Repetitorium

Sexuell übertragbare Krankheiten

Schon von jeher und spätestens seit HIV und AIDS ist den meisten Bürgern bewusst, dass es bei sexuellen Kontakten zur Übertragung gravierender Erkrankungen kommen kann. Das beschränkt sich aber keineswegs auf die früher häufigen Geschlechtskrankheiten oder HIV. Auch andere Infektionen, wie Herpes, Hepatitiden, Feigwarzen oder parasitäre Erkrankungen, zum Beispiel Filzläuse, können die langwierige Folge eines kurzes Schäferstündchens sein, was allerdings in den meisten Fällen mittels Kondomen zu vermeiden wäre.

Die Gefahr, sich eine Syphilis zu „holen“, war vielen Altvorderen bewusst, wenn sie sexuell aktiv wurden. Doch Syphilis und Gonorrhoe haben dank der Einführung der Antibiotika ihren Schrecken verloren. Dennoch spielen Infektionen, die durch den Geschlechtsverkehr übertragen werden, auch in der heutigen Zeit eine enorme Rolle, wie wohl am eindrucksvollsten das Beispiel der HIV-Infektion demonstriert. Allerdings spricht man im Gegensatz zu früher nicht mehr von Geschlechtskrankheiten, sondern von „Sexuell übertragbaren Krankheiten“ oder kurz von STD als Abkürzung des international gebräuchlichen Begriffs der „sexually transmissible diseases“.

Zur Historie

Die sexuell übertragbaren Krankheiten unterscheiden sich biologisch und pathophysiologisch grundsätzlich nicht von anders übertragenen Infektionen, und es ist sowohl die Übertragung von Viren wie auch von Bakterien und Parasiten möglich. Ein gravierender Unterschied besteht dennoch: Durch den besonderen Übertragungsweg sind die Erkrankungen mit gewissen Tabus behaftet. Abgesehen von HIV und AIDS (siehe Repetitorium in den zm 9/95), über die in der Öffentlichkeit inzwischen infolge der intensiven Aufklärung der Bevölkerung weitgehend frei gesprochen wird, werden STD kaum thematisiert. So kennt praktisch jedermann hier zu Lande den Herpes labialis, eine Viruskrankheit, die mit schmerzhaften Bläschen im Lippenbereich einhergeht und hoch ansteckend ist. Der Herpes genitalis (zm 1/01), das entsprechende Pendant im Genitalbereich, das bei sexuellen Kontakten übertragen werden kann und meist noch weit schmerzhafter ist, ist jedoch weitgehend unbekannt.

Infektionen im Genitalbereich werden von den Betroffenen als peinlich empfunden und selbst beim Arzt oft schamhaft verschwiegen. Das erklärt, warum unter Umständen solche Erkrankungen – zum Beispiel Infektionen mit Papillomaviren oder Chlamydieninfektionen – lange unbehandelt bleiben, wenn sie nicht direkt mit massiven Symptomen und damit mit einem massiven Leidensdruck der Betroffenen verbunden sind.

Lange Liste der übertragbaren Keime

Beim Geschlechtsverkehr können eine Vielzahl von Erregern unter den Akteuren ausgetauscht werden. Das kann, muss aber nicht, erhebliche Erkrankungen nach sich ziehen. Ob es zur Infektion und zum Krankheitsausbruch kommt, hängt weitestgehend von der lokalen und auch der systemischen Abwehrkraft desjenigen ab, der sich die Keime „einfängt“.

Generell können Bakterien, zum Beispiel Gardnerella vaginalis, übertragen werden und bei Frauen Entzündungen im Genitalbereich hervorrufen, oder Neisseria gonnorhoeae, die Erreger der Gonorrhoe, Mykoplasma hominis, die eine Nierenbeckenentzündung verursachen können oder beispielsweise Shigellen, die Erreger der bakteriellen Ruhr. Bekannter und zudem weiter verbreitet sind jedoch viral bedingte STD. Durch den Geschlechtsverkehr ist eine Übertragung von Hepatitiden (ZM 5/95 und 12/02) möglich, aber auch von Herpessowie Papillomviren als Erreger von Kondylo-men (Genitalwarzen) und nicht zuletzt vom Humane Immundefizienz Virus (HIV), dem Verursacher von AIDS.

