14. Int. Kongr. of Int. Ass. of DentoMaxilloFacial Radiology (IADMFR)

Fortschritte in der dentalen Röntgentechnik und Diagnostik

Anlässlich des 14. Internationalen Kongresses der International Association of DentoMaxilloFacial Radiology (IADMFR) präsentierten 167 Autoren ein wissenschaftliches Programm mit 37 wissenschaftlichen Fachvorträgen und 142 Posterpräsentationen, 15 Übersichtsvorträgen und zwei Symposien zum aktuellen Stand in der digitalen Bildgebung und zu den Fortschritten bei der bildgestützten Diagnostik der Speicheldrüse. Die über 800 Teilnehmer des Kongresses tauschten hierbei Informationen über bewährte und neue radiologische Verfahren aus.

Aus dem vielfältigen Programm des 14. internationalen Kongresses für dentomaxillofaziale Radiologie zitiert dieser Bericht Beiträge zur Kariesdiagnostik, zum digitalen Röntgen und zu PACS Systemen, zur Strahlenbelastung des Patienten, zur Ausbildung der Studierenden sowie zu neuen bildgebenden Methoden in der zahnärztlichen Radiologie, die für deutsche Praktiker und Wissenschaftler besonders interessant erscheinen.

Kariesdiagnostik

Prof. Ann Wenzel vom Royal Dental College in Aarhus, DK, betonte den wichtigen Unterschied zwischen der Manifestierung von Karies als Demineralisierung der Zahnhartsubstanz und deren Ursache, das heißt der vorausgegangenen bakteriellen Aktivität in der Plaque. Sie machte klar, dass radiologisch nur die Läsion entdeckt werden kann, unabhängig davon, ob die ursächliche Plaque noch vorhanden oder bereits beseitigt worden ist, das heißt die Läsion aktiv oder inaktiv ist. Dies wiederum bedeutet, dass falsch positive Einschätzungen entstehen können, was zusammen mit der meist langsam fortschreitenden Erkrankung zu einem eher konservativen Ansatz in der Therapie führen sollte. Hierbei stellten Bissflügelaufnahmen nach wie vor die nützlichste radiologische Befunderhebung dar, wobei die wirkliche Läsionstiefe anhand der Aufnahmen bekanntermaßen meist unterschätzt werde.

Digitales Röntgen

Die Eignung digitaler Röntgensysteme zur Darstellung von durch Karies verursachten Läsionen war ein weiterer Aspekt der Präsentationen von Prof. Wenzel. Bislang wurden oft nur die verschiedenen Digitalisierungskonzepte miteinander verglichen. Die eine Klasse umfasst die auf elektronischen Chips basierenden Sensoren, wie das Charge-Coupled Device (CCD) oder der Complimentary Metal Oxid Semiconductor (CMOS). Diese Sensoren digitalisieren in Echtzeit das durch die Röntgenquanten in einer Szintillationsschicht entstandene „Lichtbild“. Chip-basierte Sensoren können je nach ihrer technischen Ausführung sehr empfindlich sein. Bedingt durch die notwendigen Gehäuse sind die aktiven Flächen solcher Sensoren in der Regel etwas kleiner als die Referenzgröße des Zahnfilms. Die andere Klasse umfasst die so genannten Speicherfolien. Hier wird das durch die Röntgenquanten entstandene latente Bild in einer dem Szintillator vergleichbaren Materialschicht bis zum Zeitpunkt des Auslesens gespeichert. Diese Systeme ermöglichen insbesondere ein dem Zahnfilm vergleichbares Handling. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Auswahl des Szintillators, das heißt der Leuchtschicht, die die Röntgenstrahlung innerhalb der Sensoren in sichtbares Licht umwandelt, von großer Bedeutung ist. Prof. Allan Farman von der School of Dentistry der University of Louisville, Kentucky, USA, ging in seinem Beitrag erneut auf dieses Thema ein und betonte, dass nicht alle der verwendeten Materialien gleich gut für jede diagnostische Aufgabenstellung geeignet seien. Hier wird auch in Zukunft weiter geforscht werden müssen.

