Kardiologie

Zytostatika-beschichteter Stent bewährt sich

Stenosen in Koronargefäßen werden heute routinemäßig aufgedehnt. An besonders kritischen Stellen werden so genannte Stents eingepflanzt, starre Röhrchen, die das aufgeweitete Gefäß offen halten sollen. Leider setzen sich auch solche Stents oft schon nach wenigen Monaten wieder zu. Eine Beschichtung mit dem Zytostatikum Paclitaxel scheint dieses Risiko zu mindern.

Schon seit Jahren wird versucht, durch Beschichtung der in Koronarien verpflanzten Stents die Gefahr einer Restenosierung zu mindern. Im Einsatz waren zum Beispiel Thrombozytenaggregationshemmer, ohne dass sich ein deutlicher Vorteil gegenüber den nackten Stents zeigen ließ.

Nun hat die Arbeitsgruppe um Gregg W. Stone vom Lenox Hill Heart and Vascular Institute in New York eine neunmonatige Studie an 1 314 Patienten mit einer Ein-Gefäß- Erkrankung vorgestellt, denen jeweils nach Zufallszuteilung ein nackter oder mit Paclitaxel beschichteter Stent eingepflanzt wurde.

Paclitaxel ist als Zytostatikum bei soliden Tumoren sehr erfolgreich. Es wurde in dieser neuen Indikation eingesetzt, weil man mit seiner Hilfe die zur Restenose führenden Zellverbände unterdrücken wollte. Die Beschichtung war so angelegt, dass der Wirkstoff aus einer Polymerbasis nur sehr langsam freigesetzt wurde.

Deutlich weniger Restenosen

Deutlich verringerte sich in der Gruppe, die den beschichteten Stent eingepflanzt bekam, die Notwendigkeit einer erneuten Revaskularisation von zwölf Prozent auf 4,7 Prozent innerhalb der neunmonatigen Beobachtungszeit im Vergleich beider Gruppen. Der Stenosierungsgrad im Interventionsbereich war in der Verumgruppe nach neun Monaten um 13,5 Prozentpunkte geringer, wie die kumulierten Kurvenscharen in Abbildung 1 zeigen. Die grafische Auftragung demonstriert auch deutlich, wie stark sich die erneute Verengung des betroffenen Koronargefäßes verzögert. Entsprechend vermindert war auch der Anteil der Patienten, die in den ersten neun Monaten nach der Intervention einen erneuten Eingriff benötigten.

Allerdings bringt dieser Vorteil am Interventionspunkt kaum einen Effekt quoad vitam. Wie an dieser Stelle schon mehrfach diskutiert, sind Krankheiten im Rahmen des Metabolischen Syndroms – wie die hier verfolgte Koronare Herzkrankheit – progrediente Systemerkrankungen, die nicht nachhaltig durch lokale Manipulationen geheilt werden können.

Somit ist festzuhalten: Notfallmäßig ist eine Rekanalisierung durch Gefäßaufweitung und Stentimplantation immer vertretbar. Die Gefährdung der Patienten durch einen Myokardinfarkt oder vaskulär bedingten Tod bleibt aber durch diese Maßnahme unberührt, wenn die Erkrankung nicht gleichzeitig systemisch, etwa durch wirksame Medikamente attackiert wird.

T .U. Keil

 


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