Fettstoffwechselstörungen

Ein Lebensmittel mit Indikation Diabetes mellitus

Vor fast zwei Jahren hat Deutschland in Umsetzung von gültigem EU-Recht erstmals den Weg für die Einführung von Lebensmitteln zu Heilzwecken frei gemacht. Hierdurch wurden teilbilanzierte Diäten mit medizinischer Indikation verkehrsfähig. Anfang Oktober diesen Jahres wurde nach dem neuen Recht ein Öl aus der chinesischer Perilla frutescens eingeführt, das einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren hat. Damit bietet sich Patienten mit Risiken für kardiovaskuläre Komplikationen eine neuartige Option.

Im Dezember 2001 erfolgte die Novellierung der Diätverordnung in Deutschland. Seitdem ist es möglich, Lebensmittel zur Heilbehandlung einzuführen. Die bis dahin hier zu Lande geltende strikte Trennung zwischen Arzneimitteln mit medizinischer Indikation auf der einen und Lebensmitteln zum Zwecke der Nahrungsaufnahme oder des Genusses auf der anderen Seite ist damit aufgegeben worden. Die nun verkehrsfähigen „diätetischen Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke als ergänzende teilbilanzierte Diäten“ sollen mit der deklarierten Indikation unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.

Das nun nach neuem Recht eingeführte Öl aus den Samen der chinesischen Schwarznessel (Perilla frutescens, siehe Bild) vermag durch die Zufuhr von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in einem bislang mit Pflanzenölen unerreichbar günstigen Verhältnis Fettstoffwechselstörungen zu normalisieren. Diese gelten als die Hauptauslöser der Erkrankungen des Metabolischen Syndroms, also Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit oder periphere Gefäßerkrankungen. Ihre Spätfolgen, wie der Diabetische Fuß mit erforderlicher Amputation, die vollständige Erblindung, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz, belasten das Gesundheitswesen in entwickelten Ländern in zunehmendem Maße. Sie stellen einen Löwenanteil der Morbidität und Mortalität auch in Deutschland.

Die Anwendung von Perillaöl ist außerordentlich gut verträglich und ohne weiteres mit den üblichen Medikamenten bei solchen Risikopatienten kombinierbar.

Kardiovaskuläre Risikoverbesserung

Der Effekt von Omaga-3-Fettsäuren auf Störungen des Fettstoffwechsels und dessen Folgen ist vielfach dokumentiert. Speziell Alpha-Linolensäure (ALA) kann als essenzielle Omega-3-Fettsäure das Risiko einer kardiovaskulären Komplikation bei Patienten mit Störungen des Fettstoffwechsels bis zu 50 Prozent verringern. Das zeigte eindrucksvoll die „Lyon-Diet-Heart-Study“. Anzustreben ist bei der Supplementierung mit hoch ungesättigten Fettsäuren ein Verhältnis von 4 : 1 zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Durch Perillaöl wird dieser Quotient mit 3,7 : 1 fast erreicht. Eine japanische Studie, in der lediglich das im Haushalt verwendete Sojaöl durch Perillaöl ersetzt wurde, zeigte ähnliche Ergebnisse. Nach zehn Monaten wurden die Serumspiegel der Omaga-3-Fettsäuren und die Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich verbessert.

Die noch laufende Evaluierungsstudie für das neue Perilla-Präparat ®TUIM zeigte in der Teilauswertung bei 100 Anwendern bereits nach vier Wochen den Beginn der gewünschten Veränderung der Serumspiegel von Triglyzeriden und LDL-Cholesterin. Die allgemeine und diabetesspezifische Lebensqualität der Patienten verbesserte sich ebenfalls überzufällig unter der teilbilanzierten Diät, wie Dr. Cam-Tuan Tran, Karlsruhe auf einem Expertentreffen im September 2003 in Hamburg auseinander setzte. Die nach weiteren vier Wochen erfolgenden Auswertungen zeigten den gleichen Trend zur Verbesserung der Risikosituation der Anwender.

Die für eine diätetische Aufnahme von mehrfach ungesättigten Ölen ungewöhnlich hohen Serumspiegel von Omega-3-Fettsäuren, über die Dr. Tran bei den Anwendern von Perillaöl berichtete, werden auch auf den Einsatz einer patentierten Kapsel zurückgeführt, durch die das Perillaöl vor Oxidation geschützt und erst im Dünndarm freigesetzt wird.

Fischöle ersetzbar

Bislang werden langkettige ungesättigte Fettsäuren vor allem aus Fischöl substituiert. Die Konsumenten solcher Präparate werden – dem Rat ihres Arztes oder eines versierten Apothekers folgend – als Alternative Perillaöl testen, das bei einer wirksameren Supplementierung von Alpha-Linolensäure (ALA) von den hauptsächlich störenden Aspekten der Fischöl-Anwendung frei ist:

• Perilla ist als pflanzliche Ressource auch für Vegetarier akzeptabel;

• Das unangenehme Aufstoßen mit dem spezifischen Fischgeruch nach Einnahme von Fischölen wird vermieden;

• Das standardisierte Pflanzenpräparat ist mit Sicherheit frei von Schwermetallen, die bei Präparationen von Ölen aus Fischen nicht immer vollständig entfernt werden können.

Fazit

Der Markt an Angeboten für gesundheitsbewusste Menschen ist in Bewegung. Nach der erfolgten Zulassung von Lebensmitteln mit medizinischer Indikation (diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke, so genannte Nutrialien®) werden Nahrungsergänzungsmittel, die bislang verfügbar sind, in die Kategorie bloßer Nahrungsmittel einzuordnen sein. Sie sind dann deutlicher als bisher von Arzneimitteln unterscheidbar, was ihren begrenzten medizinischen Stellenwert unterstreicht.

Wie schon heute Vitamine oder Fischöle, wird auch das über Apotheken verfügbare Perillaöl von den Anwendern selbst zu bezahlen sein. In der Langzeitanwendung sind die Tagestherapiekosten von Euro 1,20 jedoch relativ niedrig. T.U.K.