Jubiläum an der Universität Jena

Seit 20 Jahren kümmert sich die WHO um die Zahngesundheit

In der Universität Jena feierte das Kollaborationszentrum „Prevention of Oral Diseases“ mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seinen 20sten Geburtstag. Seither ist dieses Zentrum international in der Erforschung der Zahngesundheit in kariologischer und epidemiologischer Ausrichtung führend in Europa. Das Jubiläum gab Anlass genug, dass über 160 Wissenschaftler aus anderen europäischen WHO-Zentren (WHOCC) nach Jena kamen und in einem Symposium eine Bestandsaufnahme ihrer bisherigen Untersuchungen vornahmen sowie eine Strategie für die Zahngesundheit der Zukunft erarbeiteten.

In Abstimmung mit der WHO Genf, Professor Petersen, wurde das wissenschaftliche Programm des Symposiums unter das Leitthema „Oral Health and Oral Health Promotion across Europe“ gestellt. Experten aus dem In- und Ausland haben in Vorträgen über den gegenwärtigen Stand der Mundgesundheit, ihren Einfluss auf die allgemeine Gesundheit und Lebensqualität sowie über öffentliche Gesundheitsprogramme und Betreuungsstrategien referiert. Das Symposium fand als Auftaktveranstaltung des 10. Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde statt, über den an anderer Stelle noch umfangreich berichtet werden wird.

Dieses WHO-Kollaborationszentrum „Prävention oraler Erkrankungen“ (WHOCC) ist gegenwärtig das einzige Zentrum in Deutschland auf dem Gebiet der Mundgesundheit. Seit knapp 20 Jahren unterstützt es mit seinen Arbeitsprogrammen kontinuierlich das Anliegen der WHO. Epidemiologische Studien zur Mundgesundheit und Effektivitätsanalysen der zahnärztlichen Versorgung einschließlich öffentlicher Gesundheitsprogramme gehören ebenso zu den Aufgabenstellungen wie die Erforschung von Risikofaktoren in Bezug auf die Mundgesundheit. In jährlichen Berichten werden die Ergebnisse der Arbeit des WHOCC an die WHO und das Bundesministerium für Gesundheit und Soziales übergeben.

Weltweite wichtige wissenschaftliche Kontakte

Die internationale Zusammenarbeit des WHOCC wird durch umfangreiche wissenschaftliche Kontakte zu europäischen und außereuropäischen Partneruniversitäten sowie öffentliche Gesundheitseinrichtungen deutlich. Beispiele dafür sind vertraglich geregelte Vereinbarungen über wissenschaftliche Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit Universitäten und WHOCCs in Budapest, Minsk und der Mongolei. Seit zwei Jahren begleitet das WHOCC zudem ein Mundgesundheitsprojekt auf den Philippinen wissenschaftlich, das in der Trägerschaft des Komitees „Ärzte für die Dritte Welt“, Frankfurt/M., durchgeführt wird. Daneben gewährt das Zentrum auch Unterstützung und Konsultationen bei fachbezogenen Anfragen aus dem In- und Ausland. Unlängst hospitierte eine Zahnärztin von der Universität Pristina/Kosovo für acht Wochen am WHOCC/ Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde, um sich über den Aufbau von Präventionsprogrammen und -strategien bei behinderten Kindern zu informieren. Ein reger Erfahrungsaustausch zwischen dem Gast, Mitarbeitern und Studenten über gesundheitspolitische Probleme, die zahnärztlichen Versorgungssysteme in beiden Ländern und die Mundgesundheit war für beide Seiten von Interesse und bereicherte den jeweiligen Kenntnisstand. Leiteinrichtung des WHOCC ist die Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde in Jena (Direktor Prof. Dr. Dr. Stößer). Eine Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen innerhalb und außerhalb der Universität auf dem weiten Feld der Mundgesundheit wie Public Health wird stetig angestrebt und von der Bundeszahnärztekammer unterstützt. Denn die „Prävention in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde wird oftmals in der Öffentlichkeit stark verkürzt auf die Kariesprävention fokussiert. Aus der Sicht der Bundeszahnärztekammer jedoch ist Prävention die umfassende Grundlage zahnmedizinischen Handelns. Sie dient der Erhaltung aller oralen Strukturen und darüber hinaus der Verhinderung von systemischen Erkrankungen“, so Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, anlässlich des WHO-Symposiums in Jena.