Deutsche Gesellschaft für Parodontologie stellt vor:

PSI - Der Parodontale Screening Index

Aufgrund der derzeit in Deutschland nicht gerade optimalen Situation des Parodontalzustandes der Bevölkerung bietet sich eine Methode an, selbst bei der normalen oralen Inspektion ein Parodontalscreening zu erheben. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie hat jetzt anlässlich ihrer Jahrestagung in Heidelberg einen Index vorgestellt, mit dem auch der nicht in der Parodontologie weitergebildete Zahnarzt schnell einen Überblick über die parodontalen Verhältnisse seines Patienten erlangen und diesen im gegebenen Fall an einen Spezialisten verweisen kann.

Früherkennung der Parodontitis

Parodontalerkrankungen sind bei Erwachsenen die häufigste Ursache für Zahnverlust. Dennoch besteht in Deutschland derzeit eine deutliche Diskrepanz zwischen dem statistisch ermittelten Behandlungsbedarf und der Anzahl der tatsächlich durchgeführten Therapien.

Die Ursachen für diese Diskrepanz sind vielfältig. Neben sozialpolitischen Faktoren spielt sicher auch eine unzureichende Diagnostik in der Praxis eine Rolle. Dabei ist es nicht notwendig, bei jedem Patienten sofort einen ausführlichen Parodontalbefund zu erheben: Der Parodontale Screening Index (Periodontal Screening Index, PSI) hat zum Ziel, in einem relativ einfach durchzuführenden Verfahren die visuelle Diagnostik zu ergänzen. Regelmäßig erhoben, bietet der PSI sowohl dem Zahnarzt als auch dem Patienten auf einfache Weise die Gewähr, dass schwerwiegende parodontale Erkrankungen nicht übersehen und der Patienten frühzeitig einer PAR-Therapie zugeführt werden kann. Damit ist das Indexsystem auch ein wertvolles Instrument zur Qualitätssicherung.

Der PSI wurde 1992 in den USA von der American Academy of Periodontology, AAP, zusammen mit der American Dental Association, ADA, entwickelt und beruht auf einem modifizierten CPITN (Community Periodontal Index of Treatment Needs). In den Niederlanden wurde der PSI bereits vor einigen Jahren als obligatorischer Bestandteil der zahnärztlichen Untersuchung eingeführt. In Deutschland setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP e.V.) dafür ein, den Index populär zu machen, damit er zum selbstverständlichen Bestandteil jeder zahnärztlichen Routineuntersuchung wird.

Durchführung und Erhebung

Das gesamte Gebiss wird Zahn für Zahn (unter Einbeziehung von Implantaten) untersucht. Dies erfolgt am besten mit Hilfe einer speziellen Parodontalsonde (WHOSonde), deren Spitze eine kleine Kugel mit einem Durchmesser von 0,5 Millimetern trägt. Im Bereich 3,5 bis 5,5 Millimeter Sondierungstiefe trägt die Sonde ein schwarzes Band (Abb. 1). Die Kugel an der Spitze verhindert nicht nur Verletzungen im Sulkus, sondern ist auch geeignet, Rauigkeiten und überhängende Füllungsränder zu erfassen. Zur Erhebung ist das Gebiss in Sextanten eingeteilt (Abb. 2).

Die Sonde wird distal in den Sulkus des letzten Zahnes eingeführt und um den gesamten Zahn herumbewegt. An bis zu sechs Stellen pro Zahn werden die Befunde erhoben: mesiobukkal, bukkal, distobukkal, distopalatinal, palatinal, mesiopalatinal (Abb.3). Die möglichen Befunde sind in den Codes 0 bis 4 zusammengefasst.

Pro Sextant wird nur der höchste Wert notiert. Stellt man bei der Erhebung einen Code 4-Wert fest, kann man sofort zum nächsten Sextanten übergehen. Ist der Sextant zahnlos, trägt man ein X ein (Abb. 4).

Bei Kindern beschränkt sich die Befundung auf die Zähne 16, 11, 26, 36, 31 und 46 (Abb. 5).

Die Codes

Code 0:

Das schwarze Band der Sonde bleibt an der tiefsten Stelle des Sulkus aller Zähne eines Sextanten vollständig sichtbar. Zahnstein oder defekte Restaurationsränder sind nicht festzustellen. Das Gewebe der Gingiva ist gesund, nach (vorsichtigem) Sondieren tritt keine Blutung auf (Abb. 6).

Code 1

Das schwarze Band der Sonde bleibt an der tiefsten Stelle des Sulkus aller Zähne eines Sextanten vollständig sichtbar. Zahnstein oder defekte Restaurationsränder sind nicht festzustellen. Nach (vorsichtigem) Sondieren tritt eine Blutung auf (Abb. 7).