Auch andere Krankheitserreger erreichen den Menschen über den Geschlechtsakt: Das ist der Fall bei Entamoeba histolytica, dem Erreger der Amöbenruhr, bei Giardia lamblia, dem Erreger der Lamblienruhr, und bei Pilzinfektionen, wie etwa solchen durch Candida albicans. Auch wenn dies unter den heutigen hygienischen Verhältnissen nur noch selten der Fall sein dürfte, sollte man doch nicht unerwähnt lassen, dass auch Parasiten beim Geschlechtsverkehr „ausgetauscht“ werden können und das betrifft in erster Linie Phtirius pubis, die Scham- oder Filzlaus sowie Scabies, die Krätze.

Harnröhrenentzündung durch Chlamydien

Ein Erreger, der bei sexuellen Kontakten sowie über den Geburtsweg übertragen wird, ist das Bakterium Chlamydia trachomatis. Bei Männern verursacht es typischerweise eine Entzündung der Harnröhre. Sie verläuft meist mit Symptomen wie einem erschwerten und eventuell schmerzhaften Wasserlassen. Die Beschwerden sind jedoch oft mild und werden eher als lästig empfunden und in jedem vierten Fall bleibt die Infektion sogar unbemerkt. Noch häufiger besteht eine Chlamydieninfektion bei Frauen, ohne dass dies den Betroffenen selbst bekannt wäre. Zwar kann die Erkrankung akut verlaufen und zu schmerzhaften Entzündungen von Gebärmutterhals, Eileitern und auch Eierstöcken führen, bei rund 75 Prozent der Frauen ist genau das jedoch nicht der Fall. Die Infektion bedingt bei diesen Frauen nur leichte Beschwerden wie ein erschwertes Wasserlassen oder einen leichten Juckreiz und Ausfluss, was jedoch oft nicht als krankhaft erkannt, sondern als Befindlichkeitsstörung abgetan wird und damit nicht zur Diagnose einer Chlamydieninfektion führt.

Die Infektion kann somit chronisch verlaufen und lange unentdeckt und damit unbehandelt bleiben, was die Gefahr von Komplikationen steigert. So kann es zum Aufsteigen der Keime und zu erheblichen Entzündungen der Eileiter und der Eierstöcke, also einer Adnexitis, und sogar zum Übergang auf das Bauchfell kommen, mit starken Schmerzen, Fieber und einem erheblichen Krankheitsgefühl. Durch die chronische Infektion sind außerdem Verklebungen und Verwachsungen der Eileiter bis hin zur Unfruchtbarkeit der Frau möglich.

Auch postinfektiöse Komplikationen sind möglich und das beim Mann wie bei der Frau: Bei entsprechender Prädisposition besteht die Gefahr einer reaktiven Entzündung in den Gelenken, also einer Arthritis, sowie einer Bindehautentzündung. Bei persistierender Infektion ist außerdem im Falle einer Schwangerschaft bei der Geburt der Übergang der Keime auf das Neugeborene möglich, mit Folgen wie einer hartnäckigen Konjunktivitis sowie einer Lungenentzündung.

Behandelt wird die Chlamydieninfektion mit gängigen Antibiotika. Sie heilt in aller Regel folgenlos aus. Zu bedenken aber ist, dass stets auch der Sexualpartner antibiotisch behandelt werden sollte, um eine rasche Reinfektion zu vermeiden.

Genitalwarzen durch Papillomviren

Relativ weit in der erwachsenen Bevölkerung verbreitet sind Genitalwarzen, die durch humane Papillomaviren (HPV) verursacht werden. Die Familie der HPV, bei denen es sich um DNA-Viren handelt, ist vergleichsweise groß und umfasst mehr als 70 bekannte Vertreter, die entsprechend als HPV 1, 2, 3 und so weiter, bezeichnet werden. Die Durchseuchung der Bevölkerung mit Viren wie HPV 6 oder 11, welche die Genitalwarzen verursachen, wird auf etwa zehn Prozent geschätzt, bei anderen Vertretern der Gruppe, wie HPV 1, welche Warzen an Händen und Füßen verursachen, ist sogar eine Durchseuchung von bis zu 50 Prozent realistisch. Die Inkubationszeit liegt bei sechs Wochen, kann im Einzelfall aber auch bis zu mehreren Monaten betragen. Die Infektion kann dabei zu sichtbaren Veränderungen der Haut, etwa der Bildung von Kondylomen (Condylomata accuminata, auch Feigwarzen genannt), führen. Es handelt sich um zunächst flache, später spitze Hautauswüchse, die anfangs einzeln wachsen und schließlich in Gruppen oder sogar in Beeten. Die Warzen können relativ groß werden und unterschiedliche Formen annehmen, ähnlich wie es auch von Warzen an den Händen und Füßen bekannt ist. Sie bilden sich an den Schamlippen, aber auch bis hin zum Gebärmutterhals sowie am Penis und der Harnröhre.

