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Differentialdiagnose der Schwellungen im Parotisbereich
Rezidiv eines AzinuszellkarzinomsTobias Ettl, Oliver Driemel, Torsten E. Reichert |
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1.
Mai 2007 - Eine 51-jährige Patientin wurde mit Verdacht auf ein
Rezidiv eines vor sieben Jahren auswärtig voroperierten
Azinuszellkarzinoms
In der aktuellen klinischen Untersuchung imponierte eine etwa 3 x 6 x 5 cm große, präaurikuläre, und etwa 2 x 5 x 3 cm große, subaurikuläre, druckindolente, derbe und schwer verschiebliche Raumforderung (Abbildung 2). Der Nervus facialis ließ keine Funktionsbeeinträchtigung erkennen. Die Patientin beschrieb weder Schmerzsensationen noch Sensibilitätsstörungen. Intraoral ließ sich eine Vorwölbung der linken Wangenschleimhaut beobachten (Abbildung 3). In der bildgebenden Diagnostik mit Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zeigte sich ein ausgedehnter, inhomogener Tumor im Bereich der linken Glandula parotidea mit Infiltration des linken M. pterygoideus medialis, der V. jugularis interna und der A. carotis interna. Der Tumor hatte sich bis in die Fossa pterygopalatina und den Parapharyngealraum ausgedehnt und arrodierte den Unterkieferkondylus (Abbildung 4). Links nuchal und entlang der Halsgefäßnervenscheide stellten sich dringend metastasenverdächtige lokoregionäre Lymphknoten dar. Das weitere Staging mit Sonographie des Abdomens, Röntgen-Thorax und Positronenemissionstomographie (PET) ergab keinen Hinweis auf Fernmetastasen. Zur Sicherung des vermuteten Rezidivs wurde eine Probeexzision im Bereich des linken unteren Parotispols und eine Lymphknotenexstirpation im Bereich des linken Kieferwinkels durchgeführt. Die histopathologische Begutachtung bestätigte die Diagnose eines Azinuszellkarzinoms (Abbildung 5). Der Patientin wurde eine radikale Resektion des Tumorrezidivs angeboten. Nach wiederholter, ausführlicher Beratung der Patientin wurde eine operative Behandlung abgelehnt und eine palliative, kombinierte Radiochemotherapie eingeleitet.
Diskussion Die aktuelle WHO-Klassifikation der Kopf-Hals-Tumoren definiert das Azinuszellkarzinom (Synonym Azinuszelladenokarzinom, ICD-O 8550/3) als eine maligne epitheliale Neoplasie der Speicheldrüsen, in der zumindest einige der neoplastischen Zellen eine seröse, azinäre Zelldifferenzierung zeigen [Ellis and Simpson, 2005]. Etwa zehn Prozent der primären Speicheldrüsenkarzinome sind Azinuszellkarzinome. Sie können unilokulär oder multilokulär in einer Speicheldrüse auftreten und kommen, wie auch im vorgestellte
Die übliche Bildgebung (Sonographie, CT und MRT) bei Raumforderungen im Bereich der Ohrspeicheldrüse dient in erster Linie der Beurteilung der Dimension des Tumors und des regionalen Lymphabflussgebietes sowie einer möglichen extraparenchymalen Ausbreitung. Sichere differentialdignostische Abgrenzungen können bei Tumoren der Speicheldrüsen, die sich überwiegend ähnlich darstellen, anhand der Bildgebung nicht vorgenommen werden [Ehrenfeld und Prein, 2002]. Die definitive Diagnose lässt sich nur durch eine Probeexzision oder eine Feinnadelaspirationszytologie (FNA) mit entsprechender histologischer Aufbereitung erzielen. Histopathologisch ist das Azinuszellkarzinom durch eine seröse, azinäre Zelldifferenzierung mit soliden, mikrozystischen, papillär-zystischen und follikulären Wachstumsmustern gekennzeichnet [Schultze-Mosgau, 2002]. Differentialdiagnostisch muss das Azinuszellkarzinom der Gl. parotidea zunächst von allen übrigen Tumoren der Ohrspeicheldrüse abgegrenzt werden. Zu achten ist hier vor allem auf mögliche Malignitätskriterien wie eine periphere Fazialisparese und auf Lymphknotenmetastasen. Zudem müssen entzündliche Erkrankungen (Sialadenitiden) der Gl. parotidea mit viraler oder bakterieller Genese diskutiert werden, welche durch eine schnell zunehmende, mit Schmerzen und lokalen Entzündungszeichen einhergehende Schwellung charakterisiert werden [Reuther und Kübler, 2002]. Therapie der Wahl eines Azinuszellkarzinoms der Gl. parotidea ist bei nicht infiltriertem N. facialis die totale konservative Parotidektomie. Eine zervikale Lymphknotenausräumung (Neck Dissection) ist aufgrund der geringen lymphogenen Metastasierungstendenz des Azinuszellkarzinoms erst bei präoperativ verdächtigen Lymphknoten indiziert [Ehrenfeld und Prein, 2002; Neville et al., 2002]. Die Häufigkeit eines Rezidivs wird mit etwa 35 Prozent, die Metastasierungsrate und Letalität mit etwa 16 Prozent angegeben. Die mittlere Zehn-Jahres-Überlebensrate liegt bei 63 bis 68 Prozent [Peel, 2001], wobei Fernmetastasierungen nach über zehnjährigem krankheitsfreien Intervall beschrieben sind [Smukalla et al., 2006]. Im vorliegenden Fall wurde nach mehrmaliger Rücksprache mit der Patientin von einer chirurgischen Therapie Abstand genommen, da eine kurative Resektion in sano bei bereits erfolgter Infiltration der Schädelbasis und der A. carotis interna nicht mehr sicher zu erreichen war. Dr. Tobias Ettl Priv.-Doz. Dr. Dr. Oliver Driemel Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Universität Regensburg Franz-Josef-Strauß-Allee 11 93053 Regensburg oliver.driemel@klinik.uni-regensburg.de
zm 97, Nr. 9, 01.05.2007, Seite 86-88 |
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