Handelsblatt-Konferenz in Berlin

GKV und PKV – die Grenzen verschwimmen

Bei der Handelsblatt-Konferenz am 28. und 29. Januar stand vor allem eines im Vordergrund: Die Gesundheitsreform und ihre Auswirkungen auf die Gesetzliche wie Private Krankenversicherung. Zunehmend wird deutlich, dass die Grenzen zwischen GKV und PKV verschwimmen.

„Keine Engpässe, kein Chaos, die Schwierigkeiten halten sich in Grenzen.“ So kommentierte Franz Knieps, Abteilungsleiter Gesundheitsversorgung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung im Bundesgesundheitsministerium, die Einführung der Gesundheitsreform und verbreitete betont Zuversicht. Weitgehend reibungslos funktioniere die Etablierung der Praxisgebühr, verzerrt werde die Lage allerdings durch die Darstellung in den Medien, die Öffentlichkeit differenziere hier nicht genug. Die Umsetzung des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes sei noch nicht abgeschlossen. Seiner Ansicht nach sei der Staat dazu da, die Rahmenbedingungen zu stellen. Die Selbstverwaltung sei bei der Ausgestaltung in die Pflicht genommen. Knieps Optimismus wurde auf der Veranstaltung bei weitem nicht einhellig geteilt. Bei der Diskussion um Konzepte zur Gestaltung der Zukunft des Gesundheitswesens taten sich tiefe Gräben auf. Während Prof. Dr. Dr. Karl W. Lauterbach, Universität Köln, die Bürgerversicherung als nächsten Schritt zur Lösung der Strukturprobleme empfahl, kamen von Seiten Prof. Dr. Jürgen Wasem, Universität Duisburg/Essen, der auch Mitglied der Herzog- Kommission ist, skeptische Töne. Die bisherige Diskussion um Kopfpauschale und Bürgerversicherung verwische die Probleme des Gesundheitswesens. Die bisherige Kostendämpfungspolitik sei an ihre Grenzen gestoßen, erklärte er. Eine echte Finanzierungsreform müsse die Abkopplung der GKV-Einnahmenentwicklung von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung und die Wirkungen der Demographie abmildern. Sein Konzept: Der Einbezug der privaten Krankenversicherung in den Risikostrukturausgleich.

Für den Erhalt des Wettbewerbs

Die PKV sieht nach der Reform ihre Perspektiven drastisch schwinden. Klaus Detlef Dietz, Geschäftsführer des Berliner Büros des PKV-Verbandes, äußerte seine Zweifel, ob die derzeitige Koalition an einer geregelten und belastbaren Koexistenz von GKV und PKV gelegen sei. Er forderte ein, ordnungspolitische Fehler auf den Prüfstand zu stellen und Klarheit zu schaffen. Vehement setzte er sich für den Erhalt des Systemwettbewerbs zwischen GKV und PKV ein und stellte in Frage, ob Kooperationen zwischen den beiden Systemen bei Zusatzversicherungen überhaupt europarechtlich zulässig sind.

Seit Einführung des GMG ist es den gesetzlichen Krankenversicherungen erlaubt, Privatversicherungen zu vermitteln. Dieter Hebel, Vorstandsvorsitzender der Gmünder Ersatzkasse (GEK), bezeichnete dies als eine Initialzündung. Die GEK biete inzwischen im Bereich PKV-Kooperation ein modulares Produkt an, das „GEK-Sorglos-Paket“. Sie habe dazu einen günstigen Gruppentarif mit der Süddeutschen Krankenversicherung (DK) abgeschlossen, von dem die GEK-Versicherten profitierten. Eine individuelle Beratung durch die GEK-Mitarbeiter sei möglich, ohne dass dabei Provisionsanreize im Hintergrund stünden.

Sinnvolle Lösungen

Rainer Fürhaupter, Vorstandsmitglied der Deutschen Krankenversicherungs- AG (DKV), erklärte, dass die Ergänzungsversicherung als strategisches Geschäftsfeld der PKV eine neue Bedeutung bekommen habe. Die PKV biete sinnvolle Lösungen für Leistungseinschränkungen und -ausschlüsse, zum Beispiel des Zahnersatzbereiches oder bei der Kostenerstattung. Der Patient werde zum Kunden, die PKV folge den neuen Ansprüchen des Versicherten zum Beispiel nach weitergehender Vorsorge und Prävention oder bei umfassenden Serviceleistungen. Als Beispiel nannte Fürhaupter die Kooperation der DKV mit der VW Bank und der Deutschen BKK.

Mehr Wettbewerbsmöglichkeiten und Wahlfreiheit durch Bonustarife in der GKV sieht die Barmer Ersatzkasse. Nikolaus Schmitt von der BEK-Hauptverwaltung skizzierte die Selbstbehaltstarife bei der Barmer: „Der Erfolg des Tarifs liegt in der Verhinderung eines Wechsels zur PKV. Aus Kundensicht könnte der Status der Privatversicherten in der Arztpraxis, kombiniert mit der uneingeschränkten Wahlfreiheit der GKV, sehr attraktiv sein.“