Hormonsubstitution auch beim Mann

Wenn in den „besten Jahren“ Antrieb, Lust und Leistung schwinden

Ein echtes Pendant zur Menopause gibt es bei Männern nicht. Doch auch beim vermeintlich starken Geschlecht kommt es mit zunehmendem Alter zu ausgeprägten hormonellen Verschiebungen. Die können ähnliche Beschwerden verursachen, wie sie für die Menopause der Frau beschrieben sind. So leidet auch mancher Mann um das 60. Lebensjahr unter zunehmender Antriebsschwäche, unter Lustlosigkeit, Libidoverlust, depressiven Verstimmungen und unter einem Muskelabbau. Ein Leistungsknick kann auftreten, erhöhte Reizbarkeit und Nervosität, Hitzewallungen und Schlafstörungen.

Testosteronspiegel sinken

Oft liegt solchen Beschwerden beim älteren Mann ein sinkender Testosteronspiegel zugrunde. Denn ab dem 40. Lebensjahr kommt es bei Männern zu einem Rückgang des Hormons Testosteron um durchschnittlich 1,2 Prozent pro Jahr. Konkret bedeutet das jedoch, dass die Werte sich bis zum 70. Lebensjahr im Mittel um 30 Prozent verringern. Allerdings geschieht dies, anders als bei der Frau, langsam und kontinuierlich. Eine echte „Andropause“, wie es der Menopause der Frau entsprechen würde, gibt es beim Mann nicht. Mit der Zeit kann sich aber dennoch ein echtes Testosteronmangelsyndrom einstellen. „Liegt zugleich ein Testosteronspiegel unter zwölf nmol/l vor, so ist auch beim Mann eine Hormonsubstitution indiziert“, berichtete Professor Dr. Hermann M. Behre aus Halle-Wittenberg kürzlich bei einer Pressekonferenz in Hannover. Allerdings sollte nach Behre darauf geachtet werden, dass das Blut für die Spiegelbestimmung in den Morgenstunden abgenommen wird. „Dann nämlich sind die Testosteronspiegel am niedrigsten“, so der Mediziner. Immerhin leiden rund zehn Prozent der 50- bis 59-Jährigen und 20 Prozent der 60- bis 69-Jährigen nach seinen Worten unter einem pathologisch zu niedrigen Testosteron und bei den über 80-Jährigen steigt der Anteil sogar auf mehr als 40 Prozent.

Vielen der betroffenen Männern kann durch eine Substitution des Testosteron nach Behre geholfen werden und das ist nicht nur vor dem Hintergrund der aktuellen Beschwerden sinnvoll, sondern auch, weil sich so zugleich dem weiteren Muskelabbau sowie Veränderungen der Knochen im Sinne einer Osteoporose vorbeugen lässt. Zu fordern ist jedoch, dass natürliches Testosteron verabreicht wird, um die Serumspiegel zu normalisieren und dass die Behandlung ärztlich überwacht wird, mahnte der Mediziner in Hannover.

Substitution per Testosteron-Gel

Dort wurde das erste Testosteron-Gel (Testogel®, Hersteller Jenapharm) vorgestellt. Denn das Hormon lässt sich nicht oral verabreichen und musste daher bislang injiziert werden. Es kann nunmehr als Gel auf die Haut aufgetragen werden, was die Behandlung für die betroffenen Männer erheblich erleichtert. Getestet wurde das Gel unter anderem in einer Studie bei 151 Männern sowie einer Nachfolgestudie bei 92 Männern mit Hypogonadismus über 42 Monate. Dabei wurde beobachtet, dass die Hormonmangelbeschwerden im Studienverlauf deutlich nachließen und die tägliche Anwendung des Gels die Testosteronspiegel wieder in den Normbereich zurück führte. Gleichzeitig wurde nach Professor Dr. Christina Wang aus Los Angeles eine Zunahme der fettfreien Körpermasse um bis zu 3,5 Kilogramm in 30 Monaten gesehen, bei gleichzeitigem Rückgang des Körperfettgehaltes um 2,5 Kilogramm. Es resultierte ferner eine Steigerung der Muskelkraft und ein signifikanter Zuwachs an Knochendichte. Auffallend ist nach Behre, dass die Männer sich unter der Substitution des Testosteron rasch wieder wohler fühlen. Die hormonbedingten Beschwerden, wie Reizbarkeit und depressive Verstimmungen, lassen nach, die Stimmungslage wird wieder positiver und auch die Leistungsfähigkeit wird besser, erklärte der Androloge. Das Gel wird nach seinen Worten gut vertragen, Hautreizungen treten nur selten auf.

Prostata regelmäßig kontrollieren

Da sich die Gabe von Testosteron nachhaltig auf die Prostata auswirken kann, sind allerdings Männer mit Prostatakarzinom von der Testosterontherapie ausgeschlossen. Vor der Hormonsubstitution muss außerdem ein Prostatakrebs durch eine rektale Abtastung sowie eine Ultraschalluntersuchung ausgeschlossen werden. Auch eine Bestimmung des PSA-Wertes sollte selbstverständlich sein. Zwar gibt es nach Professor Dr. Thomas Ebert aus Fürth keinen Beleg dafür, dass Testosterongaben das Auftreten eines Prostatakarzinoms provozieren oder dessen Wachstum forcieren können, auszuschließen ist dies jedoch nicht, so dass eine gewisse Vorsicht angebracht ist. Das erklärt auch die Forderung der Mediziner nach regelmäßigen Kontrollen unter der Testosteron-Behandlung. Es wird empfohlen, den PSA-Wert sowie die Testosteronspiegel alle drei Monate überprüfen zu lassen und das Prostatavolumen alle zwölf Monate. Einmal pro Jahr sollte außerdem eine rektale Untersuchung erfolgen. Noch bei einem weiteren Punkt ist Vorsicht angebracht. Wenn das Gel aufgetragen wurde, sollte man in den entsprechenden Hautbereichen für einige Stunden einen allzu engen Hautkontakt zu anderen Personen vermeiden, damit nicht unbeabsichtigt auch deren Hormonspiegel zum Steigen gebracht wird.

Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
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