Andrologie

Mehr Auswahl bei der oralen Therapie der Erektilen Dysfunktion

Seit Beginn des Februar läuft ein therapeutischer Wettstreit um die wirksamere orale Therapie der Erektilen Dysfunktion, der – obwohl es um verschreibungspflichtige Medikamente geht – vor allem von den Patienten selbst entschieden wird. Neben dem bislang als Viagra® zum Begriff gewordenen Sildenafil steht nun mit Tadalafil (Cialis®) ein zweiter, chemisch völlig anders strukturierter Hemmstoff des Enzyms Phosphodiesterase-5 (PDE-5) zur Verfügung. Seine Besonderheit: Eine deutlich längere Halbwertszeit, die eine spontanere Möglichkeit zur sexuellen Aktivität ermöglicht.

Endlich könnte es wieder „klappen“, denn neue Medikamente sind auf dem Markt. Foto: Lilly ICOS

Abb. 1: Wirkzeitfenster Tadalafil (* = vollendeter Koitus) Quelle: Porst 2002

Nur etwa 15 Prozent der von einer als behandlungsbedürftig eingestuften Erektilen Dysfunktion betroffenen Männer werden bislang wirklich auch behandelt. Der Markt für PDE-5-Inhibitoren wird aber nicht als sechsmal so groß wie heute abgedeckt eingestuft, sondern als doppelt so groß. Das liegt teilweise am Alter der Patienten, am fehlenden Partner oder auch an einer gewissen Resignation, die immer wieder beobachtet wird, so Prof. Hartmut Porst, Urologe und deutscher Studienleiter für alle PDE-5-Inhibitoren auf der Fachpressekonferenz zur Einführung von Tadalafil am 30. Januar 2003 in Frankfurt.

Wirkzeitfenster vergrößert

Durch die besondere chemische Struktur wird Tadalafil erst nach mehr als 17 Stunden so weit abgebaut, dass die Serumspiegel die Hälfte des maximalen Wertes betragen. Dieser hohe, so genannte t1/2-Wert führt dazu, dass die Patienten selbst 36 Stunden nach der Einnahme noch zu 60 Prozent erfolgreich, dass heißt bis zum vollendeten Koitus mit ihrer Partnerin sexuell aktiv sein konnten. Abb. 1 zeigt die Daten aus einer Studie, die Prof. Porst an 348 Patienten im Vergleich zu Plazebo durchführen konnte. Den Patienten war aufgegeben worden, in einem engen Zeitfenster von mehr als 20 und weniger als 30 Stunden beziehungsweise mehr als 30 und weniger als 48 Stunden nach Einnahme des Versuchspräparates vier Mal einen Geschlechtsverkehr zu versuchen.

Dieses vergrößerte Wirkzeitfenster von Tadalafil spielt für die meisten Paare eine wichtige Rolle, wie die Befragung von 973 Patienten in zwölf Ländern ergab: Als häufigste Nennung, was bei einem neuen Präparat gegen die Erektile Dysfunktion besonders wichtig sei, nannten die Befragten „Sex nicht planen zu müssen“ (93 Prozent „wichtig“ oder „sehr wichtig“). Die nächste Nennung betraf die „Normalisierung“ des sexuellen Verhaltens. Unter den ersten sieben Nennungen kam die Wirkstärke, das heißt die Rigidität der Erektion nicht vor – wahrscheinlich, weil dies vom eingeführten Sildenafil bereits sehr zufrieden stellend bewirkt wird.

Insgesamt zeigt Tadalafil in der höheren Dosis von 20 Milligramm einen Effekt bei 81 Prozent der in Studien behandelten Männer. Zu einem erfolgreichen Sexualverkehr waren 75 Prozent der Patienten fähig. Auch bei Diabetikern, die gewöhnlich als schwer therapierbar gelten, wirkte Tadalafil noch bei 76 Prozent.

Offenes Rennen um die Patientengunst

Prof. Porst geht davon aus, dass die derzeit zwei – und in wenigen Wochen durch die erwartete Einführung des etwas wirkschnelleren Vardenafils (Levitra ®) drei – PDE-5-Inhibitoren nach den Erfahrungen und Präferenzen der Patienten und ihrer Partnerinnen ausgewählt werden. Der Arzt kann nur über die für alle Präparate gleichen Vorsichtsmaßregeln (keine Nitrate oder NO-Donatoren gleichzeitig einnehmen, das – angegriffene – Herz nicht durch eine ungewohnte Belastung gefährden) aufklären. Die Präferenz wird etwa nach folgenden Kriterien gesetzt werden:

• hohe Effektivität (erzielbare Rigidität),

• hohe Zuverlässigkeit,

• natürliches Gefühl der Erektion,

• günstiges Sicherheitsprofil, vor allem wenige Nebenwirkungen,

• größtmögliche Spontaneität des Sexuallebens,

• schneller Wirkeintritt sowie

• vernünftiger Preis.

Gerade im letzten Punkt wird sich noch zeigen müssen, ob der nominell zehn bis 15 Prozent niedrigere Preis von Cialis® im Vergleich zu Viagra® tatsächlich real günstiger ist. Prof. Porst sieht die Wirkstärke von 20 Milligramm Tadalafil etwa bei der von 50 Milligramm Sildenafil. Letzteres ist aber auch als 100mg-Tablette erhältlich, die der Patienten teilen kann, wodurch er etwas günstiger wegkommt als mit der 20mg-Tablette Tadalafil.

Wie es weiter geht

Wahrscheinlich wird die Konkurrenz der drei verfügbaren PDE-5-Inhibitoren auf Dauer den als überhöht empfundenen Preis für die Präparate senken. Die Therapie wird besser auf die individuellen Bedürfnisse der Paare, zum Beispiel beim Führen einer „Wochenend- Ehe“, fokussierbar sein.

Eines der Ziele, die Sexualität bei den erkrankten Männern insgesamt zu normalisieren, wird durch Tadalafil leichter erreichbar sein: Eine tägliche Einnahme niedriger Dosen von etwa fünf Milligramm könnte zur dauerhaften Normalisierung führen – durch ein Präparat mit langer Halbwertszeit ist das einfacher zu verwirklichen.

Till Uwe Keil

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