Fortbildungsteil 2/2003

Ästhetik mit Kraft, Draht und Öse

Wer heute unter 40 Jahre alt ist, hat selten schiefe Zähne. Engstände, Fehlbisse oder andere hässliche Zahnstellungen kommen kaum noch vor. Das ist den Fortschritten im Fachbereich Kieferorthopädie zu verdanken, die es möglich machen, auch noch im höheren Alter wahre Wunder zu bewirken, um Zähne in die gewünschte Reihe zu stellen, das Kiefergelenk zu schonen, oder gar Parodontopathien vorzubeugen. Eben ein gesundes, hübscheres Lächeln zu bewirken. Was heute alles möglich ist, zeigen fünf Autorenteams. Denn der niedergelassene Zahnarzt soll seine Patienten gezielt beraten können, ob nicht hier oder da doch noch „Draht angelegt“ werden könnte.

Priv.-Doz. Dr. Dipl. Phys. Christoph Bourauel, Bonn, erläutert in seinen Ausführungen die „Biomechanik“ der Zahnbewegung. Er stellt eine Methode vor, mit deren Hilfe und Programmsystemen heute eine Vielzahl von mechanischen Problemen gelöst werden können. Allerdings kommt er zu dem Schluss, dass es trotz all des Fortschritts noch Vieles zu erforschen gibt.  

Kieferorthopädische Prophylaxe und Frühbehandlung von Malformationen haben das Ziel, progrediente Entwicklungen zu unterbrechen und über die Normalisierung von Funktion und Form eine physiologische Gebissentwicklung beim Kind zu erreichen. Professor Dr. Bärbel Kahl-Nieke, Hamburg, stellt verschiedene Methoden der Frühbehandlung vor und diskutiert den Zeitpunkt des Behandlungsbeginns. Sie zeigt, dass bereits im Vorschulalter ein optimales Ergebnis erreicht werden kann, wenn alle interdisziplinären Bereiche wie Eltern, Kinderarzt, Erzieher und Logopäde eng miteinander arbeiten und so die Motivation des Kindes unterstützen.  

Priv.-Doz. Dr. Ulrike Fritz, Prof. Dr. Dr. Peter Dietrich und Dr. Andreas Ehmer, Aachen, zeigen auf, dass Implantate in der Kieferorthopädie durchaus ihren Einsatz finden können. Bei erschwerten Verankerungsbedingungen, wie einer reduzierten Zahnzahl und Ankerzähnen mit Attachmentverlust, leisten sie ihren bevorzugten Dienst. Die Autoren besprechen Beispiele einiger implantatgestützter Zahnbewegungen.  

Ein zunehmender Anteil erwachsener Patienten stellt hohe ästhetische Ansprüche an sein Gebiss. Eine sichtbare KfO-Apparatur kommt daher für viele dieser Patienten nicht in Frage. Ralf Müller-Hartwich und Priv.-Doz. Dr. Paul-Georg Jost-Brinkmann, Berlin, stellen die Lingualtechnik vor und gehen auf die hohe Individualität dieser kieferorthopädischen Apparaturen ein. Sie diskutieren die Effizienz des hohen Arbeitseinsatzes, der hohen Kosten sowie der längeren Eingewöhnungszeit mit dem für den Patienten ästhetischeren Vorteil.  

Gebissstruktur und Nahrung stehen in einem engen Zusammenhang. Priv.- Doz. Dr. Dr. Edmund Rose, Freiburg, zeigt auf, welche morphologischen Veränderungen des Kausystems nahrungskonsistenzbedingt auftreten können und wie diese Veränderungen des Gesichtsschädels Einfluss auf die orale Gesundheit eines Menschen nehmen können. Sein Vorschlag: Zukünftig könnte über einen einheitlichen Konsistenz- Index der Lebensmittel eine gewisse stomathognathe Prophylaxe erzielt werden.  

Verantwortlich für den Fortbildungsteil:
Susanne Priehn-Küpper
Prof. Dr. Elmar Hellwig


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