Garantiefonds in der Hausse

Magerkost

Garantiefonds sind in Deutschland ein Renner. Die Garantie besagt zumeist, dass zum Laufzeitende kein Kapitalverlust zu erwarten ist. Jetzt in der Börsenhausse fordert die „Sicherheit“ ihren Preis: Magerrenditen.

Deutsche Geldanleger sind im Vergleich zu ihren britischen, amerikanischen oder auch französischen Kollegen immer noch recht unerfahren. Allzu leicht verfallen sie dem jeweils vorherrschenden Trend: Sie kaufen Aktien, wenn die Börsen in euphorischer Jubelstimmung sind und verkaufen im tiefsten Tal der Tränen. Aber nur wer umgekehrt, also antizyklisch handelt, verdient wirklich Geld, und das nicht zu knapp. Zum Trost für die Laien-Investoren: Viele Anlageprofis der deutschen Versicherungsbranche wussten es auch nicht besser – sie verspekulierten das Kapital der Versicherten bis an den Rand ihres Ruins.  

Die deutschen Geldinstitute indessen kennen ihre Kundschaft. Basierend auf der Angst der Deutschen vor dem Kapitalverlust konstruierten sie so genannte Garantieprodukte. So kursieren derzeit auf dem Kapitalmarkt über 70 Fonds, die entweder das theoretische Verlustrisiko stark begrenzen oder gar – am Laufzeitende – die volle Rückzahlung des investierten Kapitals garantieren. Vor allem die Garantiefonds fanden, erst recht vor dem Hintergrund einer dreijährigen Börsenbaisse, reißenden Absatz. Insgesamt verwalten deutsche Fondsgesellschaften in Garantiefonds über neun Milliarden Euro. Allein im ersten Halbjahr 2003, als die Börsenbaisse bis März besonders grausam zuschlug, flossen den Garantieprodukten rund 2,4 Milliarden Euro zu.  

Eine Garantie ist zweifelsohne eine Wohltat. Doch gerade im launischen Kapitalmarkt hat sie ihren Preis. Denn der Anlage- Laie befindet sich in einem großen Irrtum, wenn er glaubt, der Emittent eines Garantiefonds würde aus Gnade und Güte gegenüber dem Kunden seine Garantie aussprechen.

Profit aus der Angst

Im Gegenteil: Er organisiert ein schönes lukratives Geschäft mit der Angst. So verwundert es nicht, dass die Investoren in Garantie- oder Risikobegrenzungsfonds in diesem Jahr kaum oder sogar negative Renditen zu sehen bekamen, obwohl sich der deutsche Aktienindex DAX von seinem Jahrestief um rund 60 Prozent erholt hat. Der EuroStoxx 50, der sich aus den 50 größten europäischen Unternehmen zusammensetzt, stieg seit dem Baissetiefstpunkt im März um rund 40 Prozent. Und auch alle anderen maßgeblichen Börsenbarometer dieser Welt legten im Schnitt um gut 20 Prozent zu. 

Weshalb die Inhaber von Garantiefonds mehr oder minder leer ausgehen, wenn Hausse angesagt ist, hat im Prinzip folgende Ursache: Volle Garantie gibt es an der Börse nur durch ein 100- prozentige Absicherung. Das bedeutet: Weil kein Fondsmanager die Zukunft vorhersagen kann, muss er sich auch bei steigenden Aktienkursen gegen fallende Kurse absichern. Er kauft deshalb Verkaufsoptionen, die „Puts“. Fallen die Kurse, steigt die Verkaufsoption im Wert. Sie gleicht dann mehr oder weniger den Kursverlust einer Aktie aus. Steigt aber eine Aktie, verliert die terminlich begrenzte Verkaufsoption immer mehr an Wert und ist am Verfallstag praktisch wertlos. Das Geld für den Kauf der Option ist verloren. Dieser Verlust frisst den Kursgewinn der Aktie weitgehend wieder auf. 

Fazit: Was auf der einen Seite gewonnen wird, geht bei voller Garantie auf der anderen wieder verloren. Einziger Gewinner bei diesem Wechselspiel ist die Mutterbank einer Fondsgesellschaft: Sie verkauft gegen fette und sichere Gebühren die Optionen, die den Anleger vor möglichen Verlusten schützen sollen.

Die Bank gewinnt

Garantiefonds sollen den Käufer in Sicherheit wiegen. Doch in Wirklichkeit bieten sie – vor dem Röntgenschirm der unvoreingenommenen Analyse – eigentlich nur eine Illusion von Sicherheit. Denn in Sachen Geldanlage lässt sich das Wechselspiel von Rendite und Risiko niemals aushebeln. Das heißt: Wer kein Risiko eingehen will, bekommt entweder keine oder nur eine kaum nennenswerte Rendite.

Kluge und kundige Geldanleger wissen das. Sie lassen sich nicht von Garantiezusagen blenden. Sie halten stets so viel Geld in Parkposition (Geldmarktfonds oder Rentenfonds mit Titeln von kurzer Laufzeit), um mittelfristig alle Ausgaben abdecken zu können. Den Rest investieren sie langfristig in grundsolide, international ausgerichtete Aktienfonds. In der Börsenbaisse bleibt das Kapital so strategisch vor extremem Wertverfall geschützt. Und in der Hausse werden die Anleger für ihr klug kalkuliertes Risiko voll und ganz belohnt. In aller Regel verdienen sie mit dieser Strategie in der Hausse weitaus mehr als sie in der Baisse (auf dem Papier) verloren haben. jk   

Der langjährige Autor unserer Rubrik „Finanzen“ ist gerne bereit, unter der Telefon-Nr. 089/64 28 91 50
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Dr. Joachim Kirchmann
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