. Die bisher beschriebenen Fälle betrafen sämtlich Männer zwischen 40 und 65 Jahren. Klinisch ist das Myxolipom subcutan verschieblich, palpatorisch gut abgrenzbar und nicht druckdolent. Die Größen der beschriebenen Befunde variieren von zwei bis sechs Zentimetern im Durchmesser. Myxolipome weisen generell ein langsames Wachstum mit einem Proliferationsindex von nur etwa drei Prozent auf. Neben der sonographischen Diagnostik kann eine CT-Untersuchung die Dichtunterschiede der lipomatösen und myxoiden Anteile des Tumors gut auflösen. Dieser biphasische Aufbau unterscheidet sich von den sehr viel häufigeren Lipomen des Gesichtsbereiches. Die endgültige Abgrenzung von anderen Lipomvarianten (Angiolipom, Myofibrolipom) aber auch von einem Liposarkom erfordert eine histologische Untersuchung. Im Gegensatz zum infiltrierenden Lipom und zum intramuskulären Lipom [Kindblom et al., 1974] neigt das Myxolipom nach schonender Exzision nicht zu Rezidiven, so dass eine Resektion mit Sicherheitsabstand im allgemeinen nicht notwendig ist. Für die zahnärztliche Praxis soll dieser Befund auf die zahlreichen Varianten von Weichgewebstumoren in der unmittelbaren Umgebung der perioralen Region hinweisen und den Stellenwert der Palpation bei der initialen Untersuchung des Patienten betonen. Dr. Felix Koch Priv.-Doz. Dr. Dr. Martin Kunkel Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Augustusplatz 2, 55131 Mainz kunkel@mkg.klinik.uni-mainz.de Das histologische Präparat wurde freundlicherweise von Prof. Biesterfeld, Institut für Pathologie der Johannes Gutenberg-Universität (Direktor: Prof. Dr. Kirkpatrick) zur Verfügung gestellt. Literaturverzeichnis
zm 96, Nr. 9, 01.05.2006, Seite 42-44 |
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