Wichtige Infektionsursachen der Mundhöhle

Sialolithiasis der Glandula Parotis

Kasuistik

Ein 69-jähriger Patient berichtete über rezidivierende Episoden linksseitiger Wangenschwellungen über einen Zeitraum von rund zwei Jahren. Aktuell war es erneut zu einer massiven Schwellung mit einem Punktum Maximum über dem linken Masseter gekommen (Abb. 1). Die linke Glandula parotis war deutlich druckdolent, aus der Papilla parotidea entleerte sich bei Druck auf die Drüse deutlich Pus (Abb. 2). Bereits auf dem alio loco erstellten OPG war durch den zuweisenden Kollegen ein kalkhaltiges Konkrement in Projektion auf die linke Wange erkannt worden (Abb. 3). Sonographisch bestätigte sich das Bild einer Speichelgangokklusion mit massiver Gangektasie bis zu einem Durchmesser von neun Millimetern. Das Konkrement lag, gut erkennbar durch sein deutliches Oberflächenecho und den Schallschatten, am Masseter-Vorderrand in unmittelbarer Nähe des Ostiums (Abb. 4 a-c).

Therapeutisch erfolgte wegen der Nähe zur Papilla parotidea eine Speichelgangrevision von enoral mit Schlitzung des Ausführungsganges, wobei das Konkrement in toto geborgen wurde (Abb. 5). Nach Ausnähung des Gangepithels erfolgte eine Drainage und Gangschienung durch einen Katheter für insgesamt drei Wochen. Die entzündliche Symptomatik bildete sich innerhalb weniger Tage zurück.

Diskussion

Die Sialolithiasis ist eine der häufigsten Erkrankungen der großen Speicheldrüsen und betrifft bevorzugt das mittlere Lebensalter (40 bis 65 Jahre). In Einzelfällen wird auch über eine Sialolithiasis im Kindesalter berichtet [Karengera et al., 2000]. Obwohl ein statistischer Zusammenhang zu anderen „Steinleiden” (Cholezystolithiasis und Nephrolithiasis) in der Vergangenheit immer wieder diskutiert wurde, konnten neuere Untersuchungen an sehr großen Patientenkollektiven einen solchen Zusammenhang nicht belegen [Zenk et al., 1999]. Der weitaus überwiegende Anteil von Speichelsteinen manifestiert sich an der Glandula submandibularis, die Parotis ist dagegen eher selten betroffen [Lustmann et al., 1990]. Als Ursachen werden neben der unterschiedlichen Speichelzusammensetzung die verschiedenen Speichelflussraten aber auch die unterschiedlichen anatomischen Gegebenheiten der Gangverläufe angenommen.

Das typische Beschwerdebild beinhaltet wiederholte entzündliche Schübe, meist im Laufe mehrerer Jahre, wobei der anamnestisch recht spezifische Zusammenhang der Beschwerdeintensität zur Nahrungsaufnahme erst dann angegeben wird, wenn die Konkrementbildung oder eine konsekutive Vernarbung zur Obstruktion des Gangsystems führt. Im vorliegenden Fall war die Obstruktion sehr eindrucksvoll und hatte zu einer äußerlich sichtbaren Gangaufweitung geführt. Während der normale Durchmesser des Parotisausführungsganges bei zirka 1,2 bis 1,4 Millimetern liegt [Zenk et al., 1998], sahen wir auf dem Maximum der Okklusion einen Gangdurchmesser von knapp einem Zentimeter.

Die Untersuchungsmethode der Wahl stellt die Sonographie dar, die neben dem Steinnachweis auch eine Beurteilung des Ausführungsgangsystems und des Drüsenparenchyms erlaubt. Auch eine Verlaufskontrolle kann durch die Sonographie ohne Strahlenbelastung erfolgen.

Neben der chirurgischen Therapie hat sich zwischenzeitlich die Ultraschall-Lithotrypsie als minimalinvasive Behandlungsmethode der Sialolithiasis etabliert. Im vorliegenden Fall wurde allerdings einer konventionellen operativen Entfernung des Konkrements der Vorzug gegeben, da eine sichere und vollständige Entfernung des Steines von enoral in einem schonenden Eingriff möglich war und aufgrund der massiven Entzündungssituation ohnehin eine entlastende Drainage vorgenommen werden musste.

PD Dr. Dr. Martin Kunkel
Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Johannes-Gutenberg-Universität
Augustusplatz 2, 55131 Mainz

Fazit für die Praxis

• Die Sialolithiasis der Glandula parotis ist eine relevante klinische Differentialdiagnose der seitlichen Gesichtsschwellung.

• Die Untersuchungsmethode der Wahl ist die Sonographie. Dieses nicht invasive Verfahren lässt neben dem Steinnachweis auch eine Beurteilung der Drüsenstrukturen zu.

• Neben operativen Therapieverfahren haben auch nicht invasive Verfahren, wie die Ultraschall-Lithotrypsie, heute einen Stellenwert in der Behandlung der Sialolithiasis.


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