PACS

Die Kopplung von digitalen Modalitäten zu einem Picture Archiving and Communication System (PACS) ist nach wie vor eine wichtige Problematik in der zahnärztlichen Radiologie. Prof. Gerald Sanderink, ACTA (Acad. Centr. Tandheelkunde Amsterdam), berichtete von beeindruckenden Zahlen: Innerhalb von drei Jahren wurden dort etwa 105 000 Aufnahmen von zirka 17 500 Patienten erstellt und digital verwaltet. Zum Vergleich: Am Universitätsklinikum Aachen wurden im Jahre 2000 von 9 241 Patienten insgesamt 13 653 Zahnfilme, Schädelaufnahmen und Orthopantomogramme primär analog erzeugt. Neben Fragen der Austauschbarkeit von Bilddaten, die mit dem internationalen Standard zum Digital Imaging and Communications in Medicine (DICOM) und den dentalen Ergänzung hierzu im Wesentlichen beantwortet sind, bleiben die Fragen nach Vertraulichkeit, Sicherheit und Privatheit als Teilaspekte des Datenschutzes jedoch offen. Bestehende Systemlösungen der Hersteller werden in Zukunft auch unter diesen Gesichtspunkten zu bewerten sein.

Präimplantäre MRT–Diagnostik

Die dreidimensionale Darstellung der prospektiven Implantatregion kann mittels Magnetresonanztomographie (MRT) auch ohne den Einsatz ionisierender Strahlen erreicht werden. Dr. Crawford Gray von der University of Aberdeen in Schottland, und Co-Autoren zeigten in einer interessanten Untersuchung, dass bei T1-Wichtung im MRT die Abgrenzung zwischen Mukosa/Periost und darunter liegendem Knochen problemlos möglich ist, sowie Nerven und Gefäße eindeutig darstellbar sind. Damit kann die MRT als nicht strahlenbelastendes Untersuchungsverfahren alternativ zum CT für die Implantatplanung eingesetzt werden.

Terahertz Pulse Imaging

Das elektromagnetische Spektrum umfasst einen immensen Frequenzumfang. Röntgenund Gammastrahlen liegen im Bereich von 104 bis 1010 THz, wobei die in der Medizin relevante Strahlung Frequenzen von 106 bis 3*108 THz hat. Das sichtbare Licht umfasst Frequenzen von knapp 1 000 THz. Strahlung im Bereich weniger Terahertz wurde bislang nicht in der medizinischen Diagnostik eingesetzt. Erst seit kurzem sind geeignete Sender und Empfängermodule kommerziell verfügbar. Die nicht-invasive Strahlung dringt wenige Millimeter in das Gewebe ein und erlaubt die Unterscheidung verschiedener Gewebearten wie Muskel, Fett, Knorpel und Organe (wie Niere). Dr. Jacqueline Savaker, Guy’s, Kings & St. Thomas’ Dental Institute, King’s Campus, London, zeigte Anwendungen dieser neuen Technologie zur Diagnostik von Tumoren und tumorösen Vorstadien auf Haut und Speicheldrüse.