Code 2

Das schwarze Band der Sonde bleibt an der tiefsten Stelle des Sulkus aller Zähne eines Sextanten vollständig sichtbar. Es lassen sich Zahnstein und/oder defekte Restaurationsränder feststellen (Abb. 8).

Code 3

Das schwarze Band der Sonde bleibt an der tiefsten Stelle des Sulkus aller Zähne eines Sextanten nur teilweise sichtbar (Abb. 9), das heißt, es ist eine seichte Zahnfleischtasche vorhanden, die zuvor genannten Befunde können zusätzlich vorkommen.

Code 4

Das schwarze Band der Sonde verschwindet vollständig in der Tasche. Hiermit wird eine Sondierungstiefe gekennzeichnet, die größer als 5,5 Millimeter ist (Abb. 10). Die Befunde von Code 1 bis 3 können zusätzlich vorhanden sein.

Besonderheiten

Werden weitere klinische Abnormitäten festgestellt, wird der Sextant mit einem Sternchen (*) versehen. Dies trifft unter anderem für folgende Befunde zu:

• Furkationsbeteiligung

• Zahnbeweglichkeit

• Mukogingivale Probleme

• Rezessionen von mehr als 3,5 Millimetern

• Sonstiges

Therapeutische Konsequenzen

 

Obwohl das Ziel des Index die Früherkennung ist und nicht primär die erforderliche therapeutische Maßnahme, lassen sich den einzelnen Codewerten therapeutische Konsequenzen zuordnen.

Code 0

Keine Therapie notwendig, weitere präventive Betreuung.

Code 1

Hier liegt eine Gingivitis vor. Angemessen sind Instruktionen zur Verbesserung der Oralhygiene und Entfernung der Plaque.

Code 2

Auch hier handelt es sich um eine Gingivitis. Instruktion zur Mundhygiene, supraund subgingivale Entfernung von Plaque und Zahnstein, sowie Verbesserung plaqueretentiver Restaurationsränder (PZR) sind angezeigt.

Patienten mit Code-Werten im Bereich 0 bis 2 sollten bei den weiteren Routineuntersuchungen (halbjährlicher Abstand) erneut gescreent werden.

Code 3

Es liegt eine mittelschwere Parodontitis vor. Neben der Verbesserung der Mundhygiene sind zusätzlich zur professionellen Reinigung (PZR) weitergehende diagnostische und therapeutische Maßnahmen im betroffenen Sextanten erforderlich. Sind zwei und mehr Sextanten mit Code 3 bewertet, empfehlen sich weitergehende Maßnahmen für das gesamte Gebiss.

Code 4

Hier liegt eine schwere Parodontitis vor. Neben der Verbesserung der Mundhygiene sind weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen notwendig, wobei das gesamte Gebiss untersucht werden muss. In den meisten Fällen ist eine komplexe Therapie der betroffenen Zähne notwendig.

Die frühzeitige Diagnostik einer parodontalen Entzündung ist für die Gesundheit und den Zahnerhalt von größter Bedeutung. Werden frühe Erkrankungszeichen rechtzeitig erkannt und adäquate Behandlungsmaßnahmen eingeleitet, lassen sich in den meisten Fällen das Voranschreiten und die damit verbundenen Folgeschäden vermeiden. Zahnbettentzündungen sind in der Regel umso leichter zu behandeln, je weniger Gewebeverlust eingetreten ist.

Diagnostische Probleme sind häufig darin begründet, dass die Parodontitis episodisch verläuft und das Gebiss ortsspezifisch befällt. Ein Parodont, das bukkal klinisch perfekt erscheint, kann an anderer Stelle schwere Einbrüche aufweisen. Dies bestätigt die Arbeitsgruppe um Diamanti-Kipioti, die in ihrer Untersuchung feststellte, dass es nicht möglich ist, ein Indexsystem auf wenige Referenzzähne zu beschränken. Dabei werden ungefähr die Hälfte der erkrankten Stellen übersehen. Deshalb ist eine regelmäßige und vollständige Untersuchung sehr wichtig.

Dr. Wolfgang Bengel
Darmstädter Straße 190a
64625 Bernsheim

 

zm-Info

Patienteninformation

Die Anwendung moderner und fortschrittlicher Methoden ist auch immer ein Aushängeschild für die Zahnarztpraxis. Zur Information für die Patienten und für den Zahnarzt wurden zwei Broschüren von der DGP vorbereitet, in dem der PSI erläutert und Patienten zur Mitarbeit motiviert werden.

Kostenlose Exemplare erhalten Sie
über den GABA Beratungs-Service,
Postfach 24 20, 79514 Lörrach
oder unter Fax 07621/90 71 24
beziehungsweise E-Mail:
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