Häufig ist ferner die Analregion betroffen und das unter Umständen bis in den Enddarm hinein. Die Papeln sind hoch infektiös, und es kann eine direkte Infektion innerhalb von Hautfalten und selbstverständlich eine Infektion über den Geschlechtsverkehr erfolgen.

Je nach Aussehen und Wachstum der Papeln lassen sich Unterformen der Infektion, zum Beispiel spitze oder planare Kondylome, unterscheiden. Dabei sind schwere Verläufe und große Wucherungen, die so genannten Buschke-Löwenstein-Tumoren, möglich, mit Fistelbildungen und zugleich erhöhtem Karzinomrisiko. Doch auch bei den „normalen“ Kondylomen kann eine erhöhte Krebsgefahr bestehen und das abhängig davon, mit welchen HPV-Vertretern die Infektion erfolgte.

Diese kann zudem ohne die Ausbildung sichtbarer Veränderungen der Haut ablaufen, also ohne Warzenbildung quasi als latente Infektion.

Behandelt werden Kondylome üblicherweise lokal durch Medikamente, die den Zellwucherungen Einhalt gebieten, wie etwa Zytostatika, aber auch durch Elektrokoagulation oder eine Lasertherapie. In schweren Fällen kann außerdem eine chirurgische Abtragung der Warzen notwendig werden. Die Therapie ist aufwändig und oft langwierig, da sich nicht selten unter der Behandlung an anderer Stelle neue Kondylome ausbilden.

Tripper durch Gonokokken

Die Gonorrhoe, auch Tripper genannt, ist eine durch Bakterien, die so genannten Gonokokken (Neisseria gonnorhoeae), bedingte STD. Die Bezeichnung Gonorrhoe stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Samenfluss“, was bereits auf die charakteristischen Symptome hindeutet. So kommt es beim Mann üblicherweise zur Rötung und zur Schwellung der Harnröhrenmündung mit Brennen beim Wasserlassen und wässrigem später schleimig-eitrigem Ausfluss. Wird die Infektion nicht behandelt, so schreitet sie fort und zwar unter Beteiligung der Prostata und eventuell auch der Nebenhoden mit entsprechenden Schmerzen und Fieber.

Bei der Frau verläuft die Erkrankung typischerweise mit milder Symptomatik, wobei ebenfalls Schmerzen beim Wasserlassen sowie eine häufige Miktion als Ausdruck einer Harnröhrenentzündung im Vordergrund stehen. Wird die Infektion nicht erkannt, so kann sie chronisch werden, auf Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke übergehen und eventuell eine irreversible Sterilität bedingen.

Selten breiten sich die Erreger über den Blutweg aus, was Gelenkentzündungen, Bindehautentzündungen aber auch Entzündungen der Herzinnenhaut und des Herzbeutels sowie Reaktionen im Bereich der Haut zur Folge haben kann. Durch die Möglichkeiten der antibiotischen Therapie hat die Gonorrhoe in unseren Breitengraden an Schrecken verloren. Weltweit dürfte es sich dennoch um die häufigste Geschlechtskrankheit handeln.

Syphilis durch Treponema

Ebenfalls an Schrecken verloren hat in unserer Zeit die Syphilis, auch Lues genannt. Sie wird analog der Gonorrhoe durch Bakterien hervorgerufen, und zwar durch Treponema pallidum, welches zu den Spirochäten gehört. Die Erkrankung verläuft in vier Stadien: Es kommt zunächst an der Eintrittspforte der Keime zur Bildung eines kleinen Knötchens, das zu einem nicht schmerzhaften harten Geschwür heranwächst und auch als „harter Schanker“ bezeichnet wird.

