Komplikationen bleiben oft lange Zeit unbemerkt

Leberzirrhose

Bei Patienten mit Leberzirrhose ist die Entgiftungsfunktion der Leber eingeschränkt. Es kann zur Akkumulation von Toxinen im Blut kommen, was massive Komplikationen, wie etwa eine hepatische Enzephalopathie (HE), zur Folge hat. Da die Störung anfangs meist nur diskrete Symptome verursacht, bleibt sie nicht selten lange Zeit unbemerkt.

 

In Deutschland leiden rund eine Million Menschen an einer Leberzirrhose. Etwa 70 Prozent von ihnen weisen – latent oder klinisch manifest – eine hepatische Enzephalopathie auf und entwickeln neurologische und psychische Symptome. So kommt es als erstes Anzeichen einer hepatischen Enzephalopathie (HE) zu einer Verlangsamung der Motorik, zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen und zu Veränderungen im Schriftbild. Solche unspezifischen Veränderungen werden oftmals aber nicht mit der Leberzirrhose in Verbindung gebracht, die HE bleibt folglich nicht selten undiagnostiziert und somit auch unbehandelt, monierte Dozent Dr. Kurt Grüngreiff aus Magdeburg bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Medica 2003 in Düsseldorf.

Frühdiagnose durch Flimmerfrequenztest

Werden die Symptome ausgeprägter und kommt es gar zu Verwirrtheitszuständen, zu Orientierungsschwierigkeiten und zu Bewusstseinstrübungen, dann ist die Diagnosestellung bei bekannter Leberzirrhose kein Kunststück mehr. Mit Hilfe spezieller Testverfahren wie dem Zahlenverbindungs- oder dem Linien-Nachfahren-Test lässt sich die Komplikation dann recht gut fassen. Anders sieht das nach Grüngreiff bei den subklinischen Stadien aus, in denen die Patienten kaum auffallen. Doch inzwischen gibt es nach seinen Worten auch hier verbesserte Diagnosemöglichkeiten durch den so genannten Flimmerfrequenztest, bei dem die „Kritische Flimmer-Frequenz“ bestimmt wird, also der Wert, bei dem die Patienten ein Flimmern im Licht erkennen. Ist dieser Wert erhöht, so spricht dies eindeutig für eine HE.

Gefährdung im Straßenverkehr

Die Frühdiagnostik ist nach Grüngreiff bedeutsam, weil die Betroffenen einerseits in ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtigt sind und weil sie andererseits durch die veränderte Bewusstseinslage, durch die verlangsamte Motorik und die Konzentrationsstörung beim Arbeiten an Maschinen und vor allem im Straßenverkehr gefährdet sind. „Außerdem gibt es gute Therapieoptionen, und die Symptome sind potenziell reversibel“, mahnte Grüngreiff, der in Magdeburg eine hepatologische Schwerpunktpraxis unterhält.

Wie es zur HE bei der Leberzirrhose kommt, ist nach seinen Worten bislang nicht genau geklärt. Einigkeit aber herrscht unter den Experten, dass es sich um ein komplexes Geschehen handelt, bei dem Ammoniak als Neurotoxin offenbar eine zentrale Rolle spielt.

Therapeutisch muss es nach Grüngreiff in erster Linie darum gehen, alle Faktoren auszuschalten, die die Ammoniakbelastung des Gehirns verstärken, denn unbehandelt kann das Krankheitsbild zum Koma und schließlich zum Tode des Patienten führen. An der Auslösung der HE sind nicht selten Diuretika sowie Sedativa beteiligt. Auch ein fortgesetzter Alkoholkonsum kann entsprechende Effekte auslösen. Infektionen und/oder gastrointestinale Blutungen können ebenfalls der Auslöser sein, so dass nach Grüngreiff stets umfassend nach den Ursachen gefahndet werden sollte.

Bei der Behandlung muss primär versucht werden, solche Auslöser auszuschalten und die Hyperammonämie zu minimieren. Das ist zum Beispiel durch spezielle Präparate, wie L-Ornithin-L-Aspartat, möglich, welches die natürliche Ammoniakentgiftung in der Leber ankurbelt. Synergistische Effekte lassen sich bei Patienten mit nachgewiesenem Zinkmangel zusätzlich durch die Kombination mit einem Zinkpräparat erzielen.

HE-Aktivengruppe Gegründet

Die Behandlung wird dabei um so eher greifen, desto früher die Diagnose der HE gestellt wurde. Um die medizinische Diagnostik wie auch Therapie der Erkrankung zu forcieren, wurde jetzt durch die Deutschen Leberhilfe und den Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen eine spezielle HE-Aktivenguppe unter dem Dach der Deutschen Leberhilfe gegründet. Die Gruppe soll gezielt Patienten wie auch ihre Angehörigen ansprechen und besser über die Erkrankung und ihre Folgen unterrichten, wie Achim Kautz, Geschäftsführer der Deutschen Leberhilfe, berichtete. Außerdem soll durch Newsletter und Arzt-Patienten-Seminare verstärkt über die Grundlagen sowie die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten informiert werden. Es wird generell darum gehen, die Betroffenen bei ihren Alltagsproblemen zu unterstützen und sie bei der Arztsuche zu beraten. Außerdem soll, so Kautz, die breite Öffentlichkeit stärker für das Krankheitsbild der Leberzirrhose und der HE sensibilisiert werden.

Christine Vetter
Merkenicherstraße 224
50735 Köln

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