Strahlenbelastung

„Sollten wir besorgt sein wegen der Strahlenbelastung bei diagnostischen Röntgenaufnahmen? Eine nüchterne Risikoabschätzung.“ Dies war der Titel des Abschlussvortrags von Prof. Neils Frederiksen vom Oral and Maxillofacial Imaging Center, Dallas, USA. Nach einem spannenden Rückblick über die Frühzeit der unkritischen Nutzung von Röntgenstrahlen mit allerlei Irrungen und Wirrungen in der Anwendung, bei der so seltsam anmutende Geräte, wie Gesichtshaarentferner und röntgenbasierte Fußvermessung, zur Sprache kamen, leitete Dr. Frederiksen zur modernen Röntgendiagnostik über. Nachdem heute die Risiken ausgehend von Röntgenstrahlung hinreichend bekannt sind, stellte er diese anderen typischen und untypischen Risiken des Alltags gegenüber. Zusammenfassend stellte er fest, dass nach heutigem Kenntnisstand die mit intraoralen Aufnahmen oder Panoramaschichtaufnahmen verbundenen Gefahren bei regelgerechter Anwendung ein verschwindend geringes Risiko, zum Beispiel für die Induktion eines malignen Tumorwachstums, hätten (< 1:106), während dieses Risiko bei der Anfertigung von Computer- Tomographie Aufnahmen (CT) zirka um den Faktor 1 000 größer ist. Trotzdem, so Dr. Frederiksen, gäbe es zumindest in den USA Personen, die aus Vorsorgegründen (!) von sich ein Ganzkörper-CT anfertigen ließen, gleichzeitig aber in der Zahnarztpraxis die Dosis der dortigen Röntgenaufnahmen sehr kritisch betrachten. Insgesamt könne die normale zahnärztliche Röntgendiagnostik, so sie denn indiziert sei, als relativ unkritisch im Verhältnis zu anderen Gefahren des Alltags eingeschätzt werden, wobei ihre Anwendung jedoch immer auch in Anbetracht der Gesamtbelastung und des Alters des Patienten individuell abgewogen werden müsse.

Ausbildung

„He who can, does. He who cannot, teaches.” Unter diesem etwas provokanten Titel stellte Dr. Eric Whaites vom Guy’s Hospital in London, die Ergebnisse einer weltweiten Umfrage zur Qualität und Quantität der Ausbildung von Zahnmedizinern im Fachgebiet Zahnärztliche Radiologie dar. Dabei ergab sich die Aussage, dass das Fachgebiet wegen seiner erreichten Dimension im Idealfall vom Spezialisten für zahnärztliche Radiologie vertreten werden sollte. Die Resultate der Ausbildung werden maßgeblich von den personellen und materiellen Ressourcen der entsprechenden Hochschulabteilungen bestimmt. Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass Deutschland, was eben diese betrifft, im unteren Mittelfeld der aufgelisteten Staaten wiederzufinden ist. Computerunterstützter Unterricht kann hier deutliche Verbesserungen bewirken.

Fazit

Dieser Ausschnitt aus dem umfangreichen Programm der internationalen Konferenz beruht auf den individuellen Beobachtungen der vier deutschen Teilnehmer am wissenschaftlichen Programm. Er ist damit zwangsläufig lückenhaft und erfasst nur einen Teil der technischen Neuerungen, die bald Einzug in die zahnärztliche Praxis finden könnten. Neben den vielen interessanten wissenschaftlichen Sitzungen hatten es die Veranstalter geschafft, ein perfekt organisiertes und äußerst kommunikatives Rahmenprogramm anzubieten. So hatten die Kongressteilnehmer reichlich Gelegenheit, in lockerer brasilianischer Atmosphäre Kontakte zu knüpfen beziehungsweise aufzufrischen. Der 14. internationale Kongress der IADMFR war also insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, die sicher vielen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben wird. Die nächste internationale Konferenz der IADMFR wird im Jahr 2005 in Kapstatt, Süd Afrika, stattfinden.

Dr. Thomas M. Lehmann,
Institut für Medizinische Informatik,
Universitätsklinikum Aachen,
Pauwelsstr. 30, 52057 Aachen

Dr. Edgar Hirsch,
Universität Leipzig, Zentrum ZMK, Röntgenabteilung,
Nürnberger Str. 57,04103 Leipzig

Dr. Ralf Schulze,
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie,
Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
Augustusplatz 2, 55131 Mainz

Dipl. Ing. Dipl. Ing. [FH] Uwe Zeller,
KaVo Dental GmbH & Co KG,
Bismarckring 39, 88400 Biberach

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