Es bleibt nicht selten unbemerkt und kann zudem folgenlos ausheilen. Häufig aber schreitet die Infektion als so genannte sekundäre Syphilis fort und es kommt zur Verbreitung der Keime über die Lymphbahnen. Die Lymphknoten schwellen an und es entwickeln sich unterschiedliche Hautveränderungen, die jedoch nach einigen Wochen meist spontan abheilen. Dieses sekundäre Krankheitsstadium wird oft begleitet von Fieber, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und einem erheblichen Krankheitsgefühl. Auch in diesem Stadium ist noch eine spontane Heilung möglich, doch kann die Syphilis auch chronisch verlaufen und dann zum Teil nach einem langen beschwerdefreien Intervall (latente Lues) schwere Folgeschäden mit neurologischen Komplikationen sowie Veränderungen am Herzen und im Bereich der Knochen zur Folge haben.

Filzlaus und Co.

Durch besonders engen Körperkontakt werden bekanntlich nicht nur Viren und Bakterien, sondern auch Parasiten übertragen. Das gilt für die Kopflaus nicht anders als für die Filzlaus (Phtirius pubis), die bevorzugt die Schamregion besiedelt. Sie kann sich aber auch in anderen behaarten Körperregionen ansiedeln, vorzugsweise im Bart oder in den Augenbrauen aber auch im Bereich der Achsel- oder der Brusthaare.

Bei den Läusen handelt es sich um Blut saugende Parasiten, die sich im Haar dicht über der Hautoberfläche anhaften und mit kleinen Klauen regelrecht festklammern können. Sie legen Eier, die so genannten Nissen, direkt an den Haarschaft, und aus ihnen entwickeln sich innerhalb von sechs bis neun Tagen die noch nicht geschlechtsreifen Nymphen. Diese häuten sich dreimal, bis die Tiere voll erwachsen sind. Allerdings dauert das Erwachsenenleben nur rund drei Wochen. Während dieser Zeit legen die Weibchen rund 20 bis 30 Eier. Dieser Lebenszyklus verdeutlicht, wie rasch die Filzläuse sich unbehandelt ausbreiten. Von Wirt zu Wirt geschieht das im Wesentlichen durch einen engen Hautkontakt, allerdings ist auch eine Übertragung durch Bettwäsche und Matratzen möglich. Die Infektion verursacht zunächst kaum Beschwerden. Ist die Läusepopulation aber herangewachsen, so kommt es zu so genannten „Rostflecken“ in der Unterwäsche. Diese sind durch kleine Hautverletzungen und Blutungen beim Biss der Läuse bedingt, aber auch durch deren Exkremente. Parallel dazu macht sich die Infektion in diesem Stadium zumeist mit Juckreiz bemerkbar.

Der Lausbefall lässt sich dann auch mit bloßem Auge feststellen. Es muss eine spezielle Behandlung erfolgen, wobei zum Beispiel lindanhaltige Shampoos eingesetzt werden. Alternativ kann eine Behandlung mit Pyrethrinen oder Piperonylbutoxid versucht werden. Die Nissen werden davon jedoch nicht erfasst und sollten möglichst mit einer Pinzette entfernt werden. Das lässt sich durch eine Vorbehandlung mit Essigsäure erleichtern, was jedoch entzündliche Reaktionen der Haut zur Folge haben kann.

Wichtig ist in jedem Fall, dass der Sexualpartner ebenfalls behandelt wird und das auch, wenn mit bloßen Auge bei ihm kein Lausbefall festzustellen ist. Auch sind selbstverständlich die benutzte Wäsche und das Bettzeug sorgfältig zu waschen.

Die Autorin der Rubrik „Repetitorium“ ist gerne bereit, Fragen zu ihren Beiträgen zu beantworten
Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
50735 Köln

Medizinisches Wissen erlangt man während des Studiums. Das liegt für Sie wahrscheinlich schon lange zurück. Inzwischen hat sich in allen Bereichen viel getan, denn Forschung und Wissenschaft schlafen nicht. Wir wollen Sie mit dieser Serie auf den neuesten Stand bringen. Das zm-Repetitorium Medizin erscheint in der zm-Ausgabe zum Ersten eines Monats.

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